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Der Israelit · 1866-12-26 · Heft 52 (26.12.1866) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 52 (26.12.1866)
Date
1866-12-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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871 schützten Lesern von dem mächtigen Gebraust derselben und vo« den verschiedenen zerplatzten Blasen ein kleines Bild zu entwerfen Ehemals hieß es hie Welf, hie Waiblingen, doch seit die Welsen, um mit dem alten Napoleon zu sprechen, zu regieren ausgehört haben, sogt man ganz einfach, hier Deutsche — dort Czcchen. Doch find beide Parteien nicht für sich allein stark genug um einen Sieg zu erringen, ihre Kräfte stehen ziemlich gleich, die Juden geben gewöhnlich den Ausschlag. Bisher geschah das stets derart, daß sich die Wagschale zu Gunsten der Deutschen neigte, im vorigen Jahre traten schon einige Schwankungen ein, die Agikrtion bemächtigte sich ihrer immer mehr. Die Deutschen pochen darauf, daß es ihre gründliche, strenge, zuweilen grobe Methode gewesen sei. die die Juden civilisirt und daß der Schüler dem Lehrer unbedingt zu gehorchen habe und sich auch dann und wann etwas Risches gefallen lassen könne. Die nationale Partei weist darauf hin, daß dieselbe die Aufnahme der Juden als Zuständige oder Bürger stets in liberaler Weise befürwortete, ja daß sie Juden in durchaus christlichen Wahlbezirken als Condidaten zur Vertretung ihrer Interessen vorgeschlagen habe, und daß diese auch stets gewählt worden sind, während die Deutschen für rein christliche Wahlbezirke nie einen Juden als Candidaten ausgestellt haben. Diese Argumentation hatte viel Bestechendes für sich; dazu kam noch, daß der Eandidat der nationalen Partei diesmal ebenfalls ein Jude war und zwar der allgemein geachtete, um comunale und humanitäre Interessen reichlich verdiente Herr M. A. Wahle, der auch den Ehrgeiz besitzt, die einmal angenommene Candidaim auf alle mögliche Weise gegen Mißerfolg zu schützen; ist eS nun ein Wunder, daß die Deutschen trotz der fieberhaften Agitation, trotz Aufrufe zur Einigkeit im Kampfe unterlagen, ja daß bei der am folgenden Tag stattgehabten Landtagswahl ihre Minorität noch eklatanter war? Tie Juden sind hier zu einem bedeutenden Theil, durch die mißlichen NerfossnngLwr'ricn irregeleitet, ins crechische Lager nbergegangcn. Es losten sich noch andere Ursachen für diesen Sachverhalt anführen. Viele Juden sind aus stockslavischen Gegenden nach Prag gezogen, und stimmen mit den Nationalen. Die jüdischen Stammeinwchncr in Prag sind zum Theil verarmt, zirm Theil nach Wien übcrgcsicdelt, und ein Tbeil ist ganz apathisch und jeder Agitation zugänglich. In engeren Kreisen hat die sogenannte Prcdigcrsrage viel Staub avsgtnnrbelt. Der Vorstand der Pinkossynagoge hat gefunden, daß Professor I)r. Kämpf um die hiesige Tempelgemeinde ungemein große Verdienste als Prediger hat, und da Herr Dr. Kämpf im Tempel blos zwei Mal des Monats zu predigen verpflichtet ist, so glaubte der Vorstand der Pinkassyuogoge, daß der Herr Professor, die ihm zur Verfügurg stehenden 2 Samstage im Monat gegen angemessenes Honorar der Erbauung der Mitglieder ihrer Synagoge widmen könne; womit dem religiösen Bedürfnisse derselben die bestmöglichste Befriedigung geschaffen worden wäre. Dieser Plan wurde Herrn Professor vr. Kämpf mitgetheilt und er wies denselben nicht ab; doch war der Vorstand der Tempel-Gesellschaft nicht zu bewegen, dem Herrn Professor seine Zustimmung zu geben und die Sache zerschlug sich — die Union kam nicht zu Stande. Die schöne neue Kanzel, die wie eine geschmückte Braut ihren Bräutigam erwartet, muß sich gedulden, bis der Vorstand ihr den Gewünschten zuführen wird. Stuhlwerßenburg, 5. Tebeth. Der Vorstand der hiesigen orthod. 'isr. Religionsgemeinde hat an den hochwürdigen Herrn Rabbiner Or. I. Hildesheimer in Eisen st adt nachstehendes Schreiben gerichtet: Hochgeehrter, Hochwürdiger Herr Rabbiner! Die in dem Skandalblättchen -rwp" — welches uns nie zu Gtsichte gekommen — wider Ew. Hochw. geschleuderten Flüche und Schmähungen mußten uns um so mehr mit Entrüstung erfüllen, als wir eben jetzt von Klausenbnrg her Kunde erhielten, daß denselben in mehreren aus Stuhlweißenburg datirten Correspondenzarlikkln in der gemeinsten and schmählichsten Weise Ausdruck gegeben wurde. Leider mußten wir nach genauer Untersuchung des Gegenstandes die Erfahrung machen, daß der Verfasser jener Artikel aus Stnhlweißendnrg ein bei uns in Diensten stehendes, geistig verkommenes, mit akibajehosefischen Doktrinen getränktes und mit seinem Mystizism gottlob hier allein stehendes Jndividium ist, welches mit Euspendirung vom Amte auch gebührend bestraft wurde. Wenn wir nun auch vollkommen überzeugt sind, daß Ew. Hochwürden diese Ausbrüche als nichts Anderes betrachten, als was sie eben sind: Rohe Ausgeburten eines einzelnen fanatischen Schwachkopfs und uns gewiß keine Mitwissenheit vindiziren; anderseits der Charakter Ew. Hochw. viel zu erhaben ist, als daß es nöthig wäre, Sie gegen solche Mückenstiche in Schutz zu nehmen: so konnten wir dennoch dem Drange unseres Herzens nicht widerstehen, um durch diese Zeilen unsere liefe Indignation zu konstatiren, Ew. Hochw. zu versichern, daß Nichts in der Welt im Stande sein kann, unsere dankbare Liebe und Hochachtung gegen Ihre hochverehrte Person zu alteriren und Sie ergebenst zu bitten, Ihr freundliches Wohlwollen und Ihre thatkräftige Sympathie uns auch ferner gütigft bewahren zu wollen. Möge der Porteikampf im Judenthume bald ein Ende nehmen zur Ehre Gottes und zur Ehre seiner heiligen Thora. Möge Gott Ew. Hochw. stärken und kräftigen, auf daß Sie fortsahren können wie bisher zu wnken und zu schassen zur Ehre Gottes und Seiner heiligen Thora — —

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