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Der Israelit · 1866-12-19 · Heft 51 (19.12.1866) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 51 (19.12.1866)
Date
1866-12-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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853 rascht, „und diese hier ist meine Nichte Sarah, Rabbi Bezalels Tochter. Doch, wieso wißt ihr von mir und meinem Bruder?" Röuben antwortete nicht; er war in Folge dieser Mittheilung im höchsten Grade erregt. Er betrachtete jetzt das Mädchen genauer. Ja, das war sie, die noch immer Unvergessene; aber sie war zu einer holden Jungfrau erblüht, wenn auch ein Zug von Schwermuth auf ihrem Gesichte lag. Als Guta ihre Frage wiederholte, sagte er: „Ein Jugendfreund von mir, Röuben aus Wien, hat mir viel von Rabbi Bezalel und dessen Verwandten erzählt." „Ach, Röuben," rief Sarah aus, und zwei große Thränen rannen über ihre Wangen, „der gute Rauben, dem mein armer Vater so großes Unrecht gethan hat. Ich glaube, unser ganzes Unglück ist die Strafe für jene Härte gegen den Unschuldigen!" — Die beiden Frauen erzählten nunmehr ihrem Begleiter von dem traurigen Geschicke Rabbi Bezalels und von den Betrügereien EbjatharS. „O," jammerte Sarah, „wie wäre doch Alles anders gekommen, wenn mein unglücklicher Vater nicht so hart gegen den guten, braven, frommen Rauben gewesen wäre! Erzählt mir, edler Herr, von dem Gespielen meiner Kindheit; wann und wo kanntet ihr ihn?" Nur wenige Schritte warm sie noch entfernt vom Stadtthore Livornos. Da hielt Röuben die Maulthiere an und sagte: „Ich muß euch jetzt verlassen; kehret im Stephanien ein; dort, werdet ihr mich bald wieder sehen; ich bin Röuben aus Wim." Sarah schrie laut aus; der Maulthiertreiber mußte sie halten, daß sie nicht aus dem Sattel fiel. Röuben war unterdeß durch das Stadtchor geeilt; er lenkte seine Schritte unmittelbar nach dem Palaste des Bischofs. „Gnädiger Herr," sagte er, als er vor diesem stand, „ihr habt mich oft gefragt, warum ich mich nicht verheirathe. Jetzt komme ich, eure Eclaubniß zu meiner Verheiratung zu erbitten." Und er erzählte, wen er soeben gefunden und daß er Sarah zur Gattin erwählen wolle. „Wie," sagte der Bischof, „die Tochter des Mannes willst du heirathen, der dir so wehe gethan?" „ Ich will das Mädchen zu meiner Gattin machen, das nie an meiner Redlichkeit gezweifelt und in der trübsten Stunde meine- Lebens für mich gebeten, hat."" „Und der Vater?" Röuben erzählte die traurigen Schicksale Bezalels. „„Gnädiger Herr/^'suhr er fort, „„der Herzog steht in freundlichen Beziehungm zu den Nürnberger Handelsherren; vereinigt eure Bemühungm mit dm meinigen, daß der Herzog sich für meinen künftigen Schwiegervater, der sich noch immer in unverschuldeter Haft befindet, verwende, damit Rabbi Bezalel freigelaffen werde."" „Du bist ein guter Mensch," sagte der Bischof; „ich gebe meine Einwilligung zu dieser Heirath und will auch meinen Einstuß zur Befreiung jmes Mannes anwenden. Aber nur unter einer Bedingung: ehe du ihn in dein Haus aufnimmst, muß er bestraft werden, uud ich will die Strafe bestimmen. Beinahe hätte er es ja verschuldet, daß sich mein Röuben ins Wasser gestürzt hätte. Das darf ihm nicht ungestraft hingehen." „„Ich darf meinem gnädigen, gütigen Herrn wohl getrost diese Bedingung zugestehen; die Strafe wird nicht zu hart ausfallen!"" Der Bischof lächelte, und Röuben eilte von dannen, um Sarah aufzusuchen. „Sarah," sagte er, als er sie wiedersah, „das große schöne Haus hier gegenüber ist das meinige. Willst du die Herrin desselben sein?" „„Und mein Vater?"" fragte Sarah bangend. „Ich werde seine Freilassung erwirken; dann wird er zu uns ziehen und bei uns in Frieden, Ruhe und Wohlstand ein glückliches Alter verlebm." Bier Wochen später war Sarah Röubens Gattin IX. Noch ehe das Schreiben des Herzogs von Florenz nach Nürnberg gelangte, war Rabbi Bezalel, dessen Unschuld die Untersuchung ergeben hatte, aus der Haft entlassen worden. Er raffte die Trümmer seines Vermögens zusammen, um seine Tochter aufzusuchen, von der ein Brief ihm ihre Reise nach Livorno mitgetheilt hatte. Als er in Basel lankam, fand gerade eine Execution statt. Ein Betrüger und Falschmünzer wurde gchenkt; es war Ebjathar, der seine Verbrecherlaufbahn fortgesetzt hatte und nunmehr so schrecklich endete. Dies Ereigniß erschütterte die durch die lange Haft und die vielen Aufregungen schon geschwächte Gesundheit des Greises derart, daß er aufs Krankenlager sank. Nur langsam erholte er sich wieder, und erst nach vielen Monaten konnte er seine Reise sortfetzen. Unterdeß war der Frühling herangekommen. Röuben war bereits ein Jahr verheiratet, seine Gattin hatte ihm ein Söhnchen geboren. Nachdem der Pidjanhabben stattgefuaden, hatte Röuben Sarah veranlaßt, die schöne Jahreszeit mit der Tante und dem Kinde in seiner nahegelegenen Villa zuzubringen, woselbst er sie allwöchentlich besuchte. An einem Freitag-Abende bemerkte Röuben einen Greis in der Synagoge, in dem er, obwohl Alter und Leiden das Haupt des Fremden gebeugt hatten, sofort Rabbi Bezalel erkannte. Der Hosfäktvr lud den Fremden zu Tisch. Der Greis erkannte natürlich in dem stattlichen, vornehm aussehen-

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