Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1866)
- Date
- 1866-12-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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LOS That nicht worin denn diese Erhöhung der Steuern bestehen soll und sind der Meinung, daß es unnöthig sei« dürfte, dieser Behörde grundlose Vorwürfe zu wachen, wo es so vielen gerechten Tadel gibt und wo eS den Gemeinden an jeglicher Autonomie gebricht, um gegen Rabbinen ä 1a Dr. Landsberg einschreiten und dem Verfall aller religiösen Anstalten kräftig entgegentreten zu können. Weiter findet der bescheidene Fragesteller einen Mangel der Gleichstellung darin, daß den Rabbinen die Führung der Civilstandsregister und die Inspektion über israelitische Schulen noch nicht zustehe. Wir finden auch hierin keine O2k-r rnddro, denn der Anfragende vergißt, daß jeder Ort einen Rabbinen haben müßte, um die Register und Lokalinspcction von diesem führen lassen zu können und daß schon seit 1806 der erste israelitische Vorsteher, an Rabbinatssitzen also der Rabbiner, und an anderen der Vorsänger die Geburts-, Todes- und Eheregister ex oEoro zu führen Hai, und nur das Familienregister vom christlichen Geistlichen geführt wird und daß endlich die Regierung damit umgeht, die Standesregifter nur von Civilbeamten für alle Confessionen ohne Unterschied führen zu lassen, wobei eS den Kirchengemeinden anheimgestellt bleibt, auf ihre Kosten solche Register zu führen, wenn sie deren zu religiösen Zwecken bedürfen. Die Schulinspection kann ohnehin von den 12 Rabbinen aus lokalen und persönlichen Gründen nicht geführt werden und die Aussicht über die besonderen und die mit Elementarschulen verbundenen Religionsschulen steht ja den Rabbinen langst schon zu. Sie mögen nur darin ihrer Pflicht Nachkommen und für echt jüdischen Religionsunterricht Sorge tragen und diesen selber geben, wo er ihnen obliegt. Auch hat ja neuerdings die Gesetzgebung die evangelischen Dekane l er Bezirksschulinspection großen^ tbeils enthoben und besondere Inspektionen für die Schulen bestellt und damit die Trennung der Schule von der Kirche in ihrem weltlichen Theile mindestens vorbereitet. Am wenigsten ist die Klage begründet, daß die „israelitischen Geistlichen" es stillschweigend mit ansehen müßten, wie auf Kosten der israelitischen Gemeinden judenverachtende Schulbücher für jüdische Schulen angkschafst würden. Als Rabbiner und als Mitglieder der Örtsschulbehörde haben der Rabbiner und die Vorsteher das Recht und die Pflicht der Einsprache, wenn solche Unbill zur Ausführung kommen wollte und die liberalen Oberschulbehörden, «och weniger das Kultmknisterium, duldeten nicht die Einführung solcher Bücher in israelitischen Schulen. Auch könnte die Vermittlung der israelitischen Oberkirchenbehörde angerufen werden, die Mwiß nicht versagt werden und nickst ohne Wirkung seju würde. Außerdem härmt jede Ausgabe der israelitischest Gemeinde von der Decretur des israelitischen Kirchenvorsteheramts ab, das so viel Charakter haben wird, keine Bücher anzuschaffen, von denen der Rabbiner oder israelitischer Lehrer ihm gesagt und gezeigt hat, daß sie die Juden als Wucherer und Betrüger verächtlich machen wollen. Darum O'vDN Schrie-Hetm (Baden), 17. Nov. Heute beging die hiesige israel. Gemeinde ein sehr schönes Fest; dasselbe galt der Einweihung einer neuen Thora, welche von dem vortrefflichen Thoraschreiber zu Daierthal G. Levi Sohn in allen Theilen korrekt auSgeführt worden war. Um 10 Uhr bewegte sich der Zug langsam und feierlich vom israelitischen Schulhause unter Vorspielung der Musik des städtischen Orchesters zu Heidelberg, Friedrich Häßncr und H. Kröber, durch die reich beflaggten und bekränzten Straßen zur Synagoge. Die Thora, vor welcher die Festjungsraucn einhergingen, wurde unter einem Baldachine getragen, eingehüllt in eine herrliche, mit einer goldenen Krone verzierten rothen Sammetmappe, welche in golddurchwirkten Buchstaben in hebräischer Sprache die Widmung enthielt, nämlich eine Stiftung der israelitischen Frauen Schriesheims und der Filiale Dossenheim. Bei der Einweihung der Thora war der hebräische Choral ergreifend und der deutsche erbauend. Die Gesänge wurden eingeübt und geleitet von dem hiesigen israelitischen Lehrer S. Reichenberger, welcher schon 18 Jahre die hiesige ReligionSlehrerstelle besorgt. Derselbe legte, unter Mitwirkung seines Sohnes A. Reichenberger, Lehrer zu Jöhlingen, der als Vorsänger Vortreffliches leistete, im Allgemeinen eine außerordentliche Fertigkeit in seinem Amte an den Tag. — Nach der Einweihung der Thora und dem Gebet für den Landesfürfteu, bestieg der hochw. Bez. Rabbiner L. Ettlinger die Kanzel und setzte in einem längeren, wohldurchdachten Vortrag die Bedeutung des Festes auseinander. Die Synagoge war ganz überfüllt mit Theilnehmern von Nah und Fern, auch die beiden chrl. Konfessionen waren zahlreich vertreten. Der Redner, welcher die Worte des Psalmisten zum Dorspruch gegenommen hat: „Das ist der Tag. den der Herr gemacht hat; lasset uns frohlocken und fröhlich sein Ihm" Pslm. 0X V11I, 24, — entwickelte den Gedanken, daß nur allein die Religion und das Festhalten an den Geboten Gottes eine wahre Freude, nämlich die Seelenfrcude zu verschaffen im Stande seien; Reichthum, Ehre und Genuß könnten den Menschen nicht glücklich machen, sondern der Glaube an die hl. Thora und die Befolgung derselben, welche Gott dem israelitischen Volke schon vor mehr als 3000 Jahren durch Moses auf Sinai gegeben hätte; und daß die Thora wirklich Gottes Wort sei, beweise der Umstand, daß trotz aller Stürme dieselbe bis auf den heutigen Tag noch unverletzt in der Ursprache bestehe; Gottes Wort bleibt ewig. Auch berührte der Redner den religiösen Fanatismus, welcher nur eine Folge der Unwissenheit sei; würden die Menschen eine Religion die sie hassen und verfolgen, genau kennen, so würden sie dieselbe sicherlich achten und ehren. Zum Schlüsse dankte der