Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1866)
- Date
- 1866-12-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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846 Horazdiowitz wird vorgelesen. Dieselbe lautet im Wesentlichen: Als ich den Exzedenten Rejsek verhaften wollte, wurde ich an der Halsbinde von hinten festgshalten und zu gleicher Zeit wollte wir Rejsek das Gewehr entreißen; die Halsbinde, die man mir von hinten fest zuzog, riß glücklicherweise entzwei, das Gewehr konnte ich aber erst befreien, als ein zweiter Gensdarm mit seinen Bajonnette nach der Hand des Rejsek gestochen hatte. Alsdann aber flogen Steine und Ziegel um unsere Köpfe, weshalb wir unsere Gewehre auf die Menge abfeuerten. Jetzt aber begann das Volk wie wülhend zu toben, die Weiber trugen in ihren Schürzen SLeme herbei, und einige Bürger kamen mit der Nachricht zu uns, daß sich das Volk mit Heugabeln und Flinten bewaffne. Nun mußten wir an den Rückzug denken. Wir atzten denselben in zwei Abtheilnngen ins Werk. Die eine marschirte rasch ab, die anders deckte den Rückzug, und am diese flogen die meisten Steine. Ich war der letzte im Zuge und an mich wagte sich ein Mensch mit erhobenem Knittel heran. Ich stach mit demBajonnet nach seiner Brust, worauf er zmückwich. Hierauf wurde aus dem Pöbelhaufen nach mir geschaffen. Als wir das Amtsgebäude erreicht hatten, versperrten wir das Thor, das der wüthende Pöbel zu erbrechen versuchte Wir hatten indessen im Innern des Amtsgebäudes mit den inhaftirten Sträflingen unsere liebe Noth, indem dieselben ans ihren Zellen herauszubrechen versuchten, was während der Nacht fvnftn derselben wirklich gelungen war. Nach Entlassung des Rejsek wird dessen Sohn, ein hübscher blonder Knabe, vorgeführt. Er war bei allen Vorgängen anwesend, blieb immer an der Seite des Vaters und befolgte im Schreien, Plündern und Zerstören Stück für Stück das Beispiel desselben. Als dieser verhaftet werden sollte, da rief der Knabe: „Ich lasse meinen Vater nicht verwunden." — Der Knabe leugnet konsequent und will ebenfalls von Kohn in die Wohnung gerufen worden sein. Auch er behauptet, nur darum ins Zimmer gekommen zu sein, „um den armen geängstigten Juden zu beschützen." Die Sitzung wird hierauf geschloffen. Der Hauptangeklagte Mathias Kus, Wirthschaftsbesitzer, hat sich wegen Aufruhr und öffentlicher Gewaltthätigkeit zu verantworten. Derselbe ist bereits wegen Uebertretungen, Beleidigung der Wache mehrmals abgestraft worden. Er ist ein hagerer Mann, trägt gute, aber sehr beschmutzte Kleider nnd eine große Pelzmütze. Präs.: Sie haben vor dem Brauhause getanzt und gejohlt. Die Gensdarmerie hat den lärmenden Hausen zum Auseinandergehen aufgefordert, darauf schrien Sie: „Ihr Czechen seid Rinder (V^ eesi, isle laßt euch nichts gefallen" und stellten sich an die Spitze des Haufens. Sie sollten arretirt werden, dabei wiedersetzten Sie sich dem Gensdarm und hielten sein Gewehr fest. Darauf wurden Steine geworfen, weshalb die Gensdarmen ihre Gewehre abseuerten. Sie also gaben durch Ihr Benehmen zum Schießen die nächste Veranlassung. — Angekl: Wie ich hier vor dem allmächtigen Herrgott stehe, ich habe nichts gethan von allem, dessen man mich hier beschuldigt. Der Aktuar German giebt hierüber an: Der Bauer hatte einen Mantel und einen Shawl um die Schulter herumhüngen, er schwang einen dicken Stock und Hut schreiend der Menge vorgetanzt. Angekl.: Ich habe nie einen Mantel getragen. Sie sehen also wohl, daß ich nicht der tanzende Bauer gewesen bin. Der Gendarm führt an, daß der Angeklagte bei der Arretirung den Stock gegen den Gensdarm geschwungen habe. Angekl.: Das ist vielleicht in der Trunkenheit geschehen, der verdammte Branntwein bringt noch Manchen ins Unglück. Der Gemeinderath Zajic führt an: Der Angeklagte war ganz betrunken und hat weltliche Lieder gesungen. Ich sagte ihm, wir wüßten bereits, wie schön er fingen könne, er möge nur nach Hause gehen und die Menge nicht noch mehr aufregen, er trieb's aber immer ärger nnd tanzte um uns her, um uns zu verhöhnen; das Volk begann zu lachen und Steine nach uns zu werfen. Angekl.: Der Zeuge will sich rächen, weil ich einmal Zank mit ihm hatte. Ein zweiter Zeuge behauptet, Kus sei beim Amtshause von Fenster zu Fenster gegangen nnd habe mit einem Stocke die Scheiben eingeschlagen. Der Zeuge habe ihm zugerufen: was er da thue, worauf der Bauer zur Antwort gab: Das muß zusammengeschlagen werden, weil ich hier zwei Tage im Arrest habe sitzen müssen. Angekl.: Die Schüttenhofncr selbst haben das ganze Unheil angerichtet und möchten's jehi gerne auf die armen Bauern schieben. Der Landstreicher Andreas Turnzvald, ein kleines Männchen im Alter von 30 Jahren, bereits mehrmals abgestraft, wird in d-n Saal gefüh-t. Es gehört unter den Angeklagten zu d.n meist Gravirten nnd Hot sich bei allen Gewallthaten am hervorragendsten betheiligt. Er ist angetlagt des Aufruhrs, der öffentlichen Gewaltthätigkcit und der Übertretung gegen die Sicherheit des Lebens. Präs.: Sie haben die Menge auf die Gensdarmen gehetzt, indem Sie riefen: Kommt über sie, fünf oder sechs von uns, die genügen; dann schrien Sie unaufhörlich: Es muß dreingeschlagen werden. Sie schlugen bei Simon Fürth nach den Fenstern und der Hauslaterne; Lei Lazar Fürth rissen Sie die Haus-