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Der Israelit · 1866-12-12 · Heft 50 (12.12.1866) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 50 (12.12.1866)
Date
1866-12-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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830 für Alles verantwortlich. Die Beschwichtigung der Betrogenen kostete ihn fast den Rest des Vermögens, das Ebjathar ihm gelassen hatte. Nach einiger Zeit kehrten die Soldaten der freien Reichsstadt Nürnberg vom Heereszuge des Kaisers in die Heimath zurück und brachten die Kunde mit heim, daß das Gold, welches ihnen als Sold nachgeschickt worden war, falsch gewesen sei. Rabbi Bezalel hatte dieses Gold ausgezahlt, und Ebjathar hatte die echten Rollen mit falschen vertauscht. Dem Herrn, und nicht dem verschwundenen Diener wurde die Schuld beigemessen; Rabbi Bezalel wurde verhaftet und ins Gefüngniß geworfen; sein Vermögen wurde mit Beschlag belegt. Herzzerreißend war der Abschied zwischen Vater und Tochter. „Reise zu meiner Schwester nach Speyer, mein Kind," sprach Rabbi Bezalel, ehe ihn die Stadtknechte mit Gewalt rvegführten, „dort wirst du Schutz und Unterhalt finden, bis Gott uns wieder zusammenführt." — Da sich die Gefängnißpsorten hinter ihrem Vater schlossen, trat Sarah ihre Reise nach Speyer an. Freundlich nahm ihre Tante sie auf — allein nicht lange sollte die Geplagte hier Ruhe finden. Der Magistrat von Speyer vertrieb die Juden bald nach Sarah's Ankunft. Noch saß Rabbi Bezalel im Gefängniß, als Sarah an der Hand ihrer Tante ins Ungewisse hinaus wandern mußte in die weite Welt. Ein Bruder des verstorbenen Mannes der Tante lebte in Livorno; dorthin wollten sie ihre Schritte lenken. VII. Der Bischof von Tripolis halte Röuben nicht mehr von sich gelassen?; er nahm ihn bei seiner Rückkehr mit sich an des Kaisers Hof. Der Weihbischof, welcher schon als Knabe die glänzendsten Anlagen gezeigt, hatte sich im Kloster hervorgethan und die Aufmerksamkeit seiner Obern auf sich gelenkt. Da er mit vielem Wissen ein schönes Aeußere und große Geschmeidigkeit im Umgänge verband, so wurde er bald zu allerlei Aufträgen verwandt, bei denen sich sein Talent aufs Glänzendste bewährte; so war er von Stufe zu Stufe emporgestiegen; doch vom Weihbischof bis zum wirklichen Bischof ist noch ein weiter Schritt, dm Pater Felix, wie er sich jetzt nannte, sobald zurückzulegen nicht hoffen konnte. Da erhielt er von seinem Freunde und Gönner, Cosimo von Medici, dem ersten Herrscher aus der kunstsinnigen Familie der Mediceer, den Antrag, den neugestifteten Bischofssitz in dem mächtig aufstrebenden Livorno einzunehmen. Pater Felix zögerte nicht einen Augenblick, die Gelegenheit zu ergreifen, in die Nähe seines berühmten Freundes zu kommen. Bald darauf siedelte er nach Livorno über, und Röuben begleitete ihn auch dorthin, Wo er der Hoffactor des neuen Bischofs wurde. Livorno, gegenwärtig die bedeutendste Handelsstadt Italiens, kann sich an Atter mit den meisten Städten dieses schönen Landes nicht messen; im dreizehnten Jahrhundert noch ein offener Flecken, wurde es erst im vierzehnten eine Stadt, die unter der Herrschaft der Mediceer (seit 1421) zur Blüthe gelangte. Als Röuben mit seinem Gönner dort ankam, hatte Livorno noch gar keinen Handel. Röuben erkannte sofort die günstige Lage des Platzes am mittelländischen Meere; als er den Bischof darauf aufmerksam machte, erzählte ihm dieser, daß Herzog Cosimo die Absicht hege, Livorno zu einem Freihafen zu erklären. „O," sagte Röuben, „das ist Etwas, aber noch lange nicht Alles; erst wenn mit der Handelssreiheit die Gewissensfreiheit in Livorno sich paaren wird, erst dann kann die Stadt groß werden. Der Handel ist nichts ohne die freundliche und freiheitliche Berührung der verschiedenen Völker und Religionsgenossen. Juden, Muhamedaner, Christen aller Secten müssen hier frei verkehren dürfen, wenn Livorno sich emporschwingen soll." Der Bischof schwieg; als er aber bald darauf nach Florenz reiste, seinen fürstlichen Freund zu begrüßen, da erzählte er ihm von seinem Hoffactor und von dessen Aeußerungen über die Zukunft Livorno's. Der Herzog ließ darauf Röuben zu sich kommen, unterhielt sich lange mit ihm, und zögerte nicht, seine Ralhschläge zu befolgen. — Kaum wurde es in der Welt bekannt, daß in Livorno freiheitliche, dem Handel günstige Elemente vorherrschten, so strömten aus allen Ländern die Kaufleute herbei. Livorno ward immer größer und bedeutender, und neben der katholischen Kirche erhoben sich bald griechische und armenische Beihäuser, eine Moschee und eine Synagoge. Natürlich kam dieser Aufschwung am meisten Röuben zu Gute. Auf Anlaß des Herzogs hatte er ein Import- und Exportgeschäft von und nach der Levante begonnen. Seine Schiffe gingen hin und her, und bald konnte er dem Herzog dessen Vorschüsse zurückzahlen; der Bischof blieb sein Freund und Beschützer, und neben dem bischöflichen Palaste erhob sich das schöne Haus des allgemeinen geachteten Hoffactors Signor Röuben Mewina (aus Wien). Es konnte nicht fehlen, daß die vornehmsten und reichsten italienischen Juden dem jungen, schönen, gelehrten, wohlhabenden Hoffactor ihre Töchter antragen ließen, allein Röuben wies alle Anträge ab. Er konnte des Augenblickes nicht vergessen, da Sarah sich ihrem Vater zu Füßen geworfen, um für ihn zu bitten; er schickte daher einen Boten nach Nürnberg, um nach den Schicksalen Rabbi Bezalel's und dessen Tochter zu forschen. Verantwortliche Redaction: vr. Le.hmann. — Verlag der Le Rou x'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz. (Fortsetzung folgt). Hierzu zwei Beilageu.

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