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Der Israelit · 1867-01-02 · Heft 1 (2.1.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 1 (2.1.1867)
Date
1867-01-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5 Sie es nennen, doch manche Vorzüge hat, die Sie noch nicht erkannt haben. Es Astet sowohl tziüfichtlich des religiösen und allgemeinen Unterrichts^ als hinsichtlich der Disciplin und der Characterbildung bedeutende Vortheile. Ich will sehen, was Sie in JAern nächsten Artikel hievon widerlegen, oder ob Sie wieder nichts Anderes, als was seit zwei Jahren, zu bieten wissen, ein Conglomerat von Unwahrheiten, Flüche« und Schimpsworten; ich will sehen, ob ich Recht hatte, wenn ich die schlimme Meinung, welche Biele von Ihnen haben, in mir nicht aufkommen ließ, oder ob Sie wirklich nichts sind, als eben ein gewöhnlicher Correspondent der Zeitung des JudenthumS. Berlin, 23. Dec. DiePetitronL-Commission des Abgeordnetenhauses berieth am 19. December über eine Petition, betreffend die Anstellung von Juden im Staatsdienste. Gegenüber den Ausführungen der Commissionsmilglieder erklärte der Vertreter des Justizministeriums. daß die Staatsregierung in Betreff der Anstellung von jüdischen Richtern an ihren früheren Grundsätzen festhalten müsse, weil ein Mischer Richter keinen Eid abnehmen könne. Die Vertreter des Handelsministeriums und des Ministeriums des Innern bemerkten , in ihren Ressorts sei noch keine Meldung eines Juden zum Eintritt in den Staatsdienst vorgekommen. — Posen. Die jüngsten Nummern des „Israelit" brachteil uns erfreuliche Mittheilungen über Auszeichnungen, die in den verschiedensten Staaten unseren Glaubensgenossen zu Theil geworden sind. „Wenn wir doch so weit wären," seufzte ich, als ich nach der Lesung des „Israelit" die „Ostdeutsche Zeitung" zur Hand nahm und die Nichtbestätigung des Herrn Dr. H. Warschauer las. Dr. Warschauer, der bekanntlich an der hiesigen Realschule wirkt, ist von dem Magistrat zu Nakel als zweiter ordentlicher Lehrer für die daselbst ins Leben gerufene höhere Bürgerschule, die nächstens Progymnasium werden soll, gewählt worden. Die Wahl wurde der Brombcrger Regierung zur Bestätigung vorgelegt: die Entscheidung ließ lange auf sich warten, und endlich kam die Nichtbestätigung. Spaßhaft ist die Motivirung der Nichtbestätigung. Den Herren paßte es nicht, gerade heraus zu sagen: „Wir können den Dr. W. nicht bestätigen, da er Jude ist — bei der Gründung der Schule wurde bestimmt, daß die Anstellung nie im Glaubensbekenntniß eine Schranke haben dürfe — sondern, „die Fächer, in denen Dr. W. die facultas docendi besitzt, sind hinreichend an der Anstalt vertreten. Dr. Warschauer ist Philologe, w r brauchen einen Mathematiker und Naturwiffensschasts- > lehrer." Das Gesuchte dieses Grundes liegt auf der Hand. Wählt denn ein Magistrat aus Bedürfniß oder aus Laune? Warum hat der Magistrat den Dr. W. gewählt? Wären die Philologen früher an der An-! stalt-ausreichend vertreten gewesen, so hätte der Magistrat dem Dr. W. seine Zeugnisse umgehend zurückgeschickt mit dem Bemerken, daß er keinen Philologen mehr brauche. Der betreffende Regierungsrath hätte sicherlich auch den Magistrat aufmerksam gemacht, daß die Wahl eines Philologen fruchtlos, weil unnöthig, fei. Aber nein! Der Magistrat wählte aus Bedürfniß, die Regierung bestätigt den Gewählten nicht, nicht weil er Philologe, sondern jüdischer Philologe ist. Die Regierung zu Bromberg hat ferner den Rabb. Dr. Cohn zur Zusammensetzung der Schuldeputation nicht hinzugezogen, wohl aber die Geistlichen der anderen Consessionen. Da aber durch dieses Verfahren die jüd. Bürger mit Recht sich beeinträchtigt fühlen, so wurde von den Stadtverordneten einstimmig beschlossen, ein Gesuch an die Regierung zu richten, sie wolle dem Magistrat aufgeben, den Dr. Cohn zur Schuldeputation hinzuziehen. — Die eisigen Schollen der Verkennung und des Vorurtheils sind in dem Lande der Intelligenz noch zu hart, als daß sie das Licht der letzten Thaten, die auch Juden erringen halfen, schon zum Schmelzen bringen kann. Wenn das Jahr 1867 nicht endlich die Schranken brechen sollte, die eine trübe Zeit aufgerichtet, so muß es klar werden, daß die Bezeichnung mancher Staaten als „Sitz der Intelligenz" mehr Phrase als eine inhaltvolle Wahrheit ist. P.... Breslau. Gestatten Sie mir, geehrter Herr Redakteur, den Leiern Ihres geschätzten Blattes einmal wieder eine Broschüre anzuempfehlen^', die zwar klein von Umfang ist, aber dennoch ein glänzendes Zeugniß ablegt, von der Bildungsfähigkeit einer Nation, die man gewöhnlich in hochcivilisirten Kreisen die uncultivirte nennt, ich meine, nämlich die russische. Seit der erhabene Czar Alexander den russischen Juden die Sonne der Freiheit in ihrem vollen Glanze leuchten läßt, haben diese durch ihre Anhänglichkeit und Loyalität für das angestammte Kaiserhaus die ursprüngliche Treue, die das Judenthum seinen Bekennern gegen den Regenten gebietet, auf's Herrlichste bewahrt. Dafür sprechen die vielen Reden Neumanns, Wunderbars, Kästenbaums u. v. a.; bei feierlichen Gelegenheiten im allerhöchsten Kaiserhause. Ein ähnliches Produkt ist auch die Broschüre: Vortrag. gehalten bei der Vermählung des russischen Kronprinzen Alexander mit der Prinzessin M. Dagmar, in einer Versammlung hier anwesender russischer Glaubensgenossen von S. L. Olschwanger, Breslau 1866. 7 S. Wir können dem Hrn. Verfasser für diese Rede mit vollem Herzen unsere Anerkennung aussprechen. Geordnete Form, warmer Inhalt, reiche Sprache. Auch der originalen Ideen ermangelt diese Rede nicht. Wir können in Bezug aus den jugendlichen Verfasser nur dem Wunsche Ausdruck geben, daß er seine Kräfte auch fernerhin seinen russtschen Brüdern widmen möge. Ein weites Feld der Thätigkeit ist hier noch offen, und harret

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