Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1866)
- Date
- 1866-12-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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811 Das Gebetbuch des Herrn Rabbiners vr. Aub wird in Nr. 40 des „B. CH." in unbarmherziger Weise verrissen. Was sagen Sie zu dieser musterhaften Partei-Disciplin? — Herr Fasset in Kanisa will aus deduckren, daß das Tragen eines Ehrenkreuzes riL'v rn 'O"p erlaubt sei; doch wird jeder Sachverständige leicht einsehen, daß diese Kreuz- und Querzüge des Hrn. F. wenig Gelehrsamkeit und noch weniger Wahrheitsliebe bekunden. In Wien, wo keine jüdische Gemeindeschule besteht, mehren sich die Privatinstitute von Tag zu Tag; — ein Beweis, wie wenig die katholischen Schulen die Ansprüche jüdischer Aeltern zu befriedigen geeignet sind. Am meisten ärgert sich hierüber der Vorsteher der sogenannten „ersten jüdischen Haupt- und Unterrealschule" in Wien. So kommt cs denn, daß der Redacteur Szanto, von dem Lehrer SzLnto inspirirt, einen fulminanten Artikel gegen diese neuen Anstalten schleudert und einen wahrhaften Kreuzzug gegen dieselben predigt. Er wünscht nämlich, daß die jüdische Jugend eher die katholischen Anstalten besuche, als die anstrebenden jüdischen Institute. Es scheint, daß Hr. Sz. Grund hat, die jüdische Concurrenz zu fürchten. — Bezeichnend ist's jedoch, wie Hr. Sz. die Vorsteher der neuen Institute mißcreditiren will Er bezeichnet nämlich selbe sammt und sonders als — ehemalige Mitarbeiter der Neuzeit! Gewiß, nur zu sehr compromittirend! Zn Papa, wo einst Löw als Rabbiner fungirte, wurde vor einigen Wochen gegen die Cholera ein erprobtes Mittelchen angewendet; man veranstaltete nämlich eine Trauung auf dem Friedhofe. Sie sehen, geehrter Herr Redacteur, Iss sxtrZmss ss touoksQt. Wohin uns noch Rabbi Löws Nihilismus und Reb Hillels Mysticismus führen wird, läßt sich nicht absehen. Pisek, 25. Oct. (Die Excesse in Sch litte nhofen. Fortsetzung.) Der Zeuge wird nun entlassen und der Angeklagte Kohout, ein stämmiger Bursche im Alter von 30 Jah ren, vorgeführt. Präs.: Als der Dechant unter der aufgeregten Menge erschien, schrieen Sie: Schlagt ihn todt, was braucht er gegen die Christen zu predigen und es mit den Juden zu halten. — Angekl.: Der Dechant kam, als schon geschossen worden war, und um die Zeit war ich gar nicht mehr in der Stadt. Präs. : Sie sollen an demselben Tage auch den Dechant mißhandelt haben. — Angekl., Was ich nicht Alles gethan haben soll! Die Aussage des Schüttenhofener Dechanten wird nun vorgelesen. Dieselbe lautet. Am Sonntage vor der Abhaltung des Jahrmarktes hat mich der amtirende Gemeinderath ersucht, von der Kanzel herab den Eltern und Meistern einzuschärfen, daß sie den Kindern und Lehrlingen das Pfeifen und „Stribrorufen" strengstens verbieten. Ich that dies, aber meine Weisung wurde sehr mißliebig ausgenommen; es hieß allgemein: „der Dechant hält es mit den Juden." Am Jahrmarktstage hatte ich Gäste bei mir, bei denen ich Nachmittags bei Tische saß. Das Menschengewoge unter meinem Fenster wurde immer größer, der Lärm steigerte sich, die Gährung griff immer weiter um sich, und endlich hörten wir Schüsse fallen und sahen dann die Gendarmen sich zurückziehen. Die weltliche Gewalt hat keine Macht mehr, jetzt beginnt dein Amt , geistlicher Hirte, sagte ich mir. und beschloß, unter die Menge zu gehen und es mit ihr mit Worten der Liebe und Milde zu versuchen. Kenntlich machte mich der geistliche Kragen, eine andere Amtstracht anzulegen, ließ der kritische Moment nicht räthlich scheinen. Ich trat vor die Hausthüre und wurde gleich von einem tobenden Haufen umringt. Die Einen schrien: Schlagt ihn todt, er hält es mit den Juden; die Anderen wieder suchten mich zu schützen. Ich aber ließ mich nicht abschrecken und erhob mehrmals meine stimme, die sich indeß in dem betäubenden Lärm verlor. Ich erhielt dann einen Schlag über den Rücken, den ich in der Aufregung kaum beachtete und weiter zu sprechen suchte; da erhielt ich einen zweiten heftigen Schlag, der mir fast die Besinnung raubte. Ich wurde hierauf, ich weiß nicht wie, in die Dechantei hinemgeschoben, die ich nicht mehr verlassen konnte, weil meine kranke Mutter in Folge der Aufregung dem Tode nahe war. Mein geschwollener Rücken hatte mir dann noch Tage laug Schmerzen bereitet. Der Zeuge Wejslaz, ein Handwerker, der viel von seinen Verdiensten um die Kirche und den Dechant zu reden weiß, behauptet ganz entschieden, Kohout habe die Worte: „Schlagt ihn todt, er hält es mit den Juden," geschrien. Kohout (erbittert): Dieser scheinheilige Mensch hat ja selbst geschrien, und will's auf mich jetzt schieben. Ich war um jene Zeit gar nicht mehr in Schüttenhofen. Alle zusammen sind verlogene Zeugen, ich allein sage die Wahrheit und will's augenblicklich beschwören. Staatsanwalt: Da Sie beschuldigt sind, Ihren Seelenhirten mißhandelt zu haben, so können Sie nicht zum Eide zugelassen werden. — Angekl.: Warum nicht? Ich habe eine feine Erziehung genossen, und bin in Religion und Sitten wohl bewandert. Josef Bayer, genannt Fejczik, ein raffinirter Bursche, wird in den Saal geführt. (Es ist bereits finster geworden und die Lichter werden angezündet.) Der Angeklagte, der des Aufruhrs, des Raubes, der öffentlichen Gewaltthatigkeit und des Diebstahls