Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1866)
- Date
- 1866-12-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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626 gio n s gesellschast berathen oder beschließen; (Bravo!) 5) daß, abgesehen von der Inkompetenz, Andersgläubigen die erforderliche Kenntniß und Befähigung abgeht, über die Zweckmäßigkeit neuer Einrichtungen bei anderen Religionsgesellschaften zu urtheilen; endlich 6) daß es nach der im Ausschußberichte der verehrlicken zweiten Kammer enthaltenen Ansicht des Großherzoglichen Ministeriums des Inneren zweifelhaft ist , ob eine Aenderung des Wahlmodus in der von dem Herrn Antragsteller bezeichnten Weise den Wünschen der Mehrheit, insbesondere des gebildeteren Theiles der israelitischen Bevölkerung, entsprechen würde; hat der vierte Ausschuß die Ehre zu beantragen: Die Hobe Kammer möge dem Beschluß der verehrlichen zweiten Kammer nicht beitreten; dagegen ihre Ansicht in dieser Sache dahin aussprcchen, daß die Großherzogliche Regierung den an sie gebrachten begründeten Wünschen der Israeliten, unter Wahrung der etwa bestehenden Rechte, der korporativen Selbstständigkeit und der verfassungmaßigen Gewissensfreiheit möglichst Rechnung trage." *) Die erste Kammer ist diesem Anträge beigetreten. (Großer Beifall). Sehen Sie, meine Herren, so behandeln wir die religiöse Frage, so wollen wir auch die katholische Frage behandelt wissen, so werden wir die protestantische Kirchenfrage behandeln, und so hat die erste Kammer, so haben wir, so habe ich die israelitische Frage behandelt. Ich glaube, wenn ich von israelitischen Mitbürgern jetzt angehört werde, so müssen sie dieser Auffassung ihren Beifall zollen. (Bravo.) Das nenne ich Freiheit, das nenne ich Anerkennung der Rechte, das ist mehr als Wohlwollen. Wir sagen den Israeliten: Ordnet Eure Angelegenheiten selbst, wir haben nichts hinein zu reden. Und nun meine Herren, vernehmen Sie noch einmal, vielleicht mit gesteigertem Interesse, diese perfide Frage: „Wo bleibt sie israelitische Confession?" Sie bleibt frei und selbstständig, nach unserer Auffassung; sie wird majorisirt, lyrannisirt vom Fortschritt (Beifall). Und jetzt meine Herren, so wie ich, gerade so, das versichere ich Sie, denken alle Katholiken, die es in Wahrheit sind; denn uns Katholiken ist unsere Ueberzeugung so heilig, daß wir nicht dul¬ *) Anm. der Red.: Wir empfehlen diesen Satz ganz besonders den Landgemeinden des Rabbinats Darmstadt, daß sie ihn in der Landsberg'schen Angelegenheit benutzen; dieser Satz ist von der ganzen ersten Kammer adoptirt und wird von der hohen Regierung sicherlich berücksichtigt werden. den können, daß ein Anderer sie antastet; eben darum wollen wir auch keinesAnderen Ueberzeugung antasten. Wie leben in der That auch in Frieden mit unseren israelitischen Mitbürgern. ,78,2 20,o 1,4 61 „ 37 ,, 1§ 55 ,, 28 6,a „ 27,s „ 71,3 1,r 32,8 „ 64,8 2,4 „ 32« „ 65,s „ 4,» ,, 41,3 // 55,2 3,4 88,i ll.s ,, — 91,3 8,7 ,, — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Württemberg. (Statistisches.) Rach dem Glaubensbekenntnisse kommen in den Gelehrtenschulen auf je 100 Württembergs 1864 68,g Protest., 30,^Kathol.,0,7 Jsr. württ. Gelehrtensch Preußen preußische „ Bayern bayerische „ Baden badische „ Hannoveraner hannoveran. „ Wollte man aus diesen Ziffern ohne Weiteres einen Schluß auf die Studienlust der einzelnen Religionsgesellschaften ziehen und auf Grund derselben etwa folgern: die Israeliten benützen die Gelehrtenschulen am stärksten, hernach die Protestanten und am schwächsten die Katholiken, so würde dies im Allgemeinen eine trügerische Folgerung sein, wie wir sehen werden, da es eine der Aufgaben der Statistik ist, auch den äußeren Ursachen nachzuforschen, welche derlei scheinbar ungünstige Ergebnisse Hervorrufen. Den mächtigsten Einfluß auf die obigen Ziffern übt der Umstand aus, daß die katholische Bevölkerung in den erwähnten Ländern vorherrschend Landbevölkerung und überdies die relative Städtezahl höchst unbedeutend ist. So zählen Ober- und Niederbayern auf 573 Ouadratmeilen mit 1,355,329 Einwohnern, worunter nur 14,553 Protestanten (nach Ritter), zusammen bloß 33 Städte, dagegen 106 Flecken, 12.421 Dörfer und Weiler und 12,472 Höfe und einzelne Wohnsitze. Das württembergische Oberschwaben hat auf 66 Quadratmeilen 218,161 Einwohner, womnter 16,857 Protestanten — 7.? o/o und 1586 Israeliten — 0,? o/o, somit 91,6 o/o Katholiken; aber in den 15 Städten mit philologischen Lehranstalten (1 Gymnasium, 1 Lyceum und 13 Lateinschulen — ohne Ulm) wohnen 38,487 Menschen, worunter 30,458 Katholiken — 79/ "/», also um 12 o/o weniger als in Mittel. Noch deutlicher tritt das Verhältniß in den 7 Gymnasial- und 4 Lycealstävten hervor, die zusammen (Zählung von 1861) 159,148 Einwohner zählen, darunter 27,728 Katholiken und 206 / Israeliten; hienach besteht diese