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Der Israelit · 1866-12-19 · Heft 51 (19.12.1866) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 51 (19.12.1866)
Date
1866-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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844 Empfange des Monarchen getroffen; die ganze Stadt hatte sich in festlichen Schmuck geworfen. Besonders reizend war der israelitische Schulhof ausgestattet, an dessen Eingang eine Reihe mächtiger Fahnen wehten, und in dessen Mitte Guirlanden aus Tannenreis mit verschiedenen Wappenschildern nebst treffenden Sinnsprüchen angebracht waren; hieß es doch allgemein, daß S. Majestät die Synagoge zu besuchen gedächten. Lange hatte sich unsre Stadt indeß nur mit der Hoffnung auf diesen hohen Besuch getragen, und schon waren vielseitig Zweifel an der Verwirklichung desselben laut geworden — als auf einmal die Einwohnerschaft am 4. December um so freudiger von der wirklichen Ankunft des allgeliebten Monarchen überrascht wurde, und verlangte Allerhöchstderselbe nach kaum 1/4 ständigem Aufenthalte die Hauptsynagoge zu besichtigen. Diese war inzwischen auf das Brillanteste beleuchtet worden, und beim Eintritt in die Vorhalle ging Herr Rabbiner Or. Löwy dem Fürsten mit der ->LO entgegen, worauf S. Majestät eine Ansprache und den Segen desselben entgegennahm, aus welcher ich die Begrüßung hervorhebe: 82.-I -p-Q ''i Gepriesen sei, der da kömmt im Namen des Herrn; wir aus dem Hause des Herrn heißen Eure kgl. Majestät herzlich willkommen. Der König, in die Synagoge geleitet, unterhielt sich mit dem Rabbiner in der leutseligsten, herablassendsten und herzgewinnendsten Weise, und will ich die interessantesten Stellen des Gesprächs in möglichster Kürze wiedergeben. S. Maj. (beim Eintritt in die Synagoge): Ist es in Ihrem Tempel Sitte, mit entblößtem oder bedecktem Haupte zu erscheinen? vr. L.: Wir Juden betreten das Gotteshaus mit bedecktem Haupte, für Eure Majestät gibt es hier keine Vorschrift. vr. Löwy geleitet S. M. zur heil. Lade, und der König ersucht den Herrn vr., allen bezüglichen Stellm feines Gespräches das Hebräische beizufügen, da er an dieser Sprache, welche von dem Hrn. Rabbiner gesprochen, für ihn besonderen Wohlklang habe, überhaupt großes Interesse nehme. S. M.: Ist es auch einem Nichtgeistlichen gestattet, diese heilige Stätte zu betreten? vr. L..' Für Eure Mäjestät gibt es in diesem Tempel keine stätte, die nicht betreten werden dürfte. S. M.: Welch' kostbare Goldstickerei ist an diesem Vorhang, das ist herrlich, haben Sie diesen schon lange? Di-. L.: Er wurde bei Gelegenheit der Einweihung der voriges Jahr neu restaurirten Synagoge von hiesigen Wohlthäterinnen gestiftet. S. M. ließ hierauf den auf dem heil. Vorhänge angebrachten Widmungsspruch vorlesen und übersetzen. S. M.: Was bedeutet die der Thora aufgesetzte Krone? vr. L.: O'irw Drei Kronen gibt e§ im Judenthum, die der Gelehrsamkeit, des Priester- und Königthums; letztere ist dem Juden von großer Bedeutung, und daß unsre heilige Schrift insbesondere lehrt, mit aller Treue und Ergebenheit dem Herrscher des Landes anzuhangen, und die unverletzliche Unterthanentreue uns begeisterte Ehrfurcht gegen das gekrönte Haupt des Monarchen zur strengen und heiligen Pflicht macht, davon will ich Eurer kgl. Majestät unter andern nur einen Satz anführen, „'22 "1 r-r-»' Fürchte Gott, mein Sohn, und den König; unmittelbar nach der Ehrfurcht, die wir Gott schulden, kommt die, so wir dem Landesfürsten zu erweisen haben. Königliche Majestät! Bei dem allzufrühen Hinscheiden Ihres höchstseligen Vaters haben die Juden Bayerns diesen schweren Verlast innigst betrauert und schmerzlichst beklagt; von dieser heiligen Stätte aus habe ich die Trauerrede gehalten, ich war selbst tief bewegt. Sie sehen. Majestät, ich bin ein alter Mann mit weißen Haaren, aber der alte Mann hat geweint wie ein Kind, und mit ihm hat die ganze Gemeinde geweint." — BeidiesenWorten entflossen den sonst so strahlenden, lebhaften und vergnügten Augen des Königs Thränen der Rührung. „Ihr kgl. Vater," fuhr der Rabbiner fort, „hat sich durch die Ertheilung der Emancipation ein bleibendes Andenken gesichert, und sein Name wird unsterblich sein nicht nur in den Annalen der hiesigen Gemeinde, sondern bei allen Israeliten Bayerns, ich darf sagen, bei der Gesammtjudenheit Deutschlands. Kgl. Majestät! Sie sehen die heilige Lade geöffnet, vor der ich neben Ihnen zu stehen die Ehre habe, sie ist das größte Heiligthum Israels, vor dieser Lade spreche ich die ergebenste Bitte aus: Treten Sie in die Fußtapfen Ihres Vaters, wolle ein hochherziger Sohn das vollenden, was der höchstselige Vater begonnen!" Diese inhaltreichen Worte verfehlten ihren Eindruck nicht, denn der König erwiederte lebhaft: „Ja, ich will und werde es thun. Ich ermächtige, ich bitte Sie, Herr Rabbiner, sagen Sie das Ihrer Gemeinde, sagen Sie es ihr in meinem Namen!" — Der König hatte schon vorher zum Rabbiner geäußert: „Nicht wahr, Sie leiden doch nicht mehr unter dem früheren Drucke?" worauf Herr Or. Löwy darlegte, wie glücklich wir uns jetzt fühlen; er schilderte dann den früheren Druck, unter welchem wir zu leiden hatten, eingehend. S. Maj. verweilte über eine halbe Stunde mit dem lebhaftesten Interesse, die innere Einrichtung betrachtend, in der Synagoge, und nahm mit größter Befriedigung die Erklärungen auf, welche Ihm Herr vr. Löwy auf sein weiteres Befragen über Gebräuche und Vorschriften des israel. Cultus gab.

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