Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1866)
- Date
- 1866-12-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447290--04762-2460234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VN Jahrgang. Beilage zu Rr. 52 des Israelit. AeitungSuachrichteu und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz. Fast in allen Kulturländern, in denen Juden wohnen, entstehen in den letzten Decennien Organe — oder es werden wenigstens die Versuche dazu gemacht — um die Interessen der Juden zu vertreten. In dem jüngsten Quartale ist z. B. in Lemberg wiederum eine jüdische Wochenschrist erschienen. Herr Joseph Cohn, der Redacteur des „Hamewasser," hat den Versuch gemacht, eine Zeitung unter dem Titel „Neueste Nachrichten" zu ediren. Dieselbe enthält neben den wichtigsten politischen Ereignissen speciell jüdische Nachrichten. Die Sprache ist das sogenannte „Jüdisch- Deutsch," welches in hebräischer Quadratschrist mit Vocalen versehen, gedruckt wird. Ter neueste Titel dieser Wochenschrist heißt „Zeitungs-Nachrichten," und dürste in so sern passender als der ursprüngliche Name sein, da die politischen Nachrichten einer Wochenschrist bei dem raschen Laufe, den das Rad der Weltgeschichte per Dampf und Zündnadel macht, nicht mehr die „neuesten" find. Mit dem ersten Quartal 1867 hört der Mewasser auf zu erscheinen. Ein anderes Blatt, das in seiner äußeren Ausstattung, seiner Tendenz und Sprache sich von den Zeitungsnachrichten nur wenig unterscheidet, ist die von Herr A. M. Mohr redigirte „Zeitung." Dieselbe hat bereits jetzt schon ihren vierten Jahrgang. Das neueste jedoch in der jüdischen Presse ist der zu Wien erscheinende (LI Aaoivvsl). Derselbe erscheint in spanischer Sprock e und hat zur Schrift das sogenannte urs '"wi; er wird das Organ der „Spanischen Juden" oder Franken, nie sie im Orient genannt werden, sein. Bekanntlich besteht in Wien eine sehr ansehnliche Gemeinde, deren Mitglieder unter sich Spanisch sprechen. Auch in Pesch exifiirt eine solche Gemeinde. Uebrigcs sind die meisten Glaubensgenossen in der europäischen Türkei und den Tonausmstenthümern zu diesen Franken zu zahlen; es dürste demnach das Blatt eine Zukunft vor sich haben. Magdeburg, den i6. Dezember. (Privatmitth.) Zur Wiederbesetzung der vacanten Rabbinerstclle in hiesiger Gemeinde hat der Vorstand von den sehr zahlreichen Bewerbern die Herren vrs. Horowitz und Michaelis in Breslau, Steruheim aus Hannover und Rahmer m Thorn zur engeren Wahl vorzuschlagen für gut befunden und haben diese Herren in angegebener Reihenfolge an den vergangenen, hohen Festtagen und einem kurz darauf folgenden Sabat ihre Probepredigten gehalten. Wenn auch alle mehr oder weniger Beifall gefunden, so hatte doch Herr vr. Rahmer wegen der Gediegenheit seiner Predigt nach Inhalt sowohl als Darstellung, der Vortrefflichkeit seines Organs, aber vornehmlich wegen des ihm vorangegangenen, guten Rufes die meiste Aussicht, und wurde er auch bei der am 4. d. M. stallgehabten Wahl fast einstimmig gewählt. In Rücksicht auf die hiesigen Verhältnisse verdient als eine ersteuliche Thatsache hervorgehoben zu werden, daß Herr vr. Rahmer noch besonders dadurch allgemeine Anerknnung und Verehrung gefunden, daß er ein aufrichtiges Interesse für die Verbesserung zweier unserer wichtigsten Gemeinde-Institutionen zu erkennen gegeben und denselben seine eifrige Thätigkeit zu widmen versprach. Es sind diese die bisherige, einer strengen Aufsicht entbehrende Einrichtung im Verkaufe des Fleisches und die Religionsschule. Auf letztere etwas ausführlicher zurückzukommen ist der Hauptzweck dieser Mitiheilung. Es dürfte allgemein bekannt sein, welchen sehr schwierigen Standpunkt die Rcligionsschulen in solchen Gemeinden haben, wo die Schuljugend den bei weitem größten Theil des Tages die anderen wissenschaftlichen Lehranstalten besucht und noch besonders in größeren Städten, wo die Anforderungen bezüglich einer gediegenen Schulbildung so groß sind. Da geben Unzulänglichkeit der Unterrichtsstunden, häufige Schulversäumniß und hauptsächlich der Umstand, daß die Ainoer, von andern Schularbeiten zu sehr in Anspruch genommen, nicht die uöthige Zeit finden, sich für den jüdischen Unterricht vorzubereiten, ja in Folge dessen, sogar Lust und Liebe zu demselben verlieren, den Lehrern immerwährende Veranlassung zu ernsten Klagen, und bedarf es aller Willensstärke und Anstrengung derselben, wenn sie ihre Thätigkeit auch nur mit geringem Erfolge belohnt sehen wollen. Dieser Nebelstand macht sich nun besonders hier sehr fühlbar, wo noch keine allgemeinen jüdischen Schulen bestehen, wie sie in jüngster Zeit in sehr vielen größeren Gemeinden zum Besten und zur Förderung der religiöstn Erziehung und des jüdischen Wissens zum Theil mit schweren pecuniären Opfern gegründet worden sind. Es hat daher bei Vielen Anklang gefunden, als Herr vr. Rahmer auf die Nothwendigkeit einer solchen allgemeinen jüdischen Schule auch in hiesiger Gemeinde hinwies und den Vorschlag machte, wenigstens eine Vorbereitungsschule gründen zu wollen, welche Kinder ungefähr von 6 — 9 Jahren ausschließlich besuchen und worin denselben nebst dem ersttn Elementar-Unterricht als Vorbereitung für"s Gymnasium, oder eine höhere Töchterschule auch die erste und s i ch e r st e Grundlage