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Der Israelit · 1866-12-26 · Heft 52 (26.12.1866) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 52 (26.12.1866)
Date
1866-12-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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863 HZ BZürzbrrrg, 16. December. Vom Schwurgerichte wurde im Proceffe der Friedensstörer und Excedenten gegen biefige Israeliten das Urtheil verkündet. Der Schuhmachergeselle Karl Erhard von da wurde zu 4^2 Jahren, Franz Noell zu 4Jahren Zuchthaus, und der Metzgergeselle I. Lang zu 14 Lagen Gefängniß verurlheilt. Vier wurden freigesprochen. Schweiz. Der „Große Rath" von Sl. Gallen hat durch einstimmigen Beschluß den im Canlon ansässigen Israeliten die sreie Ausübung ihres Gottesdienstes nach Anleitung des vorgelegten Statuts bewilligt und den Regierungsrath ermächtigt, vorkommendenfalls die nötigen Anordnungen beim Bau einer Synagoge oder der Anlegung von Begräbnißplätzen zu treffen. (Ueber Land und Meer.) Oesterreichischer Kaiserstaat. lH Agram, 25. November. Ein den Wiener Blättern zugegangenes Telegramm zeigt an, daß ein reicher Rabbiner zehntausend Gulden zur südslavischen Universität geschenkt habe. PreHbarg, im December. Die geehrten Leser werden sich wohl noch eines Hauptrcffers erinnern, welcher dem hiesigen Vereine Thoras Eheßed, der die Unterstützung armer Lomde Thora zum Zweck hat, zugefallen ist. Durch eine besondere Fügung wurden die gewonnenen 40,000 fl. Betrügern, die jetzt ihr beabsichtigtes Vergehen im Kerker büßen müssen, entzogen und ihren rechtmäßigen Eigentümern zugewendet. Vor Kurzem wurde das Geld ausbezahlt; nunmehr ist es möglich, die Lage der zahlreichen .->-nr> hier in ergiebiger Weise zu verbessern. Die unlängst stattgehabte Generalversammlung hat denn auch beschlossen, an die bisherigen Empfänger einer Beisteuer von 1400 fl., ferner 1400 fl. an Minderbesähigte, und endlich 800 fl. an gewöhnliche Arme zu vertheilen. Außerdem wurde beschlossen, die wöchentliche Unterstützung der bisherigen Beisteuer- Empfänger auf 5 dis 6 fl. zu erhöhen, so daß kein wirklicher .iini fl künftighin in Preßburg Mangel am Notwendigsten leiden wird, cvpvd Pisek, 25. Oct. (Die Excesse in Schüttenhofen. Schluß.) Der sechste Verhandlungstag wird eröffnet mit Vorführung des Angeklagten Jos. Parrlik. Derselbe ist 20 Jahre alt, seines Zeichens ein Kaminfeger. Die Lifte der ihm zur Last fallenden Verschulden ist eine ganz beträchtliche. Präs.: Nach Aussagen von Zeugen haben Sie Steine nach den Fenstern des Heinrich Fürth geschleudert. — Angekl.: Nachdem ich zum Hause gekommen, waren schon alle Fenster zerschlagen. Präs.: Von der Gasse aus wurde ein Brett zu dem Fenster des ersten Stockwerkes im Fnrth'schen Hause gelegt, auf welchem Sie in die Wohnung einstiegen. — Angekl.: Die Anna Walcsch stieg auf dem Brett in die Wohnung. Ich kam zum Hause, als bereits das Thor schon erbrochen war, da ging ich also durch's Thor hinein. Präs.: Sie haben dort geholfen, die Möbel zu zertrümmern und besohlen, dieser oder jener Kasten müsse erbrochen werden. — Angekl: Ich sagte vielmehr, sie sollen sich die Sachen lieber nehmen, als sie zerschlagen; mir that's leid um das schöne und kostbare Geschirr, das nutzlos zertrümmert wurde. Präs.: Sie haben den Plünderern mit der Laterne voran geleuchtet und ihnen auf dem Piano dazu aufgespielt. Sind Sie etwa Musiker? — Angekl.: Das Piano stand offen, da schlug ich nur so auf den Tasten herum. Präs.: Ebenso plünderten Sie im Hause des Lazar Fürth. Sie forderten dort die Leute auf, nur Alles nntzumhmen. Einen Rock, den Sie dort nahmen, zogen Sie einem Jungen an — Angekl.: Man irrt sich in der Person, ich war gar nicht bei Lazar Fürth. Präs.: Hatten Sie im Hause des Lazar Fürth Ihren Kaminfeger-Anzug an? — Angekl.: Ja. (Heiterkeit.) Präs. : Sie gestehen also doch, dort gewesen zu sein. Der Kaminfeger-Anzug machte Sie überdies Jedermann kenntlich, ein Jrrthum ist also hier nicht leicht anzunehmen. Eine Hauptrolle bei den Vorfällen in Schüttenhofen hatte bekanntlich ein Frauenzimmer gespielt, das „Koza" (Ziege) genannt wird. Dieselbe wird jetzt in den Saal geführt. Sie ist groß, von schönem Wüchse und trägt eine etwas gewählte Toilette. Ihr Verhalten verräth eine affektirte Schüchternheit. Eie ist geboren in Wien im Jahre 1832, und hat daselbst ihre Jugendjahre als Dienstmädchen verlebt. Ihre Eltern stammen aus Schüttenhofen, woselbst sie sich seit ungefähr zwanzig Jahren aufbält. Präs.: Waren Sie im Jahre 1848 noch in Wien? — Angekl.: Nein. Präs.: Sie sind an der Spitze der Bewegung gegen die Juden gestanden, Sie haben die Menge unausgesetzt mit Wort und That gegen die Juden gefeuert, den Männern Steine ^getragen. Sie sind beim Fenstereinschlagen und Zertrümmern der Möbelstücke vorangegangen, und haben das Volk gegen die Behörden gehetzt. Noch in später Nacht durchsuchten Sie mit Licht die ausgeraubte Wohnung des Fürth überall nach Ueberbleibseln spähend. Was bewog Sie au der Plünderung gegen die Juden theilzunehmen? Angekl.: Nur das tiefste Mitleid mit unserem lieben Hergott. Das Volk kam von der Brücke gelaufen und schrie unaufhörlich: „Unser Heiland wird wieder

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