Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1866)
- Date
- 1866-12-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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835 eigenes Ding, und selbst die Universität in Greifswalde, die doch angeblich volle Autonomie besitze, sei vom Finanz- und vom Cultus - Ministerium abhängig. Wenn nun vollends Hr. Glaser sage, die Majorität sei bei den betreffenden Beschlüssen eine geringe gewesen, so sei es doch immerhin die Majorität gewesen, und folglich seien ihre Wünsche die Wünsche der ganzen Corporation gewesen. Ob übrigens jetzt in Königsberg Bedürfnis nach Juden sei, das wisse Hr. Glaser wohl nicht, da er ja bloß Professor in xartibas sei. (Heiterkeit.) Hierauf ging die Versammlung aus einen anderen Punkt über. Oesterreichischer Kaiserstaat. Erlau, Ende November JnTisza Löck, einem von der Cultur noch nicht belecktem Flecken, grassirte sehr arg die Cholera. Doch wer dachte an Desinsection oder Diät, diese Begriffe kennt man dort selbst dem Namen nach nicht; man ergriff vielmehr das Nebel so zu sagen bei der Wurzel, um ihm den Nsrvas rsrurn Asrsnckarum abzuschneiden. Im October holte sich die Gemeinde Löck Rath's au» Liszka in Gestalt eines jungen Bachurleins des dort thronenden Heililigen, verlobten es mit der Tochter eines in Löck domizilirenden frommen, aber unbemittelten Gelehrten Namens Rabbi Mordechai Weber, und da die Dame Cholera nicht warten wollte, bis dies Pärchen die Herzensangelegenheit in's Reine gebracht, so wurde die Hochzeit drei Tage nach der Verlobung auf dem Friedhofe mit großem Pompe gefeiert; mit Cymbal und Musik bewegte sich das Brautpaar unter großem Zulauf der Straßenjugend nach besagtem Orte. Voran bewegte sich ein imposantw Zug lustig Johlender, und die Fahnen der Commune, die weiland bei der Deputirtenwahl des sehr liberalen Abgeordneten mitfigurirten, flatterten lustig im Winde. Das Paar wurde auf dem Grabe der erst letzthin dieser Epidemie zum Opfer Gefallenen eingesegnet, und den zu diesem seltsamen Schauspiele aus Nah und Fern zuströmenden Gästen auf Unkosten der Gemeinde ein lucullisches Mahl aufgetischt. Die sogenannten Draschageschenke sollen eine stattliche Summe ausmachen, ja, ein christlicher Mitbürger, dem ein Familienmitglied an jenem Uebel schwer darniederlag, schenkte dem neugetrauten Paare eine Milchkuh aus seiner Heerde. Soweit ging noch die Angelegenheit recht gut von Statten, und nun beginnt sich erst der Knoten zu schürzen, denn die Hochzeit war ohne Vorwissen des Vaters der Braut, der eben abwesend gewesen, vor sich gegangen. Nun aber betrachtet derselbe diesen Vorgang als einen Eingriff in seine väterlichen Rechte, überhaupt den ganzen Akt als eine ihm zugefügte Beleidigung, wurde gegen die Gemeinde klagbar beim Heiligen in Liszka. Vorige Woche nun kam Selbiger in höchst eigener Person nach T. Löck, um den Streit zu schlichten. Der Kläger verlangt einen Schadenersatz von j200 fl. Die. Gsmeindeglieder jedoch wollen sich durchaus nicht zu' einer Entschädigung Herbeilaffen, zumal noch überhaupt nicht evident bewiesen ist, daß jenes heitere Intermezzo die Cholera zum Rückzuge gezwungen habe. Doch beruhigt euch, ihr guten Leutchen, dieses zu erörtern, ist ja Aufgabe des heiligen Liszkaer. Wir kommen noch, sobald das Urtheil gefällt, auf diese interessante Erscheinung im Herzen des gesegneten Magyarenlandes zurück. So geschehen im Jahre 5627!! Ahron Weiß, Religionslehrer. Italien. Modena. Unser ausgezeichneter Glaubensgenosse und Mitbürger Cavalier I. Guastalla hat den hiesigen jüdischen Gottesacker, der sich in einem elenden Zustande fand, mit einem Kostenaufwands von 65000 Lirä restauriren lassen. Padua. In das hiesige Municipimn wurden 8. Israeliten gewählt. (Abendland.) Frankreich. Parts. Der „Univers Jsraelite" schreibt in seiner jüngsten Nr.: Mehrere ehrenwerthe Israeliten zu Paris, unter denen wir die Herren Bernard Merzbach, Federmann, Prosper Cohen und Braun bemerken, haben sich bei dem Aravck rairkiv Isidor vereinigt um einen „Verein für Sabbatdeobachter" rQw genannt, zu gründen. Dem Programm, das uns diese Herren zuschickten, entnehmen wir Folgendes: Zweck des Vereins. Die Beobachtung des vierten Gebotes unseres unsterblichen Dsealogs ist diejenige, die den jungen Leuten, die in Pariser Hanvlungshäusern fungiren wollen, die meisten Schwierigkeiten bietet. Die Zahl derjenigen Häuser, die an Sabbat- und Festtagen geschloffen sind, ist m der That leider so gering, daß viele junge Leute, die mit dem festen Willen hierher gekommen sind, um ihren religiösen Pflichten zu genügen, sich gezwungen finden, eins der wichtigsten Gebote zu übertreten. Aber wenn die Anzahl der Sabbatbeobachter so gering ist, im Vergleiche zu der großen Majorität dieser unserer Brüder, die N2V.-I swxdv -2 7I0PN xd gänzlich vergessen haben, dürfen sie deshalb den Muth sinken lassen und ist es nicht ihre Pflicht, im Gegentheil, sich zu vereinigen und zusammen zu halten, um den Feind bekämpfen zu können? Wie einst die kleine makedonische Partei unter einem Alexander fast die ganze damals bekannte Welt sich unterwarf, so wird auch die Bereinigung dieser Getreuen, mit der Hilfe Gottes, eine starke