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Der Israelit · 1866-12-12 · Heft 50 (12.12.1866) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 50 (12.12.1866)
Date
1866-12-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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824 um eine wissenschaftliche Beilage vermehrt, um auch in dieser Beziehung den Gelehrten unseres Volkes Gelegenheit zu geben, sich auszusprechen, und um dadurch einen Mittelpunkt zu gewähren der gelehrten Forschung, dis für das orthodoxe Judenthum noch wichtiger ist als für jede andere Geistesrichtung. Die in den erwähnten Beilagen veröffentlichten gediegenen Aufsätze haben der Welt gezeigt, daß die Forschung nicht blich Praerogative einer d.'structiven Richtung ist, daß vielmehr die wahrhafte Aufklärung nur dazu dient, die Bekenner des echten Jadenthums zu kräftigen und zu stärken. . Es gereicht uns zur ganz besonderen Freude, daß uns von den verschiedensten Seiten und aus den entferntesten Gegenden sehr häufig berichtet wird, welch' großen Anklangs und welch' immer sich steigernder Theilnahme unsere Zeitschrift sich erfreut. In der That dürfen auch wir sowohl wie unsere unehrlichen Mitarbuter mit Befriedigung auf den Erfolg unserer Bemühungen blicken. Da ist kein Ereigniß von Wichtigkeit auf der weiten Erde, welches, wenn es unsere Glaubensgenossen betrifft, nicht in diesen Blättern verzeichnet wird, da sorgen gediegene Leitartikel für Anregung mrd Belehrung, ein interessantes Feuilleton bietet Unterhaltung und Erhebung, gediegene Correspondenzen besprechen die Zustände der Gemeinden und die Vorgänge innerhalb derselben, anregend zu thätiger Wirksamkeit, ermunternd zum treuen Festhalten an unfern Heiligthümern, zurückweiiend frivolen Leichtsinn und seichte Ueberhsbung. dem Bösen und Schlechten den verdient >n Tad.l, dem Guten und Edlen die gebührende Anerkennung bringend. So wird uns denn auch von allen Seiten die erfreuliche Versicherung ertheilt, daß der „Israelit" in jedem echtjüdischen Hause, in welches er Emgana gesunden, nicht allein gerngesehen, sondern allwöchentlich herbeigesehnt wird. Im unerschütterlichsten Vertrauen auf den Beistand unseres allmächtigen Vaters im Himmel und voll Zuversicht auf die sich stets steigernde Theilnahme unserer Glaubens- und Gesinnungsgenossen, die unsere Bemühungen zu würdigen wissen und die mit uns dieselben Ziele erstreben, sehen wir der zukommenden Zeit entgegen. Möge der Leserkreis unserer Zeitschrift sich stets erweitern und mögen die Erfolge ihrer Anstrengungen immer gottgesegnete sein. Ein hervorragender katholischer Geistlicher über die Gewistenssreiheit -er Israeliten. Mainz, den 9. December. Seit einigen Tagen herrscht in unserer Stadt eine große Aufregung; es handelt sich um die Wahl zweier Abgeordneter für die nächste Landtagsperiode. Früher standen sich bei ähnlichen Gelegenheiten nur zwei Parteien gegenüber: die conservative und die liberale (Fortschrittspartei). In Folge der jüngsten politischen Ereignisse hat sich die letztere gespalten, da die Einen, welche den Namen „Fortschrittspartei" beibehalten haben, den Anschluß an Preußen, resp. den norddeutschen Bund wollen, während die Anderen, welche sich „Demokraten" nennen, ein unabhängiges, freies Süddentschland erstreben. In Folge dieser Dreiteilung war die Wahlagitation eine ungemein lebhafte, und der Kampf der Parteien ein äußerst angestrengter. Die conseroative Partei, die auch die „Großdeutsche" genannt wird, hatte ein Programm erlassen, in welchem als eines ihrer Ziele „Anerkennung der den christlichen Confessionen rechtmäßig zukommenden Selbstständigkeit" hingestellt wurde. Dies hatte die „Mainzer Zeitung" zu der Frage veranlaßt: „Wo bleibt denn die jüdische Confession?" In Folge dessen hatte die conservative Partei eine Versammlung iw den „Frankfurter Hof" berufen, um sich in Bezug auf die „Entstellung" ihrer Bestrebungen in der religiösen Frage und in Bezug auf andere Angriffe Seitens der „Mainzer Zeitung," des Organs der Fortschrittspartei, zu rechtfertigen. Diese Versammlung fand Donnerstag, den 6. December, statt; der große Saal des Frankfurter Hof's, der Tausende von Menschen saßt, war ziemlich gefüllt. Der Hauptredner war Herr Domcapitular vr. Ehr. Moufang. Herr vr. M. ist eine in der katholischen Kirche hochgeachtete Autorität; er ist ein Mann von hoher Statur, dessen geistvolles Gesicht lange Silberlocken umrahmen. Seine glänzende Rede, die sehr oft von gewaltigen Beifallsstürmen unterbrochen wurde, machte einen tiefen und nachhaltigen Eindruck. Dieselbe liegt uns gegenwärtig, nach stenographischer Aufzeichnung gedruckt, vor. Wir veröffentlichen in Folgendem den unser Publikum interessirenden Passus. Wir veröffentlichen ihn namentlich deßhalb, um unfern Brüdern in andern Ländern, wo dieselben oftmals gegen die Intoleranz katholischer Geistlicher zu kämpfen haben, einen Anhaltspunkt zu geben; wir veröffentlichen ihn für unsere Brüder in solchen protestantischen Ländern, wo man z. B. die Inspektion der jüdischen Schulen dem Rabbiner entzogen hat, um sie dem evangelischen Geistlichen zu übertragen*). Da können vielleicht einmal unsere Leser mit dieser Nummer des Israelit vor die betreffende Behörde treten und sagen: Seht, so denkt, so urtheilt eine in der katholischen Kirche hochgeachtete Autorität und so denken nach eines solchen Mannes gewichtiger Versicherung alle Katholiken, die es in Wahr- *) Wir erinnern an die Vorgänge in Rakel und an die diesbezüglichen Bescheide der preußischen Behörden bis zum Mi» nisterium hinaus.

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