Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1866)
- Date
- 1866-12-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 50 des Israelit. Leitender Artikel. Vrr Srricht Sir Moses Montefiore's über seine Reise in -ns heilige Land. (Fortsetzung.) Donnerstag, der 12. April, war von nnr bestimmt worden, die Deputation von Safed zu empfangen, die eigens zu diesem Zwecke von Jaffa noch Jerusalem gekommen war, um mir über die oft berührte Verleumdung des vr. Macleod Auskunft zu geben. Demgemäß las ich vor allen Dingen diesen Herren den Bericht des angeblichen österreichischen Consuls vor, und hob sein Nrtheil über die Juden Palästiva's und über die jüdischen Einwohner Safeds besonders hervor Unter Anderem heißt es dort: „Eine schreckliche Begebenheit hatte sich Tags vorher, ehe wir (vr. Macleod und seine Reisegefährten) noch Eafed kamen, daselbst ereignet. Eine spanische Jüdin wurde zum Tode verurtheilt und zwar befand sich unter den Rabbinen, die über dieselbe zu Gericht saßen, einer, der selbst in dieser Bffaire stark compromittirt war. Wir ersuchten den Konsul, über diesen Gegenstand weitere Erkundigungen einzuziehen. Dieses that er. Er versicherte uns, daß Alles, was er gehört hatte, von einem intelligenten Juden bestätigt wurde, der, obgleich er das Vorgefaüene verachte, sich dennoch fürchtete, offen darüber zu sprechen. Dieses ist die Schreckensherrschaft." Auf dieses hin erzählten mir die ehrwürdigen Herren Samuel Abu und Helir, die Repräsentanten der dortigen sephardischen und aschkenafischen Gemeinde Folgendes: „Eine Frau aus Damaskus, die von ihrem Manne geschieden war, ließ sich in Safed nieder. Rach sechs - monatlichem Aufenthalt verheirathete sie sich hier mit dem Goldschmidt Maiud Tabu!, mit dem sie in einem Hause, der Synagoge Beth Lakeneseth Echel N- Jehuda Halaban gegenüber, wohnte. Diese Wohnung, die Morgens und Abends von Juden frcquentirt wurde, war dazu geeignet, ihr Betragen der Oeffentlichkeit bloszufiellen. Da dasselbe jedock mit ihrem schlechte n Rnse, den sie von Damaskus mitgebrocht hatte, im völligen Einklang stand, so zog sie sich, um üble Folgen zu vermeiden, in das Haus des Bechor Namias zurück. Eines Sabbat Morgens, während des Gottesdienstes, sah die Frau des Bechor Namias, die das Haus nicht verlassen hatte, einen Türken Namens Abdallah Greri, der in das Privatgemach der Frau! ging. (Es ist dieses im Orient, besonders aber im heiligen Lande, eine Handlung, die gegen alle Mora^ lilät verstößt.) Frau Namias, die an dem unsittlichen Zweck eines so ungewöhnlichen Besuches keinen Augenblick zweifelte, beeilte sich, das Geschehene den Gemeindevorstehern anzuzeigen. Aufgebracht über dieses unmoralische Betragen, erlaubte sich eine Anzahl Personen, die Verbrecherin zu prügeln ein Lynchverfahren, das bei unmoralischen Personen im Orient sehr häufig in Anwendung kommt. Da es gegen das jüdische Gesetz verstößt, daß ein Mann fürder mit einem ehebrecherischen Weibe lebt, so gab ihr Massud einen Scheidebrief, woraus sie zu ihren Eltein nach Damaskus zurückkehlte. Es war also durchaus keine Rede von einer Todesstrafe, noch von einer Mitschuld eines Rabbinen. In der That hat keine Mische Behörde sowohl in den: heiligen Lande als in irgend einem anderen Theile der Welt seit dem Schlüsse des großen Sanhedrin zu Jerusalem ein Todesurtheil gefällt." Aus diesen Bericht hin, der mir von diesen zwei ehrwürdigen Herren, mit denen ich schon seit dreißig Jahren in Wohlthätigkeits- und Gememdeangelegenheiten bas Vergnügen habe, in Correspondenz zu stehen, die die Vorsteher der Gemeinden zu Safed waren und noch sind, unterstützt durch die Herren Abu Charaz und Jiaac Fbiedmann, die von Herrn Miklasiwitz, dem österreichischen Consul, selbst als würdige Vertreter von 60 Familien empfohlen waren, denen überdies roch die Zeugnisse des Rabbi Mordechai Halevi Afchkenasi zur Seite standen, der mir als der erste Sendbote nach England von den Gemeinden zu Scssed und Tiberias lehr gut bekannt ist, hege ich nicht den geringsten Zweifel, daß die Anklage gegen unsere Brüder durchaus unbegründet ist *) Mir und dem ehrenwerthen Board muß es zur größten Befriedigung gereichen, daß die grausame Verläumdnng, die durch die „voock IVoräs" des Herrn 1>n. Macleod so wert verbreitet wurde, auf Unwahrheit beruht, und ich bin fest überzeugt, daß ein Mann von so hohem Choracter wie es Herr Macleod ist, es ernsthaft bedauern wird, daß durch ihn eine so unschuldige Gemeinde derart verleumdet wurde. Freitag, den 13. April, wollte ich die sämmtlicken Synagogen, Kollegien, Schulen und die verschiedenen Wohltbätigkeitsanstalten nebst ihren respectiven Repräsentanten besuchen, um ihnen einige Unterstützung angedeiben zu lassen; ich fand mich jedock zuletzt zu angegriffen und erschöpft in Folge der vielen Arbeiten *) Anm. der Red.: Wir haben seiner Zeit über den in Rede stehenden Vorgang gerade so berichtet, wie er dem Sir Moses erzählt wurde.