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Der Israelit · 1866-12-12 · Heft 50 (12.12.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 50 (12.12.1866)
Date
1866-12-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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829 wahr gerügten faulen Zustände und Gebrechen des großstädtischen religiös-sittlichen Verfalles bilden Gottlob in unserer Nähe nur selten vereinzelte Ausnahmen. Die ländliche Bevölkerung bewahrt denn doch zumeist eine gewisse heilige Scheu vor den ererbten Traditionen, und wenn auch nicht gerade immer rein L'OV QL'^r, will sie sich doch nicht gern -vQLri IQ A-ns sein, unv bleibt daher unerschütterlich bei dem vielerprobten, bewährten Alten. Nur der Synagogen- Besuch wird mitunter in manchen Gemeinden vernachlässigt und läßt viel zu wünschen übrig. So wirb in denselben gewöhnlich nur '-i'Qi — uviiiQ Vim '->'2 ki2w, und höchstens noch Qi'2 die Synagoge geöffnet. Allein auch an diesem Uebelftande tragen mitunter besondere Verhältnisse große Schuld, namentlich die allmähliche Abnahme der israel. Bevölkerung der Landgemeinden, die ihr Herz und Auge mehr und mehr den Städten zuwendet, wodurch die Reihen der Landgemeinden bedeutend gelichtet werden. Dagegen sind die Verhältnisse der jüdischen Unterrichts-Anstalten als die ersten und fruchtbarsten Pflanzstätten des religiös-sittlichen Lebens im Allgemeinen sehr gut bestellt, und entsprechen zumeist den an sie gestellten gesteigerten Anforderungen, durch Heranbildung einer von echtem Geiste des Judenthums durchwehten Generation. Mitunter geben auch sogar christliche Jnspectoren, wie beispielweise in unserem Distrikte der sehr gelehrte K. Distrikts-Schulen-Jnspector Pfarrer Wolf in Dünkelsbühl, zur Erzielung eines gründlichen Wissens in hebräischer Sprache und Religionslehre einen mächtigen Impuls. Wünschenswerth und für Hebung des religiösen Lebens gewiß ungemein förderlich wäre es jedoch, wenn, wie in dem angrenzenden Württemberg, es auch unseren Religionslehrern zur Pflicht gemacht würde, an jenen Orten, wo sich kein Rabbinatssitz befindet, namentlich an hohen Festtagen, durch gehaltvolle Reden und öffentliche Vorträge in der Synagoge bildend und belehrend auf das Volk zu wirken. Österreichischer Kaiserstaat. Prag Unter den Studirenden an der hiesigen Universität im vergangenen Studienjahre waren im Wintersemester 110, im Sommersemester 104 Juden. — (Abdld.) Frankreich. In Joinville starb dieser Tage Herr Frank, vormals Rabbiner in Gerstheim, im seltenen Aller von 108 Jahren. Herr Frank wurde von keiner der Krankheiten heimgesucht, welchen alte Leute so oft unterworfen sind; er machte noch in letzter Zeit starke Spaziergänge, las bis zu seinem letzten Tage ohne Brille und erhielt sich sein Gehör ungeschwächt. (F.-B.) Feuilleton. Die Sühne. (Nach einer alten hebräischen Handschrift.) (Fortsetzung.) VI. Kehren wir jetzt wieder nach Nürnberg in das Haus Rabbi Bezalels zurück. Wenige Tage nach Röubens Entfernung hatte das Stubenmädchen den vermißten Ring gefunden und ihrem Herrn abgeliefert; dieser, dessen Zorn gegen Reuben sich längst gelegt hatte, begann an dessen Unschuld zu glauben, zumal da Sarah sich nimmer trösten wollte und stets aufs Beharrlichste die Schuldlosigkeit Reudens behauptete. Vergebens stellte ihr Rabbi Bezalel vor, daß das in Rsubens Bettlade gefundene Gold der sicherste Beweis der Unredlichkeit des undankbaren Knaben gewesen, selbst wenn der Ring durch einen Zufall rn die Fußbodenritze gekommen war. Sarah ließ sich nicht abhaltsn, Reudens Unschuld zu behaupten, wenn sie auch das Räthsel mit dem Golde Ln der Bettlade nicht zu lösen vermochte. Daß Ebjathar seine Hand dabei im Spiele gehabt hatte, daran dachte Niemand. Später vernahm man, daß Reuben in Frankfurt ein Unterkommen gefunden, und auch Sarah gedachte nur noch selten des Gespielen ihrer Kindheit. Unterdeß hatte sich Ebjathar seinem Herrn unentbehrlich zu machen gewußt; da Rabbi Bezalel anfing, alt zu werden, so ließ er fast alle Geschäfte durch seinen jungen Verwandten besorgen, von dessen eigentlichem Character er keine Ahnung hatte. Allein bald sollten ihm die Augen geöffnet werden. Als Sarah ihr fünfzehntes Jahr zurü.lgelegt hatte, verlangte Ebjathar die Hand des jungen Mädchens; der Vater war mit Freuden bereit, seine Einwilligung zu geben; aber Sarah weigerte sich entschieden, Ebjathars Gattin zu werden. Rabbi Bezalel, der mit vielen Kindern gesegnet gewesen war, hatte sie alle, bis auf Sarah, verloren; dies sein jüngstes Kind, nach dessen Geburt ihm bald auch die Gattin gestorben, war sein einziges geblieben, da er sich nicht wieder verheirathet hatte. Er hatte es mit der größten Liebe und Zärtlichkeit aufgezogen; er konnte sich nicht entschließen, die heißgeliebte Tochter gegen ihren Willen zu verheirathen. Das Alles sagte er seinem Geschäftsführer, der nichts entgegnete, als daß er morgen das Haus verlassen wolle. Nachdem Ebjathar fort war, bemerkte Rabbi Bezalel bald, daß Jener ihn schmählich betrogen hatte; zu sorglos hatte er ihn Jahre lang ohne Aufsicht schalten und walten lassen; es sollte jedoch noch schlimmer kommen; Betrügereien kamen zu Tage, die Ebjathar im Namen Rabbi Bezalels verübt hatte. Ebjathar war nirgends zu finden, und Rabbi Bezalel war

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