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Der Israelit · 1866-12-19 · Heft 51 (19.12.1866) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 51 (19.12.1866)
Date
1866-12-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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854 den Manne den Knaben nicht wieder, den er einst unbarmherzig «nsstiuem Hause getrieben hatte. Nichtahnerch> erzWte er seinem Wirthe seine Schicksale und den Zweck seiner Reise. „Die beiden Frauen waren hier," sagte Reuben, sind aber weiter gereist. Vielleicht haben sie sich nach Venedig gewandt, um dort den Oheim aufzusuchen. Ihr aber nehmt einstweilen die Gastfreundschaft eines Landsmannes an, bis wir Genaueres über den Aufenthalt eurer Schwester und eurer Tochter erfahren haben." Mit Freuden nahm Rabbi Bezalel das freundliche Anerbieten an. Am anderen Tage ging Reubrn zum Bischof, um ihm die Ankunst seines Schwiegervaters mitzutheilen. Dieser gab ihm Verhaltungsmaßregeln. Sonntag erzählte Rvuben seinem Gaste, er habe einen Boten nach Venedig gesandt, um Nachforschungen anzustellen. Vierzehn Tage blieb Bezalel im Hause Röubens und genoß der sorgfältigsten Pflege; dann sagte man ihm, der Bote sei zurückgekehrt; Schwester und Tochter lebten in Venedig im Hause NachumL Am andern Morgen wollte Bezalel abreisen. Abends schickte der Bischof und ließ den Fremden zu sich entbieten. Der Bischof saß in seinem Gerichtszimmer auf einem erhöhten Sitze, zwei vornehme Beamte saßen au seiner Seite. „Bezalel," sprach der Bischof zu dem erstaunten Greise, „ihr steht vor euren Richtern. Erinnert ihr euch nicht eines Unrechts, das ihr gethan habt und das noch nicht gesühnt ist?" „„Wohl, erinnere ich mich,"" antwortet? zitternd der Greis, „„ich habe einst einen unschuldigen Knaben aus meinem Hause in's Elend getrieben. Ach, wie oft Hab ich es bereut!"" „Ja , einen Knaben, für den zu sorgen ihr versprochen hattet, wie. für euer eigen Kind. Der Knabe verließ euer HauS , um sich in's Wassep zu stürzen. Daß er es nicht gethan, ist nicht euer Verdienst. Der Mord fällt euch zur Last, wie wenn er geschehen wäre. Der Knabe war mir werth; ich bin der Priester, der chm einst das Leben gerettet hat, ihm und seinem Großvater. Ihr müßt sterben, Bezalel!" Da sank Bezalel in die Knie und weinte bitterlich und hat händeringend um Erbarmen. „Laßt mich nur noch meine Tochter Wiedersehen, ehe ich sterbe!" rief er jammernd. „Ihr bittet vergeblich," sprach der Bischof kalt, „hättet ihr damals Erbarmen mit dem unschuldigen Ajndr gehabt, sy würdetauch ihr jetzt Erbarmen stnden. Bereitet euch zum Tode vor. Euch geschieht nur euer Recht. „Wer einen Unschuldigen im Verdacht hat, wird ^straft an seinem Leibe," sagen eure Weisend Zwei Diener ergriffe» Bezalel und führten ihn inrin mit schwarzem Tuche ausgeschlagenes Zimmer; hier stand der Henker in scharlachrothem Mantel, das entblößte, im Lichte funkelnde Schwert haltend; auf dem Fußboden stand ein nach jüdischer Art aus unbehobelten Brettern gezimmerter Sarg. Laut weinend sprach Bezalel das Sündenbekenntniß. Dann faßte er sich, und verkündete ruhig und gefaßt die Einheit Gottes; nachdem das geschehen, erwartete er den Henker. Dieser aber blieb unbeweglich stehen; statt seiner trat der Bischof zu dem geängstigten Greife. „Bezalel," sprach er, „ihr habt nunmehr eure Schuld gebüßt; ihr sollt nicht sterben; von nun an werdet ihr nur Freude und Glück erleben. Kommt, ich zeige euch den Mann, an dem ihr einst gefrevelt; er zürnt euch schon lange nicht mehr; er weiß nicht einmal von der Angst, die euch eben ist bereitet worden." „„Werden meine Augen mein Kind wieder schauen?"" fragte bangend Bezalel. Der Bischof antwortete nicht; er führt« den Greis in ein freundliches, hellerleuchtetes Zimmer. Hier stand Röubkn. und neben ihm standen Sarah mit ihrem Kinde und Gutta, die der Bischof von der Villa hatte holen lassen. Mit einem Freudenschrei stürzte Sarah auf ihren Vater zu, nachdem Gütta ihr das Kind abgenommen hatte. Wie versteinert stand- Bezalel; der Uebergang von der Todesangst zu der unendlichen Freude war zu plötzlich; erst allmählich erholte er sich. Als er aber erfuhr, daß sein freundlicher Wirth sein Schwiegersohn und daß dieser Rsuben Mewina sei, da sprach er zum Bischof: „Ich danke euch, gnädiger Herr, für die Sühne»; nimmer wäre ich ohne dieselbe froh geworden im Hause meines Schwiegersohnes." Die Prophezeiung des Bischofs ging in Erfüllung; noch viele Jahre lebte Bezalel froh und glücklich im Kreisel der Seinen, bis er neben seiner ihm vorangegangenen Schwester bestattet wurde. Reuden und Sarah erlebten es noch, daß ihre Enkel zn den geehrtesten Kaufherren der immer mächtiger emporstrebenden Handelsstadt Livorno gezählt wurden. Notiz. „Wir erfahren, daß die Lebensversicherungs-Gesellschaft „Nordstern" in Berlin, welche bekanntlich von den hervorragendsten Finanz - Männern Berlins: dem Bank-Präsidenten von Dechend, Kreiherru von der Heydt, den Banqviers Bkichröher, Krause, Mendelsohn, PsLnt «nd andern Leuchteten Männern gegründet ist, in der Nächsten Zeit ihre THStigkert beginnen wird,, und daß die Dirrctiön dieser Gesellschaft jetzt Meldung M Haupt- und Special-Agenturen entgfgennjmmt,"

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