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Der Israelit · 1866-12-19 · Heft 51 (19.12.1866) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 51 (19.12.1866)
Date
1866-12-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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352 so täuschend erweisen, als die ihr zu Grunde liegende Voraussetzung unrichtig ist. Daß sich voriges Jahr 20 und dieses Jahr nur 7 Bewerber vorfanden, ist eine ganz natürliche Erscheinung. Sie werden zugeben, daß in Bayern nicht fort und fort jährlich 20 Lehrer*) untergebracht werden können. Voriges Jahr kamen so Viele, erstens weil Manche, die schon ein Jahr früher ins Seminar eintreten konnten. die Eröffnung unsrer Anstalt abwarteten, zweitens weil Andere glaubten, sie kämen mit so geringen religiösen Vörkenntniffen in unsre Anstalt, wie in das katholische Seminar. Da wir voriges Jahr 10 aufnahmen und 10 wegen mangelhafter Vorbereitung zurückwiesen, so gabs einerseits eine Lücke, anderseits Respekt vor unsrer Aufnahmsprüsung. Mehrere entschlossen sich, gewiß nicht zum Nachtheil des Lehrerstandes zu anderen Berufs- Arten, Andere bereiteten sich bester vor, so daß unter den diesjährigen Aufgenommenen 4 von den voriges Jahr Zurückgewiesenen sich befinden, während Andere, um ihnen die Demüthigung einer zweiten Abweisung zu ersparen, zur Prüfung gar nicht zugelassen wurden. So erklärt sich das scheinbare Mißverhältniß zwischen den vorjährigen und den diesjährigen Aufnahmsgesuchen. Ihre Weissagung wird sich so wenig bestätigen, als die des von Ihnen citirten Lügenpropheten. Um gar nichts zu verschweigen. was nach Ihrer Meinung ein schlimmes Licht auf unsere Anstalt werfen könnte, erwähnen Sie noch eines Ueberläufers, der aus unsrer Anstalt ins katholische Seminar übergetreten sei. Nun, es ist sonst nicht gerade rühmlich, ein Ueberläufer zu sein. Der in Rede stehende Jüngling war voriges Jahr froh, daß wir ihn als Hospitanten aufnahmen und wäre auch dieses Jahr gerne bei uns geblieben, wenn er hätte in die von ihm gewünschte Elaste aufrücken dürfen; da wir aber an ihm ohnehin Manches ausznsetzen hatten, war sein Austritt uns nicht eben Gegenstand großen Bedauerns. E)amit glaube ich die Unrichtigkeit Ihres Artikels genügend widerlegt zu haben; im Folgenden Möchte ich nun die Gründe untersuchen, die Sie zu Ihrem feindseliges Auftreten gegen unsre Anstalt, wohl veranlassen mögen. (Forts, folgt.) Feuilleton. Die Sühne. (Nach einer alten hebräischen Handschrift.) (Fortsetzung i und Schluß.) Langsam zogen zwei Maulthiere dahin, zwei- Frauengestalten tragend, während die Eigenthümer der Thiere zu Fuß sollen. ES bildensich ja zudem auch noch anderwärt- Leh«Hp aus. „Seht dort," sagte ein Maulthiertreiber zu de» Frauen, „das sind die Thürme von Livorno; da liegt das Ziel eurer Reise." „„Gott sei Dank,"" rief die Nettere, „„Gott sei Dank, daß die weite Reise vollendet ist. Gebe der Himmel, daß wir den Oheim auffinden und endlich wieder eine Ruhestätte erlangen."" „Und mein armer Vater," entgeguete die Jüngere seufzend, „wrS wird aus ihm werden?" Die Aeltere wollte Etwas erwiedern; da sprengten zwei Reiter des Weges daher. „Sieh," rief der Eine dem Andern zu, „die junge, schöne Dame auf dem Maulthiere dort; wir wolle» ihre Bekanntschaft machen!" Im Nu waren Beide herbeigekommen und hielten neben den Frauen; dann sprangen sie vom Pferde, deren Zügel sie de» Treibern übergaben. „Ihr wollt nach Livorno, schöne Dame?" fragte Einer von ihnen. Da er keine Antwort erhielt, wollte er die Angeredete umfassen, die jedoch laut ihre Tante zu Hilfe rief. In diesem Augenblicke hielt ein Wagen an, der ebenfalls in der Richtung nach Livorno fuhr und eben jetzt die Maulthiere eingeholt hatte. Muben, der von einer kleinen Reise zurückkehrte, hatte den Hilferuf der jungen Dame gehört und seinem Kutscher befohlen, anzuhalten. Im Augenblicke war er bei den Maulthieren; er kannte die beioen Cavaliere, die zum Hofstaate des Bischofs gehörten. „Signori Cav ilieri!" redete er dieselben an, „belästigt die Damen nicht. Was würde Monsignore dazu sagen, wenn er von eurem Benehmen erführe? „,,AH, ihr seid es, Signore Fattore!" riefe« die Ritter, uaangenehm überrascht. Wir räumen euch das Feld — allym ihr müßt versprechen, daß Monsignore nichts von dem Borgefallenen erfährt."" „Ich verspreche es euch!" entgeguete R«uben. Die Beiden bestiegen ihre Roste und ritten grüßend davon. Die . beiden Frauen dankten Rauben aufs Innigste. Dieser ließ seinen Wagen allein vorausfahren und schritt neben den Maulthieren her; die ältere der beiden Frauen, erzählte ihm, daß sie und ihre Nichte zu den Vertriebenen aus Speyer gehörten, und daß sie ihren Verwandten Rabbi Nachum Mispiro (aus Speyer), in Livorno aufsuchen wollten. Rsubea theitte ihnen zu ihrem Schrecken mit, daß in Livorno kein Rabbi Nachum aus Speyer wohne, und daß dieser von dort weggezogen sein müsse. „Ihr könnt nichsdestorvenfger in Livorno bleiben," fügte er hinzu, „jeder . Fremde erlangt das Hechts dort wohnen und Handel treiben zu dürfe». Wenn ihr aus Speyer seid," fuhr er fort, „so Lmntet Gr gewiß Guta, die Schwester Rabbi B^alel-! ayS. MM berg." Die bin ich selber, lieber Herr," rief Guta über-

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