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Der Israelit · 1866-12-19 · Heft 51 (19.12.1866) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 51 (19.12.1866)
Date
1866-12-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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858 Nebenbei sei bemerkt, daß Hengstenberg's Aufstellung im Ganzen und Großen nicht neu ist, sondern schon Sehnliches bei Carpzovius, jedoch schärfer und genauer, sich vorfindet, worauf wir später zurückkommen werden. Bei Hengstenberg laufen zwei Erklärungsweisen für die Ordnung der hl. Schriften parallel neben einander her: die eine von der Verschiedenheit der Inspiration, die andere von dem Unterschiede des cko- LUlQ xroxdstieuvL und des WUUU8 propkstiouru. Mit diesen beiden Annahmen operirt nun Hengstenberg : so steht daS Buch der Klagelieder deshalb nicht unter den Nebiim, weil „der göttliche Einfluß", welchen der Verfasser bei diesem einen vorwiegend subjektiven Character tragenden Besuche erfuhr, ein anderer gewesen sei, wie bei seinen Weissagungen.^) Nach der andern Annahme muß die Stellung der Klagelieder unter den Kethubim darin ihre Erklärung finden, daß Jeremias dieselben nicht als Prophet Ln seinem Amte niedergeschrieben habe. Dieser Dualismus ist an sich schon nicht befriedigend. Ueberdies ist auch der Ausdruck vauuus propbstioum, den Hengstenberg von Früheren herübergenommen hat, unpassend; man kann, wie v. Lengerke bemerkt, wohl von einem Priesteramte, aber nicht von einem Prophetenamte sprechen, der Ausdruck „Prophetenberuf" wäre richtiger. — Noch mehr geht uns aber der einheitliche Gedanke in Hengstenberg's Hypothese verloren, und noch unklarer wird dieselbe durch das Hereinbringen eines dritten Grundes, nach welchem es darauf ankommt, ob ein Prophet unter seinem Volke als Prophet gewirkt habe, wie wir oben gesehen haben. Keil will zwar diesen Grund mit dem des ävnuw xnoxbetioum in einen verschmelzen, indem er den Ausspruch Hengstenbergs dahin erklärt, daß „ein prophetisches Amt haben" als unmittelbar unter dem Volke von Gott berufen werden und wirken, „die prophetische Gabe" hingegen so viel heiße, als nicht unmittelbar unter dem Volke die Sache des Herrn wirken.^) Hier aber gilt der Einwurf v. Lengerke's, daß auch Jona, wenigstens in dem, was uns von ihm in seinem Buche aufbewahrt ist, nicht als ein solcher auftritt, der unmittelbar unter seinem Volke die Sache des Herrn wirkt, und dessen Buch dennoch den Nebiim eingereiht ist.") Wirsehen also, daß Hengstenberg's Hypothese nicht allein nicht befriedigt, sondern sogar noch verwirrt; es laufen drei Annahmen neben einander her, da die Einheit, welche angeblich Jeremias (vergl. Abrawanel in s. Einl. in die ersten Proph.), die Bemerkung gemacht wird: '2 .N-r-,7, Somit unterscheidet sich ."1^ von nicht in der Bedeutung, sondern nur im Alter. 72) Hengstenberg a. a. O. S. 27. 73) Keil, Apolog. Versuch über die Bb. d. Chronik. S. 72 ff. 74) v. Lengerke a. a. Einl. S- I^VII. einer Hyothese, soll sie irgendwie Anspruch auf Giltigkeit machen können, nöthig ist: nicht eine feste Meinung, sondern verschiedene Vermirthungerr sind hier ausgesprochen. Wir müssen aber einen allgemein gütigen Grund haben, einen Grund, der in sich ein ganzer ist, und einen solchen wollen wir jetzt versuchen anzugeben. Der Eintheilungsgrund der Bücher der hl. Schrift ist der verschiedene Grad der Inspiration, nur diese Antwort ist die einzig mögliche und die einzig richtige auf die Frage, warum dieses oder jenes Buch dieser oder jener Ordnung eingereiht sei. An uns ist es aber nur, nachzuweisen, ob an der Art und Weise der Bücher selbst der Grad der Inspiration zu erkennen sei, ob die Bücher Merkmale des verschiedenen Grades an sich tragen? und diese Frage glauben wir mit „Ja" beantworten zu können. Bei allen Propheten finden wir, daß Gott ihnen die Aufgabe des Redens stellt. Als Jesaias durch das erhabene Gesicht der göttlichen Erscheinung zum Propheten eingesetzt wurde, erging an ihn das Wort: „Geh und sprich zu diesem Volke!" (Jes. VI, 9.) Die einzige Einwendung, die Jeremias dem göttlichen Rufe entgegengestellt, ist: „O, Gott, ich bin noch ein Knabe und kann nicht reden!" worauf Gott: „Sage nicht: ich bin ein Knabe, sondern dorthin geh, wohin ich dich schicke, und alles, was ich dir befehle, rede! (Jes. I, 6. 7.) Ezechiel wird mit dem Aufträge zu reden zum Propheten eingesetzt und erhält noch ganz besondere Vorschriften über das Ermahnen und das Verkünden des göttlichen Worts. (Ezechiel II, 4. III, 17 ff.) ^) Bei diesen Propheten war die Inspiration so mächtig, daß sie reden mußten, daß sie mit dem Wort nicht zurückhalten konnten. So klagt Jeremias, daß er gern das Wort zurückgehalten, daß er gern die Strafrede, die Gott ihm zu reden aufgetragen, unterdrückt hätte, „aber es war wie brennendes Feuer, eingeschloffen in meinen Gebeinen, ich wollte es zurückhalten, konnte aber nicht " (Jer. XX, 9.) Aehnlich Amos: „Wenn Gott, der Allmächtige, geredet, wer sollte da nicht prophezeien!" (Amos III, 8.) Und hier glauben wir nun das Merkmal gefunden zu haben, das die Bücher in sich selbst tragen und das den Männern der vasßus. Fingerzeig für das Ordnen der Bücher gewesen ist. Alles, was sie als Reden vorfanden, stellten sie in die Reihe der Nebiim, der Sprecher, der Redner, denn ist dies ja das Merkmal, daß das Gesicht so bewältigend war, daß das Geoffenbarte sich zur Rede gestaltete, es war das Gesicht eingegeben unter dem stärkeren Einfluß des ritten. Hier ist nun kein Unterschied, ob der Prophet 75) Vergl. hierzu Amos VII, 15; Jona I, 2; Micha I, 2; Zephanjah 1, 1; Haggar I, 1. 3. II, I. 2. 20; Secharjah I, 1. 3. 7. 14. IV, 8; Maleachi I, 1.

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