Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1866)
- Date
- 1866-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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L45 Herr vr. Löwy wurde auch vom Könige beauftragt, die für Allerhöchst dessen Empfang angebrachten, obenerwähnten Sprüche gleich nächsten Tag mit Beifügung des Urtextes zu übersenden. Die Person und das Auftreten des Herrn Rabbiners hatten auf den Monarchen einen so günstigen Eindruck hervorgebracht, daß derselbe zu seiner Begleitung wörtlich äußerte: „Welche angenehme und liebenswürdige Persönlichkeit ist dieser Greis". Hierauf verließ S. Maj. die Synagoge, nachdem der Rabbiner sich die Erlaubniß erbeten hatte, dem jüdischen Ritus gemäß, auch beim Ausgang den Segen ertheilen zu dürfen: litt nnx 1112 „Gesegnet sei Dein Kommen, gesegnet Dein Gehen". Herr vr. Löwy hat in dem soeben am Sabbat Chanukah wiedergegebenen, von mir möglichst wortgetreu mitgetheilten Vortrage die Klarstellung dieser ebenso erhebenden als interessanten Begebenheit mit den Worten eingeleitet: „Es konnte sich nicht besser fügen, daß gerade in den Chanukatagen, in welchen sich das bekannte Tempelwunder zugetragen, sich vor unfern Augen, wie in der Vorzeit, ebenfalls ein Tempslwunder ereignete, ein Ereigniß, das in seinen Folgen für das Judenthum Bayerns unberechenbar, jedenfalls die froheste Vorahnung für die Zukunft hegen läßt. Möge der Allmächtige — in dessen Hand das Herz der Könige wie Wafserströme ist, "i ->'2 'idQ diese unsere Hoffnung in Erfüllung gehen lassen, und indem ich diesen Bericht mit den Worten des Herrn vr. Löwy schließe: 11 '001 rmiH 'w O'Q' 11181 Iiivb „Es lebe Ludwig II., der jugendliche König Bayerns, ein langes und glückliches Leben! ' glaube ich, daß jeder der freundlichen Leser, wie es die den Vortrag Anhörenden gethan, aus vollem Herzen einstimmen und sagen wird: Amen. S. H. Nürnberg, 5. Dec. Nach Beendigung der Revue hat gestern ein rascher Ritt Se. Maj. den König, von einem einzigen Adjutanten begleitet, bald nach 41/2 Uhr nach Fürth gebracht. Se. Maj. begab sich unmittelbar nach dem Rathkause und von da, vom Bürgermeister John und dem Reichsrathe v. Haller geleitet, zu Fuß nach der Synagoge, wo er fast eine halbe Stunde verweilte und mit sichtlichem Interests nicht nur die Erklärungen aufnahm, welche der Rabbiner auf Befragen des Monarchen über manche Vorschriften und Gebräuche des israel. Kultus gab, sondern auch die wohlwollendsten Gesinnungen für die israel. Bevölkerung Bayerns wiederholt kundgab. Nachdem Se. Maj. hierauf noch 2 industrielle Etablissements'(der Herren Ullmann - Engelmann und des Herrn Ziegler) besucht hatte, während welcher Zeit eine Beleuchtung der Straßen improvisirt worden, erfolgte unter stürmischen Zurufen einer die ganze Umgebung des Bahnhofes füllenden Menschenmenge in einem festlich geschmückten Wagen der Nürnberg- Fürther Eisenbahn die Rückkehr hieher, wo Se. Maj. um 61/2 Uhr wieder eintraf. (N. Corr.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wie». Gin junger Handlungskommis isr. Konfession machte vor mehreren Monaten die Bekanntschaft einer Dame, welche ihm als sehr vermögend geschildert wurde. Trotz des Glaubensunterschiedes (die Dame ist Katholikin) entspann sich alsbald ein intimes Verhältnis, welches nach der Taufe des jungen Mannes zur Heirath führte. Letzterer, welcher seine Stellung in einem hiesigen Handlungshause aufgegeben hatte, glaubte nun sein Ziel, eine sorgenfreie unabhängige Erlstenz, erreicht zu haben, aber er wurde bitter enttäuscht, statt Vermögen hatte seine junge Gattin nichts als — Schulden; da nun auch die Liebe zu derselben erkaltet war, nahm sich der Unglückliche diese Enttäuschung derart zu Herzen, daß er vorgestern einen Selbstmordversuch unternahm, wobei er aber überrascht und unter ärztliche Aufsicht gestellt wurde. (Fremdenblatt.) PIsek, 25. Oct. (Die Excesse in Schüttenhosen. Fortsetzung.) Der Hauptangeklagte Zimmergesell Rejsek, ein kleiner untersetzter Mensch, wird in der folgenden Sitzung vor den Tisch der Richter geführt. Präs.: Ich habe Ihnen eine lange Liste strafbarer Handlungen vorzutragen. Als der Knabe Roth aus dem Amtshause wieder entlasten worden war und die Mutter desselben dann dankend für dessen Freilassung unter die Menge trat, sagten Sie zu ihr: „Glauben Sie, wir sind hier umsonst gestanden!" Später, vom Gemeinderath Popel aufgefordert, sich zu entfernen, pfiffen Sie nur noch mehr und schrien unausgesetzt „Stribro." Sie waren der Erste, der in Lazar Fürth's Wohnung Steine geworfen, Sie haben übsrhaupt gegen die Juden aufgereizt und ihnen großen Schaden zugefügt. Sie haben die Fensterflügel herabgeriffen, mit einem Prügel herumgeschlagen. Als schließlich ein Gensdarm Sie zu arretiren versuchte, hielten Sie ihn beim Gewehr fest und ließen erst los, als ein zweiter Gensdarm zu Hilfe eilte. Sie hatten sich dabei an der Hand verwundet und schrien nun: „Christliches Blut muß wegen der Juden fließen! Jetzt gehe ich nicht eher vom Fleck, bis ich einen Juden erwürgt haben werde." — Angekl.: Es kann wohl was Wahres daran sein. Ich war angetrunken und weiß nicht mehr recht, wie's zugegangen ist. Das Fenster habe ich eingeschlagen, aber erst später, wie schon die Fedem herumgeflogen sind. Mit einem Gensdarm bin ich auch aneinander gerathen. Mehr aber weiß ich nicht. Die Aussage des Gensdarmerieposten-Führers aus