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Der Israelit · 1866-12-26 · Heft 52 (26.12.1866) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 52 (26.12.1866)
Date
1866-12-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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870 des jüdischen Unterrichts gegeben wird, der dann später eher vervollkommnet werden kann und wird, als es jetzt geschieht. Ob sich dieses Projekt reatifiren wird, ist mehr als fraglich. Auf jeden Fall aber können wir von der Einsicht und den besten Bestrebungen des Herrn vr. Rahmer mit Recht erwarten, daß er unserer Religionsschule den größten Vorschub leisten wird, und daß er in dieselbe als würdiger Nachfolger des Herrn vr. Güdemann eintritt, welcher sich bereits um diese , sowie überhaupt durch sein vielseitiges gedeihliches Wirken in hiesiger Gemeinde viele Verdienste erworben. In freudigster Erwartung sehen wir seinem baldigen Amtsantritte entgegen und wünschen, daß der Allgütige seine Tätigkeit mit dem schönsten Erfolge segnen möge. ^N1 1'112 Ibap MN r>'2 «b i.-i cur St. Österreichischer Kaiserstaat. Wien. Unter der Rubrik: „Mittheilungen aus dem Publikum," enthält die „Presse" folgendes „Eingesandt", welches auf die hiesigen VerMlniffe ein eigentbümliches Licht wirft; dasselbe lautet: „An die löbl. israel. Kultusgemeinds in Wien! Seit einigen Jahren mehren sich die Fälle, daß israel. Knaben, welche die öffentlichen Schulen Wiens besuchen, sich weigern, an Samstagen zu schreiben oder zu zeichnen; während früher solche Weigerungen ziemlich sporadisch vorkamen, sind sie jetzt fast allgemein, und erstrecken sich nicht nur auf den Unterricht au Samstagen, sondern selbst an Freitagen in den später» Nach Mittagsstunden; sie beschränken sich ferner nicht nur aus dis eigentlich graphischen Fächer, sondern erstrecken sich theilweise auf ganz verschiedenartige Unterrichtsgegenstände, wie z. B. das Turnen, Musik u. dergl. An vielen Schulen Wien's, die häufiger von Israeliten besucht werden, besteht die Rücksicht, an Samstagen den Unterricht aus Fächern, in denen geschrieben oder gezeichnet werden muß, möglichst zu vermeiden oder wenigstens die israel. Schüler nicht zur Uebertretuug ihrer rituellen Gebräuche anzuhalten. Es ist aber außer den engern Kreisen des Schulfaches wenig bekannt und gewürdigt, daß hierdurch mehr als der sechste Theil der ganzen Unterrichtszeit wesentlich beeinträchtigt wird und zwar nicht bloß zum Nachtheil der israelitischen, sondern aller Schüler überhaupt. Die Vermeidung der graphischen Fächer an Samstagen (und wie neuerlich verlangt wird, auch an den Freitagen Nachmittags) macht eine oft die wichtigsten anderen Schulinteressen verletzende Vertheilung der Unterrichtsgegenftände, namentlich an mehrklassigen Lehranstalten, nothwendig. Bisweilen ist es sogar geradezu unmöglich, diese Fächer auf die übrigen Wochentage allein zu beschränken. Dazu kommt, daß jr fast kein Lehrgegsnstand de- Schreibens ganz entbehren kan», werur beispielswetso Srlbstcorrectncen, Anmerkungen, Skizze« u. dergl. unstatthaft sind. Dadurch aber, daß ei« oft betEHtk^ cher Theil der Schüler dem Unterrichte nur mit großer Beschränkung folgen kann, ist es geradezu unausführbar mit einer Schülerklaffe jenes Lehrziel;u erreichen, wie es bei gleicher Bethätigung aller Schüler möglich wäre. Es werden daher auch hier die nichtisraelitischen Schüler wesentlich beeinträchtigt. Diese Uebelstände, die um so greller hervortreten, jemehr israel. Knaben in einer Schule sich befinden und je größer die ihnen ritual auferlegte Beschränkung ist, verdienen dringend Beachtung und Abhilfe. Die Schule, welche nicht nur zu unterrichte« und zu bilden, sondern auch zu erziehe» und das sittlichreligiöse Gefühl der Jugend zu wecken und zu fördern hat, muß von ihrem Standpunkte aus die größte Unparteilichkeit den verschiedenen Confessionen gegenüber üben, und in der That dürfte die strenge Gleichberechtigung aller Culte, wie sie die Wiener Schulen seit Jahren durchführen, wesentlich zu der wahrhaft humanen gegenseitigen Duldung und Achtung der Confessionen beigetragen haben. Die Schule kann in Gewissenssachen nicht eigenmächtige Allordnungen treffen; aber Aufgabe der israel. Cultusgemeinde wäre es, in diesem Falle die Jagend vor einer so bedauerlichen Collision ihrer Schüler- und Religionspflichten zu bewahren, so wie es gewiß in ihrem Interesse liegen muß, nicht bl>ß die Beachtung ritueller Gebräuche, sondern auch die Bildung der israel. Jugend zu fördern. Es bedarf übrigens hoffentlich nur einer Anregung, um diese wichtige Frage des öffentlichen Unterrichtes zur allgemeinen Befriedigung zu lösen. Und deßhalb wendet sich an die öffentliche Meinung und an die hiezu zunächst berufene Körperschaft Or. A. Pokorny, Director des Leopoldstädter Realgymnasiums." (Vielleicht beruhigt sich der Herr Director, wenn er erfährt, daß binnen weniger Wochen die »Freitag- Nachmittage" wieder „länger" werden, wo dann die israel. Knaben wenigstens fünf volle Schultage wieder schreiben dürfen. Red.) Prag, im Dec. Heute leide ich als Correspondent an einer sonst seltenen Krankheit: «mbarras äs rioIi6886; die Ereignisse haben sich seit meinem jüngsten Briefe so sehr angehäuft, daß ich manches, was ich sonst für mittheilenswerth gehalten, über Bord werfen, über die einzelnen Personalien der jüngst Dekorirten aus dem Hause Israels zur Tagesordnung übergehen und mich gleich in den Strudel der neuesten Lokalbegebenheiten bei Gelegenheit der Neuwahl des Stadtverordneten-Collegiums und des Landtags-Deputirten für die Altstadt Prag Hineinstürzen muß, um Ihren ge-

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