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Der Israelit · 1867-01-02 · Heft 1 (2.1.1867) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 1 (2.1.1867)
Date
1867-01-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 die Reihe eines mündlichen Vortrags aus den verschiedenen Unterrichtsgcgenständen kommt, während bei uns dieses täglich, oft stündlich der Fall ist; das ist aber nicht gering anzuschlagen. Sind nach dem Gesagten die Verhältnisse für unsere Anstalt günstiger als im königl. Seminar, so glaube ich, Sie werden auch gegen die wiederholt öffentlich sogar von gegnerischer Seite anerkannte Befähigung der Lehrer nichts einzuwenden wissen, und was den Willen betrifft, so sorgt Ihr nach Blößen spähendes Argusauge dafür, daß dieser neue Spannkraft erlange, wenn er sc erlahmen wollte. Demnach sind unsere Zöglinge hinsichtlich des deutschen Unterrichts mindestens nicht schlimmer daran, als die des königl. Seminars; in disciplinärer Hinsicht sind sie entschieden im Vortheile, und zwar durch das, was Ihnen besonders zuwider zu sein scheint, durch das Internat. Es ist wahr, diese Einrichtung hat ihre Gegner; diese befinden sich aber nicht unter den Männern der pädagogischen Wiffenschaft und Erfahrung, sondern aus der Seite, wo man überhaupt gerne das Bestehende verwirft, ohne anzugeben, was Besseres mt. dessen stelle zu setzen sei. Darüber sind alle Stimmen einig, daß das Externat nur in Kleinstädten zulässig ist. Zum Beweis mag das Großherzogthnm Baden dienen. Dort ist man durch eigenthümliche Verhältnisse gezwungen, aus dem Gebiete des Volksschulwesens unter allen deutschen Staaten am weitesten nach links gegangen; dazu konnte man sich aber dennoch nicht verstehen, im Seminare zu Karlsurhe das Externat einzuführen, und verlegt, um das zu können, diese Anstalt nach einer Landstadt. Was man am Externste rühmt, daß es den jungen Leuten Gelegenheit zu bildendem Umgänge verschaffe, ist eine große Täuschung, im Allgemeinen sowohl als für Israeliten insbesondere. Wer kennt nicht den erclusiv-aristokratischen Sinn unserer älteren jüdischen Patrizierfamilien in den Städten; in sie wird sich schwerlich der jüdische Seminarist den Weg bahnen. Wer kennt nicht die übertünchte Unbildung, unserer kürzlich vom Lande in die Stadt gezogenen Geldmänner; bei ihnen würde der junge Mann schwerlich, wenn der aufgeblähte Hochmuth auch den Zutritt gestatten würde, sehr bildenden Umgang sindcn. Es gibt freilich auch recht ordentliche, religiöse und gebildete Familien, zu denen man jungen Leuten Zutritt wünschen möchte. Allein wenn ihnen dieser zu Theil wird, so hindert sie daran das Internat nicht, und wir würden unseren Zöglingen gerne Besuche in solchen Häusern gestatten? Dagegen sind die Gefahren des Externats sehr groß. Die Gesellschaft, auf welche die Seminaristen hier zuerst stoßen, sind die Commis u. drgl Nun ist es aber bekannt, daß mit rühmlichen Ausnahmen, unter dieser Klasse von jungen Leuten sehr leichtfertige religiöse und sehr lockere sittliche Grundsätze herrschen. Ist das ein paffender Umgang für künftige Lehrer? Wenn Sie nach Würzburg kommen, können Sie von Leuten, die nicht gerade- Freunde unserer Anstalt sind, hören, welche Früchte den isr. Zöglingen des königl. Seminars Ihr gepriesenes Externat schon getragen hat. Als Beispiel führe ich Folgendes an, für dessen Wahrheit ich einstehe. Am nächsten Sylvesterabend wird es zwei Jahre sein, da einige dieser externirten jüdischen Seminaristen Dirnen auf ihr Zimmer kommen ließen, mnsicirten, tanzten und Unfug trieben bis fast zum Tagesanbruch. Zwei derselben führten sich so schlimm auf, daß die königl. Seminardirektton ihnen zum Externat in höchster Potenz verhalf, das heißt ihre Ausweisung bewirkte. Darm» glaube ich, daß unser Internat, in der milden Art, in welcher wir es handhaben, nicht eben die kleinste Wohlthat ist, die wir unfern Zöglingen erweisen. Nun möchte ich Sie noch auf einen höchst wichtigen Punkt aufmerksam machen, auf die pecuniäre» Vortheile, die unsre Anstalt bietet; aber sparen Sie Ihr Lächeln noch ein wenig auf, ich meine nicht die pecuniären Vortheile an sich, ich meine ihre sittliche Bedeutung für die jungen Leute. Bekanntlich widmen selten reiche Leute ihre Kinder dem Lehrerberufe, und wer sich mit der Lehrerbildung abgibt, für den hat das alte Wort: D”jy uaa nnn seine besondere Wichtigkeit. Die Entbehrungen, welche die Armuth auferlegt, sind nicht das Schlimmste, die sittlichen Nachtheile, die mit dem „Nehmen" verbunden sind, sind viel schlimmer. Die meisten israel. Seminaristen sind auf Unterstützung angewiesen, die sie theils durch „Ko st tage" in Natura, theils durch monatliche Gaben an Geld (Zahltage) erhalten. Nun müssen die jungen Leute einige Wochen von Haus zu Haus laufen, bis sie die Zusage dieser Unterstützung erhalten; dann muffen sie täglich Verbeugungen machen, um ein Mittagessen zu erhalten, sie muffen mit jedem Neumondstage vor der Comptoir- oder Ladenthüre erscheinen, um in Gegenwart einiger Dutzend Menschen einen Vierundzwanziger in Empfang zu nehmen. Das müßte ein starker Character sein, der hiebei nicht verdorben würde. Aber das Schlimmste kommt noch. Die Geber sind theils „Moderne"*) theils Orthodoxe; die Empfänger zeigen sich bei ersteren modern, bei letzteren orthodox, und werden so characterloseHeuchler. Uebel genug, wer sich nicht helfen kann; was soll man aber von dem denken, der das nicht braucht und es doch thut! Wenn unsre Anstalt gar kein Verdienst hätte, als daß sie die Schulzöglinge dieser Gefahr überhöbe, so hätte sie dadurch allein schon Ansprüche auf das Wohlwollen aller Gutgesinnten, welches auch ihre religiösen Anschauungen sein mögen. Hiermit, verehrter Herr, glaube ich Ihnen bewiesen zu haben, daß das „Würzb.-Bamb." Institut, wie *) Einer der jetzigen Seminaristen hat einer Kosttag m. einem Hause, dessen Küche ziemlich bestimmt nicht ist.

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