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Der Israelit · 1866-12-26 · Heft 52 (26.12.1866) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 52 (26.12.1866)
Date
1866-12-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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864 von den Juden gekreuzigt." Da ergriff mich eine solche Wuth, daß ich mit dem Volke auf die Juden losging, und dabei bin ich so ins Malheur gerathen. Präs.: Unterstehen Sie stch nicht mehr, solche Reden zu führen! Sie sind durch das Fenster in die Wohnung des Lazar Fürth eingestiegen. Sie haben dort unter Anderem einem Plünderer ein Bettstück entrissen, dasselbe zerschnitten und die Federn zum Fen^ ster hinausfliegen lasten. — Angekl.: Waren die Anderen dort, so wollte ich auch dabei sein. Das Bcttstück war groß, warum sollte es gerade nur der Eine haben. Präs.: Sie waren die Erste beim Zertrümmern der Möbel, Sie haben am ärgsten gewüthet. — Angekl.: Es war der Todestag meiner Mutter, Gott habe sie selig. Sie lag im Sterben und bat mich, sie doch im letzten Augenblicke nicht zu verlassen, ich aber riß mich los von ihrem Bette und lief hinaus unter das lärmende Volk. Da kam Gottes Strafgericht über mich, so daß ich rasend wurde. Präs.: Als Sie durch's Fenster in Lazars Fürth's Zimmer gesprungen waren, war es Ihr Erstes, die Vorhänge herabzureitzen. Aus Ihrem Benehmen ging hervor, daß Ihnen mehr am Zerstören als am Plündern lag. Nur einige Liqueurflaschen eigneten Sie sich an und vertheilten Sie unter den Männern. — Angekl.: (seufzend): Diesen Liqueur hat nur mein Liebhaber trinken sollen. Präs.: Wie Zeugen angeben, waren Sie die Erste, die, nachdem lereits geschossen worden war, in das Haus des Daniel Fürth die Steine geschleudert hatte. — Angekl.: Das ist nicht wahr, hohes Gericht. Präs.: Nachdem die Gensdarmen geschossen hatten, blieb ein Verwundeter auf dem Platze liegen. Sie traten hin vor denselben, erhoben ihre Hand und riefen : „Hier ist wegen der Juden Christenblut geflossen; jetzt kommt über die Juden!" — Angekl.: „Kommt über die Juden." habe ich nicht gesagt, wohl aber preßte mir Wuth und Verzweiflung die ersten Worte aus. Präs.: Unter Ihrer Führung erschien auch wirklich gleich darauf ein Schwarm Menschen vor dem Hause des Lazar Fürth. Das Haus war an allen Eingängen verschlossen, die Thüren selbst von fester Konstruktion. Da griffen Sie zu einem verwegenen Mittel. Sie schafften Prügel, Steine und Bretter zur Stelle. Mit den Prügeln und Steinen schlugen Sie die Fenster im ersten Stockwerke ein und lehnten dann die Bretter schräg an dieselben. Sie waren die Erste, die auf denselben hinaufkletterte, und Ihnen nach drängte der Schwarm in die Wohnung. — Angekl.: Man thut mir Unrecht. Sie denken sich die Sache viel schlimmer, als sie wirklich war. Ich konnte doch nicht an so vielen Orten zugleich sein. Wie ich zu Lazar Fürth's Haus kam, war schon Alles zum Einstergen vorbereitet. Präs.: Aus dem Zimmer warfen Sie dann Kleider und kleinere Möbelstücke zum Fenster hinab. — Angekl.: Ich war ja gar nicht in jenem Zimmer, ich kann es bei meiner armen Seele beschwören, ich habe nur die einzige Seele. Ein ^euge M <m: Ich habe die „Koza^ ruftn xarcttaut" (Christenblut soll fließen wegen der Inders bastarde)! Wehe ihnen! Jetzt kommt auf Abraham Fürth und „Pantoflik" (Josef Fürth); dieser Zeuge wird beeidet, worauf die Angeklagte bemerkt: Der Zeuge nimmt viel auf sein armes Gewissen, ich möchte so was nicht tragen wollen. Ein Schüttenhofener Polizeiwachmann erzählt: Die „Koza" hat allerorts den Transport geführt und habe den Zug nur verlassen, um mit „Maxlicek" durch die Gaffe zu tanzen. Das Dienstmädchen Hahn gibt unter anderm an: Wie die „Koza" auf dem Brette ins erste Stockwerk kletterte, da riefen Alle: „Die „Koza" herunterfallen;" sie aber schrie: „Nein, ich falle nicht," und forderte die Anderen ans, ihr zu folgen. Dieselben kletterten nach und öffneten dann von Innen das Hausthor. Präs.: Sie haben die Fensterscheiben und die Möbel zertrümmert, die Betten und Matratzen zerschnitten, die Kleider und Wäsche zum Fenster hinausgeworfen, den Liqueur gestohlen, denselben theils unter die Menge vertheilt, theils ausgetrunken. Wie wollen Sie diesen großen Schaden ersetzen? — Angekl.: (mit heuchlerische Miene): O, ich will mit allen meinen Kräften arbeiten und die Hälfte meines Taglohns zur Ersatzleistung verwenden. Hiemit war das Verhör mit dieser Angeklagten beendet. Barbara Thums, ein kleines, zitterndes Weib, erscheint im Saale. Präs.: Wie kamen Sie zu den Decken, Kleidern und anderen Gegenständen, die in Ihrer Behausung eruirt wurden? — Angeklagte Thums: Mein Mann schnupft so gern, das hat er jetzt davon. Präs. : Ihr Mann kann schnupfen, so viel er will, das geht uns nichts an. Beantworten Sie meine Frage. — Angekl.: Ich mußte Tabak für meinen Mann holen, und auf dem Wege habe ich die Sachen gefunden. Präs.: Auch das ganz unbeschädigte Porzellangeschirr? — Angekl.: Das hat mir wieder ein Knabe auf dem Wege gegeben. Es sind lauter so gute Herren hier, Sie werden'- mir schon verzeihen. (Sie kniet nieder.) Präs.: Stehen Sie auf und bekennen Sie lieber offen, wie Sie zu den Sachen gekommen find? — Angekl.: Ich habe sie gefunden, mehr weiß ich nicht. Katharina Jarolim, ein altes Mütterchen, wird nun einvernommen.

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