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Der Israelit · 1866-12-05 · Heft 49 (5.12.1866) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 49 (5.12.1866)
Date
1866-12-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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810 Redner der israelitischen Gemeinde Schriesheim für das große Opfer, welches dieselbe in allen ihren Mitgliedern für das heutige Fest gebracht habe; eö ist auch wirklich der Eifer und Opfersinn, womit diese verhältnißmäßig kleine israelitische Gemeinde dieses Fest verherrlichte, rühmend anzuerkennen; besonders muß heroorgehoben werden der Name des hiesigen Israeliten Marx Opvcnheimer I., welcher die leitende Seele des Festes war. — Der hochw. Rabbiner dankte auch den chrl, Konfessionsangehörigcn für die freudige Theilnahme an dem Feste und für ihre Mühen zur Verherrlichung desselben. Besonders war es sehr erfreulich, daß auch die beiden christlichen Confessionspfarrer und Lehrer an dem Felle Antheil nahmen, was ein schönes Zeichen der Religionstoleranz unserer Zeit ist. Erst nach 12 Uhr war die Feier zu Ende. Dtürrster (Westphalcn). Herr Oberrabbiner Sutro von hier hat folgende Zuschrift erhalten: „Die von Ihnen an daS Königliche Staats-Ministerium gerichteten Vorstellungen vom 18. September v. Js. und vom 10. Januar d. Js., in welchen Sie die Anstellung eines Ober-Rabbiners für jede Provinz und eines Ober-Landes-Rabbiners in Berlin vorgeschlagen haben, sind zu Ihrer Bescheidung an uns abgegeben worden. Indem wir Sie unter Rückgabe der Anlagen hiervon benachrichtigen, eröffnen wir Ihnen, daß Ihrem Vorschläge keine Folge gegeben werden kann." Berlin, den 4. Mai 1866. Der Minister der geistlichen, Unterrichtsdes Innern, und Medicinal - Angelegenheiten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Wien erhalten wir das Verzeichniß der vor dem Feinde gefallenen jüdischen Soldaten. Dieses Verzeichniß scheint nach unserer Ansicht durchaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen zu können, da alle Namen der Gefallenen ausschließlich schon an und für sich unzweifelhaft den jüdischen Charakter tragen als Abraham, Moses, David, Jtzig, Jonas und so weiter, so daß wir annehmen, dieses Register sei ein Auszug auö den Gesamuüverlustlisten der Regimenter. Wie groß die Anzahl der Gefallenen ist, können wir aus dieser Liste auch nicht mit Bestimmtheit angeben. Nur eins wollen wir hervorheben, daß diese Verlustliste nachweist, daß in der Schlacht bei Königgrätz vom Regimente Gras Gondrecourt allein 56 Söhne JudaS ihr Blut für das Vaterland vergossen haben. Möge Oesterreich das auf dem Altäre des Vaterlandes von seinen jüdischen Unterthanen vergossene Blut zü schätzen wissen. v ArrS der Schütt, Ende November. Wenn ich in jüngster Zeit meiner Correspöndentenpfiicht minder pünktlich nachgekommen, so bedarf dies leider kaum einer ernsten Entschuldigung. — Den traurigen Ereignissen gegenüber, die seit einigen Monaten über einen großen Theil Europas verheerend und vernichtend hereinbrachen, scheinen selbst solche Themata, die zu einem sonstigen Zeitpunkte nach gewisser Richtung hin einige Bedeutung haben, so verschwindend winzig zu sein, daß man sich gleichsam eingeschüchtert fühlte, mit der Erörterung derselben vor die Oeffentlichkeit zu treten. Krieg, Cholera, Hungersnoth sind die Drei im Bunde, die uns leider in so empfindlicher Weise herrngesucht uud alle unsere geistigen und physischen Kräfte nachhaltig lahm gelegt. — Doch zur Sache. In Raab werden gegenwärtig von Seiten einiger einflußreicher orthodoxer Gemeindemitglieder die größten Anstrengungen gemacht, die Verlegung des Wochenmarktes von Samstag auf Freitag zu erwirken. Läßt sich die destruktive Einwirkung eines sabbatlichen Wochenmarktes auf das religiöse Leben unserer Glaubensgenossen im Allgemeinen nicht in Abrede stellen, so ist dies in benannter Gemeinde doppelt der Fall. — Bei der commerziellen Bedeutung dieses Platzes macht der hier die glänzendsten Geschäfte. — Nicht bloS der permanente r>2V , sondern die allmähliche Auflösung des GemeindeverbandeS muß leider als das traurige Ergebniß des Sabbatmarktes bezeichnet werden, indem es diesem Umstande allein zu vindiciren ist, wenn die ansehnliche und bemittelte Gemeinde zu Raab noch immer keinen angemessenen Tempel besitzt. — Wozu denn auch ein solcher, wenn er nicht seiner eigentlichen Bestimmung gemäß benützt werden soll! — Es wäre übrigens schon an der Zeit, daß die israelitischen Gemeinden Ungarns, ja Oesterreichs behufs Lösung dieser in das jüdische Leben so tief einschneidenden Frage mit vereinter Kraft aufträlen. Bei vereinzeltem Einschreiten geschieht es gar oft, daß hier etwas mit eiserner Consequenz verweigert wird, was an einem andern Orte ohne viele leere Debatten bewilligt wurde, indem Astes auf die individuelle Auffassung, resp. Laune der betreffenden Bürger ankommt. Es muß der Knoten ein für allemal durchgehauen und der Grundsatz zur Geltung gebracht werden, wonach im sozial-bürgerlichen Leben auch die jüdische Religion die ihr^gebührends Berücksichtigung finde, wo dann auch die Marktfrage prinzipiell gelöst seist würde. — Dies könnte auch dann geschehen, wenn die politisch e Emancipation der Juden noch einige Decennien auf sich warten ließe. vvosm Emancipation k Die 19 Landtage Oesterreichs sind am 19. d. M. eröffnet worden; Werden diese auch Zeit gewinnen, der Ju den frage einige Zeit züzuwenden?!

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