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Der Israelit · 1867-01-02 · Heft 1 (2.1.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 1 (2.1.1867)
Date
1867-01-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 gebildeter und echt religiöser Männer, die eö urbar machen sollen. K. &te*Uut. Hier beschäftigt jetzt eine wenige Frage alle Gemnther. Die GemeindereprLfentanz beschloß nämlich, da hierorts sich noch keine Gememdesynagoge befindet, ein den Bedürfnissen zweckentsprechendes Gotteshaus zu errichten, das natürlich dann mit Orgel, Chor und dem dazu gehörigen Reform- Popanz zum Gebrauche der Reform-Gemeinde prachtvoll hergerichtet werden soll. Da nun die biefige orthodoxe Gemeinde doch auch etwa 500 steuerbare Mitglieder hat, die ihr Geld zn diesem großartigen Baue hergeben müssen, so verlangt dieselbe mit Recht, daß auch ihren Bedürfnissen von Seiten der Gemeinde Rechnung getragen werde. — Bei der vorige Woche stattgefundenen Grundsteinlegung der neuen Synagoge suchte der Vorstand die Interessen beider Parteien zu vereinigen, indem er Herrn Rabbiner Tiktin das hebräische Weihegebet, Herrn Dr. Joel die deutsche Rede halten ließ. Da dies jedoch in der Folge nicht angehen wird, so ist man auf den Ausgang der Sache allgemein sehr gespannt. Möge sich die orthdoxe Gemeinde in ihrm Wünschen und Bestrebungen nicht irre machen lasten. Erfreulich ist es zu sehen, wie der Reformschwindel auch hier immer mehr Anhänger verliert, und es ist ein Zeichen der Zeit, wie sie diese geschätzten Blätter zur Freude jedes wahren Juden setzt oft bringen, daß auch hier solch ein religiöser Umschwung sich vorbereitet. Kassel. Die großen Veränderungen, welche in jüngster Zeit in überraschend schneller Weise auf dem Schauplatze der politischen Weltbegebenheiten sich zugetragen, sind nicht ohne nachtheiligen Einfluß aus den Zustand des religiösen Gemeinwesens unseres ehemaligen Kurstaates geblieben. — Das innere religiöse Band, welches die jüdischen Institutionen bisher zusammenhielt, und das seinen äußeren Halt in dem Schutze einer wohlwollenden Regierung fand, ist zerfallen, zerstoben, wie das staatliche Gebäude selbst, in welchem es seine Stätte fand. Das Landrabbinat, das seiner Mehrzahl nach, aus conservativen Elementen zusammengesetzt war, das nach Kräften noch zusammengehalten , und den Verfall jüdischen Lebens verhütet, ist aufgelöst; den modernen Rabbinen und Lehrern ist nunmehr freie Hand gelassen, Neuerungen nach Belieben einzuführen, denn die preußische Regierung kümmert sich um jüdische Angelegenheiten nicht viel. Schon soll die Einführung einer Orgel in die Synagoge zu Kassel, welche, wie wir s. Z. in diesen Blättern mittheilten, als beseitigt betrachtet werden durfte, von der preußischen Regierung nunmehr genehmigt sein; und obwohl in letzter Zeit, wie wir wissen, diele religiöse Familien vom Lande hierher gezogen sind, so setzen wir doch weder Einigkeit noch Energie genug bei ihnen voraus, als daß sie für die wahren Interessen des jüdischen LrbMs einigen Eifer zeigen, oder auch nur den Fuß ofefr bk Hand dafür erheben sollten. Nicht unerwähnt wollm wir lasten, daß unser Rabbiner, Herr Dr. Adler, sicherem Vernehmen nach, in Anerkennung seines, bei Abhaltung der Friedensfeier (am 11. November d. I.) in einer Predigt bewiesenen Patriotismus drei Belobungsschreiben erhalten bat: eines vom Ministerium, ein anderes von der Königin von Preußen, und ein drittes vom Präsidenten Herrn Nedelthau in Kaste!; — eine solche Auszeichnung ist, meines Wistens, bis jetzt noch keinem andern Rabbiner in den neuerworbeuen Ländern zu Theil geworden; doch hat auch wohl kein anderer Redner seine Predigt an genannte Stellen eingesandt. Bei Lichte betrachtet, liegt in den erwähnten scheinbar deprimirenden Ereignissen gleichwohl etwas Beruhigendes, Trostbringendes. Es wird sich ja nun zeigen, und es zeigt sich gewiß, ob das Judenthum innere Lebenskraft genug besitzt, um diesen geschichtlichen Stürmen gegenüber fest ru stehen. Das Judenthum bat schon viele staatliche Veränderungen entstehen und verschwinden sehen, es hat sie alle überlebt. Der Zwang von Außen ist ihm nie dienlich gewesen, — und in der That bei allem Einfluß der Regierung auf die Aufrechthaltung der Religion sind die religiösen Fortschritte kaum gefördert worden; im Gegentheil viel schlimmer, als es in Kassel aussteht, kann eö schwerlich werden. Und schon beginnt man die Nothwendigkeit eines festen Gemeinde-Verbandes zu ahnen, es äußerte sich dieses leise Gefühl bereits darin, daß Hr. Dr. Adler und der Gemeinde-Vorstand den jahrelangen dringenden Vorstellungen endlich nachgcbend, die Erweiterung und Verbesserung der Religionsschule nunmehr zu einer Thatsache gemacht haben. Die Anstalt besteht schon seit dem Jahre 1853 für jüdische Kinder, welche christliche Schulen besuchen Die Leistungen aber, im Vergleich zu denen anderer gleichartiger Anstalten waren so spärlich, daß sie nichts weniger als befriedigend und zweckentsprechend gesunden werden konnten. Im September d. I. erging daher die Aufforderung des Rabbinen und des Vorstandes an die Gemeinde dahin, „ihre Kinder diesem „neu und wohlorgamsirten Institute' zuzuführcn, und „damit zu bethätigen, daß cs ihnen ernstlich darum „zu thun ist, den Gemeindevcrbcmd lebendig und kräf- „tig aufrecht zu erhalten, statt der Gleichgiltigkeit „gegen theure und gemeinsame Interessen immer mehr „Raum zu geben." Gleichzeitig wurde den Seminaristen untersagt, Privat-Unterricht zu ertheilen. Die ReligionSschule besteht, wie bisher, aus zwei Klassen. Die Neugestaltung derselben betrifft nur die Trennung der oberen Elaste nach den Geschlechtern. In die obere Elaste treten die Knaben, beziehungsweise die Mädchen, mit dem 9. oder 10. Lebensjahre

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