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Der Israelit · 1866-12-26 · Heft 52 (26.12.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 52 (26.12.1866)
Date
1866-12-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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867 „Vorgesehen, oder bei meinem Rilterworte, der Staub Deiner Gebeine vermengt sich mit jenem dieses Weges." Die Stimme gehörte einem Kriegsmanne von athletischem Körperbaue, der, wie der ärmste Ritter bewaffnet, aus einem schaumenden Pferde einherritt, vor dem Juden beide Sporen in die Weichen seines Rosses setzte, das sich hoch aufbäumte, und dann in vollem Galopp an ihm vorübcrjagte. Der demüthige Jude hatte keine Antwort gegeben, sondern sich beeilt, auszuweichen und an den Rand der Straße hinznreiten. Der Ritter hatte eine kurze Streck Weges zurückgelegt, als ein, dem kriegsgeübten Ohr wohlbekanntes Zischen sich vernehmen ließ, drei Pfeile flogen an seinem Kopfe vorbei und blieben in einem am Wege befindlichen Baumstamme stecken. Zu gleicher Zeit stürmten drei wohlbewafsnete, wild aussehende Männer auf ihn ein. Es waren die Soutards (englische Söldner), eine sich selbst überlassene undisziplinirte Mannschaft, denen die Regierung es damals ungehindert überließ, nach Ermessen das wehrlose Stadt- und Landvolk zu brandschatzen, ungestraft Dörfer zu plündern n. s. w. Ihre Tracht war ganz cigenthümlich. Die Beine waren mit einem Stück Tuch umwunden, das von einer spiralförmig um dasselbe gewickelten Schnur znsammengehalren wurde, eine Leibbinde von Büffelhaut, an welcher mittelst kleiner Ketten eine Armbrust und ein Sägemesser hingen, hob ihre riesigen Gestalten noch mehr hervor, an ihrer Schüller hing ein kleiner Mantel, der kaum bis zu den Hüsten reichte Als die Soutard's sahen, daß sie ihr Ziel verfehle hatten, drangen sie, den Dolch in der Hand, auf den Ritter ein, welcher seinen Degen mit beiden Händen ergriff und sie festen Fußes erwartete. „Was wollt Ihr, Elende!" schrie er sie an. „Deine Börse?" gaben sie ihm frech zurück. „Holt sie Euch selbst, ich schwöre, daß sie nur derjenige von mir erhält, welcher sie verdient. Uebrigens sputet Euch, denn ich habe Eile, in die Stadt zu kommen." So stürzten sich denn die drei Söldlinge zu gleicher Zeit auf den Ritter. Der Eine griff rechts, der Andere links an, der Dritte mühte sich ab, das sich sträubende Roß beim Zügel zu packen. Der Ritter hieb dem letzteren, welcher ihm zunächst war, mit seinem Degen den Kopf entzwei und entzog sich durch eine plötzliche Wendung seines Pferdes den Angriffen der beiden andern Schurken Dann eilte er auf einen derselben zu, aber — unglücklicherweise — sein Degen zerbrach auf dem Schädel desselben. Er war somit der Gnade des Dritten wehrlos preisgegeben. Schon näherte sich dieser im höchsten Grimme mit seinem Dolche — da stürzte er von einem furchtbaren Stockschlage von rückwärts auf den Kopf getroffen, leblos zu Boden. Der Ritter wandte sich um, seinen Befreier zu > sehen, und erröthete vor Scham. Es war der Jude, den er vor wenigen Minuten so hart behandelt hatte. „Ich danke Dir, Moses!"*) rief er und sprang vom Pferde; dann drückte er ihm herzlich die Hand. „Glaube ja nicht, daß ich Dir für Deinen Dienst nicht erkenntlich sein werde. Wahrhaftig! Du hast Dich so wackerbenommen, wie weiland David unter den Amaletiten. Welchen Weg schlägst Du ein mein tapferer Hebräer?" „Ich gehe nach Faversham, Herr Ritter. Mein zweites Maulthier trägt Mancherlei, das ich am Sichersten innerhalb der Stadtmauern wüßte." „Gut; so will ich Dich bis zum Thore begleiten, wenn auch mir die Waffe fehlt, mit der ich Dich beschützen könnte. Nun erkläre mir aber, was bewog Dich mit Gefahr Deines eigenen Lebens einem Unterdrücker Deiner Nation bekzustehen?" „Mein Gewissen bewog mich dazu. Unsere Väter haben uns eingeprägt, Jedermann zu lieben." „Ich werde nicht undankbar gegen Dich sein. Einst war ich bei Hofe mächtig genug, im Augenblicke bin ich ohnmächtig, aber dennoch lebt die Hoffnung in mir, Dir einst nützen zu können." Beide bestiegen nun ihre Thiere und ritten freundschaftlich neben einander. Im Laute des fortgesetzten Gespräches theilte der Jude dem Ritter mit, daß er von einer Truppe der zu Sandwich in Besatzung liegenden Söldner geplündert worden sei, mit großer Mühe einige Effekten gerettet habe und sich eben nach Faversham begebe, wo seine Schwester wohne, die er daselbst einer alten Frau seines Glaubensbekenntnisses zur Obhut anvertraut hatte. Es dämmerte bereits, als die beiden Reisenden in die Stadt einzogen. Der Ritter zog einen sehr schön und kunstvoll gearbeiteten Ring von seinem Finger uud übergab ihn dem Juden mit folgenden Worten: „Da, mein Tapferer, nimm hier das Zeichen meiner Dankbarkeit; es kommt von einem Manne, der den Muth an einem Juden ebenso zu würdigen weiß, wie an einem Christen. Sieh zu, daß Du sobald als möglich nach London kommen kannst. Heute über zwei Wochen finde Dich genau um die Mittagsstunde vor dem Atdthore ein, bleibe so lange stehen, bis Du einen Krieger mit glänzendem Gefolge ankommen siehst. Kommt er nicht am selben Tag. so wiederhole den Gang am nächsten und so fort. Ich kann jetzt freilich nichts für Dich thun, aber der Mann wird Dir nützen. Sage ihm, indem Du ihm den Ring zeigst, daß Ritter Lionel, der zwei silberne Löwen auf einem Drachenselde im Wappen führt, Dich sende. Ich zweifle nicht, daß er sich sogleich für Deinen Beschützer erküren, Dir die entwendeten Maaren ersetzen lassen und Dich für den Dienst, den Du mir heute erwiesen hast, belohnen wird."

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