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Der Israelit · 1866-12-12 · Heft 50 (12.12.1866) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 50 (12.12.1866)
Date
1866-12-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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825 heit sind. Und nun hören wir den Herrn Domcapitular selbst, er sagte: „Das zweite Unrecht welches die Mainzer Zeitung uns anthut, besteht darin, daß sie unsere Bestrebungen in der religiösen Frage entstellt. In unserem Programme, das wir veröffentlicht haben, und das ohne Zweifel in Ihrer Aller Händen ist, heißt es: „Ganz besonders sollen unsere Vertreter bei der in der nächsten Sitzung der Stände in Aussicht stehenden Regelung des Verhältnisses der Kirche zum Staat der Grundsätze wahrer Gerechtigkeit und wahrer Freisinnigkeit eingedenk sein." DaS ist doch ehrlich und deutlich gesprochen. Wir fahren in unserem Programme fort: Achtung jeder wahrhaft religiösen Ueberzeugung, Anerkennung der den christlich. Confessionen rechtmäßig zukommenden Selbstständigkeit, gesetzlichen Schutz der freien Entfaltung unseres religiöfenLebens! Nur auf diesen Grundlagen ist der Friede unserer Bevölkerung zu sichern, und nur wer diesen Frieden zu fördern bereit ist, soll unsere Stadt in der Kammer vertreten." Das war für Jeden verständlich. Liese Worte find eigentlich einer falschen Deutung gar nicht fähig. Und dennoch stellt die Mainzer Zeitung, wie Sie schon aus dem Munde meines verehrten Vorredners gehört haben, die Frage: Wo bleibt denn die jüdische Con fession? Ich könnte Antworten: Davon besonders zu reden, lag gar keine besondere Veranlassung vor, denn weder die Katholiken, noch Protestanten, weder der Fortschritt, noch was man Reaction nennt, legt der jüdischen Confession irgend etwas in den Weg. Und doch, meine Herrn, wir sagen ausdrücklich: „Achtung vor jeder wahrhaft religiösen Ueberzeugung, Ordnung des Verhältnisses der Confessionen nach den Grundsätzen wahrer Gerechtigkeit und wahrer Freisinnigkeit. — Daß wir unseren israelitischen Mitbürgern nicht zu nahe treten, daß wir sie nicht vergewaltigen wollen, daß wir ihnen dis freie Entwickelung ihres religiösen Lebens gönnen, dafür sprechen klar unsere Worte, ich bitte nur sie genau anzusehen;! aber dafür sprechen als ein Beweis der Wahrhaftigi keil unserer Worte auch unsere Handlungen. Wann,! meine Herren, frage ich Sie, wann wurden jemals in! unserer Stadt die Israeliten in der freien Gestaltung! ihres religiösen und konfessionellen Lebens behindert?! von wem ist das je geschehen? Es bestehen hier zwei israelitische Gemeinden, wir mischen uns in diese Differenz nicht ein, es find unsere Mitbürger, wir achten sie, wir hindern sie in Nichts. Doch, meine Herren, besser noch als mit solchen mehr allgemeinen Restexionen kann ich Ihnen durch eine einfache, schlagende Thalsache beweisen, wie wir die Selbstständigkeit und freie Entwickelung gerade der Israeliten verstehen. Es war im März 1863, da brachte ein Deputirter, Herr vr. Stockhausen, der zur Fortschrittspartei zählt, sin der zweiten Kammer der Stände den Antrag ein „über Bildung der Vorstände der israelitischen Religionsgemeinden." Keine israelitische Gemeinde des Landes hatte solch einen Wunsch kundgegeben, keiner ihrer Lehrer und Gemeindevorsteher irgend etwas Derartiges angedeutet: der fortschrittliche Herr Deputirte dachte in seinem Kopfe, er wolle einmal den Liberalismus an den israelitischen Religionsgemeindcn versuchen und nach seinen Ideen ihre Gemeinden^ stände ordnen und bilden. Er brachte also seinen Antrag ein. Natürlich, meine Herren, die Fortschrittsmajorität war gleich bereit, diesen „herrlichen" Vorschlag zu adoptiren, es war ja möglich, hier auf einem ganz neuen Gebiete thätig zu fein, hier Früchte auf einem Acker zu sammeln, der bisher unbebaut geblieben. Der Beschluß der zweiten Kammer kam nun — erschrecken Sie nicht, meine Herren — an die erste Kammer; — (Heiterkeit) es wurde ein Referent ernannt, — erschrecken Sie nicht noch mehr, meine Herrn, — dieser Referent gehörte zu der, wie man sagt, im Finstern schleichenden Partei (Heiterkeit), dieser Referent ist ein ganz wüthender sogenannter Ultramontaner, dieser Referent ist ein Mensch, — wenn er spricht, spricht er sogar vor Solchen, die seiner Meinung nicht sind, er scheut sich mcyt, gerade so zu sprechen, wie er denkt, aber die Mainzer Zeitung gibt zu verstehen, daß man seinen Wollen nicht trauen dürfe, und in der That — man kann ihm seine Gedanken nicht an der Nase ansehen (große Heiterkeit). Genug, meine Herren, dieser Referent war kein Anderer, als ich selbst (großer Beifall). Hören Sie nun, meine Herrn, mein Referat; es ist kurz, die erste Kammer hat es adopttrt, vernehmen Sie es, es wird Sie interessiren: In Anbetracht, 1) daß der im Anträge des Herrn vr. Stockhausen enthaltene Gegenstand eine durchaus israelitische Angelegenheit ist; (also den Herrn Stockhausen und uns andere Leute, uns Christen, nichts angeht,) (Bravo, Bravo!) 2) daß weder von einem Vorstande, noch von Mitgliedern einer israelitischen Gemeinde ein Wunsch oder Antrag auf Abänderung vorliegt; 3) daß es die Freiheit und Selbstständigkeit verletzt, wenn sich Private und Behörden unaufgefordert und ohne Noth in fremde Angelegenheiten einmisch en; (Bravo!) 4) daß es namentlich der verfassungsmäßig garantirten Gewissensfreiheit, sowie den Grundsätzen der Toleranz zuwider ist, wenn Personen anderen Glaubens über die Verfassung oder sonstige innere Angelegenheiten einer anderen Reli-

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