Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1866)
- Date
- 1866-12-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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städtische Bevölkerung aus 81,3 o/o Protestanten, 17,4 °/o Katholiken und 1s o/o Israeliten, während die Gymnasiasten und Lyceisten 78,z o/o Protestanten, 20 °/o Katholiken und 1,4 o/o Israeliten zählen, also die zwei letzten Rsligionsgenossenschaften mehr philologische Schüler besitzen, als das entsprechende Bevölkerungsverhältniß anzieht. Bei der katholischen Bevölkerung rührt dies übrigens von dem größeren Andrange zu den niederen theologischen Konvikten her, in welche jährlich gegen 30 Zöglinge ausgenommen werden, während in die andern evangelischen Seminare bei einer doppelt so starken Bevölkerung auch nicht mehr zugelassen werden. Hinsichtlich der Israeliten ist in's Auge zu fassen, daß dieselben seit den liberalen Handels- und Gewerbegesetzen ihre Dorfsitze mehr und mehr verlassen und sich an den bedeutenderen Handelsplätzen ansiedeln; so hat sich z. B. von 1843 bis 1861 die jüdische Bevölkerung in Stuttgart, Ulm, Eßlingen und Heilbronn um 400 °/o vermehrt, auf den Dörfern dagegen um 18 o/o vermindert; wie denn überhaupt von der israel. Bevölkerung 34 o/o, von der christl. hingegen nur 22,68 o/o in Städten, und von der letzteren 62,si o^ in 1699 Dörfern. 13,20 0/0 in 3193 Weilern und 1,«i °/o in 4816 Höfen und einzelnen Wohnsitzen wohnen. In Stuttgart, welches 1169 israel. Einwohner hat, besucht derzeit nicht ein einziges israel. Kind eine Volks-, vielmehr durchgängig höhere Schulen. Fast ebenso ist es in Ulm, Heilbronn, Eßlingen, Göppingen. Bei den Realschulen zeigen sich folgende Resultate nach Confessionen: Während auf je 100 Württemberger 68,8 0/0 Protest., 30,4 o/o Kathol., 0,7 0/0 Israel, kommen, entfallen 1864 auf je 100 Realschüler 80,s °/o Protest., 15,« 0/0 Kathol., 4,o 0/0 Israeliten. Dieses scheinbare Mißoerhältniß ist einfach die Folge von der überwiegend evangelischen Bevölkerung in den Gemeinden mit Realschulen, deren Einwohnerzahl (1861) zusammen 375,635 Seelen beträgt, worunter 310,519 Evangelische oder 82,6 °/o, 61,281 Katholiken oder 16,z °/o und 3835 Israeliten oder 1,i 0/0 sind, der Zuvrang zu den technischen Schulen somit auf Seiten der Israeliten am stärksten, bei dm Evangelischen und Katholiken gegenüber der Bevölkerungsziffer ziemlich normal ist. Anders in Bayern. Hier entfallen auf je 100 Katholiken der Bevölkerung 38,8 Protestanten und 1.7 Israeliten, dagegen auf je 100 katholische technische Schüler 103,9 protestantische und 11,6 israelitische. V. Homburg v. d. Höhe Wie Ihnen, sehr geehrter Herr Redacteur, seiner Zeit, über die Grundsteinlegung der hiesigen neuen Synagoge referirt wurde, so soll Ihnen heute auch über deren Vollendung berichtet werden. — Wie mahnend tritt hierbei der Gedanke der Veränderlichkeit und Vergänglichkeit alles Irdischen und aller irdischen Größe vor unsere Seele! Während der Grundstein unter landgräflichem Schutze gelegt wurde, reifte der Bau der Synagoge unter der Regierung Seiner königlichen Hoheit des Großherzogs von Hessen seiner Vollendung entgegen — während bei der Einweihung derselben ein Königlich preußischer Civil-Commiffär, (Herr Landrath von Briefen) fungirte! Doch, dem heiligen Zwecke, dem dieses Haus geweihet, schadet diese Mutabilität der zeitlichen Herrschergewalten nicht — dem König aller Könige werden ja Gotteshäuser gegründet, und dessen Reich ist ja ewig, und der wechselvolle Strom aller zeitlichen Erscheinungen mit seinen brausenden Wellen und Wogen bricht sich an dem unerschütterlichen Felsen Seiner Ewigkeit! Nach dieser kleinen Exkursion erlaube ich mir nun zur Sach» selbst überzugehen. Die feierliche Einweihung der Synagoge hatte Freitag, '2 p"rr^, (am 9. November) unter großer Betheiligung stattgefunden, und können wir nicht umhin, die Feier als eine recht gelungene und würdige zu bezeichnen, welche noch lange segensreiche Spuren in den Herzen der Theilnehmer zurücklaffen dürfte. Nachdem das Minchah-Gebet in der alten Synagoge vollendet, und .-11^ wv ebenfalls dortselbst recitirt war, wurden die heiligen Thora-Rollen aus der h. Lade genommen; und nachdem Herr Rabbiner Fromm eine kurze, aber tiefergreifende Abschiedsrede gehalten, bewegte sich der feierliche Zug zur neuen Synagoge. An der Thüre derselben angekommen, überreichte der den Bau aufführende Baumeister den Synagogenschlüffel dem Königlich Preuß. Herrn Civil - Commifsär v. Briefen, welcher den Schlüssel aus dessen Händen empfing und ihn dem Herrn Rabbiner mit folgender Anrede übergab: „Es freuet mich, daß es mir vergönnt ist, an solch' würdiger Feier Theil zu nehmen, und ihrer Gemeinde wie der Stadt und dem Lande die Versicherung ertheilen zur können, wie die Königliche Landesherrschast deren Wohl und Gedeihen stets zu fördern bereit sei, und bestehende Eigenthümlichkeiten möglichst schonen werde." Herr Rabbiner Fromm erwiderte ganz entsprechend, und hob unter anderem den Vergleich hervor, daß so wie 12 Stämme Israels treu bei einander gestanden hätten, aber doch einer, der Stamm Juda, als der größte und stärkste an die Spitze gestellt worden sei, so trete auch Preußen an die Spitze der deutschen Staaten. Nachdem die Synagoge hierauf geöffnet und der Eintritt in dieselbe erfolgt, wurden die im Programm angeführten Gesänge unter Begleitung von Musik recht hübsch vorgetragen, und die Umzüge innerhalb der Synagoge mit den heiligen Thora-Rollen vorgenom-