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Der Israelit · 1866-12-05 · Heft 49 (5.12.1866) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 49 (5.12.1866)
Date
1866-12-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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808 „Es geziemt uns wohl für die englische Regierung zu beten; sind wir derselben doch noch großen Dank schuldig für ihre Unterstützung in Damaskus und Marocko." Herr vr. Loewe recitirte alsdann den Psalm 150 und als die letzten Worte (Alles Athmende möge Gott loben") seinen Lippen entklangen, nahm ein Chor junger Studirender diese letzten Worte auf und sang, begleitet von Instrumental-Musik, viele der schönen Gesänge Zions. In Verbindung mit den interessanten Ereignissen dieses Tages übergab ich 100 L. Sterling, um dieselben an die Armen der Sephardim zu vertheilen, und 100 L. für die Armen der Aschkenasim. Abends versammelte sich eine große Menge Glaubensgenossen vor meinem Hause und brachte dort schöne Transparente an, in welchen Schriftverse mit den Namen ihrer Woblthäter abwechselnd daraeftellt waren. Unter diesen Namen bemerkte ich mit Vergnügen die Worte lUovtsüors," als den Namen meiner theuren und sehr beklagten Gattin. Den Nest des Abends verbrachte ich mit der Besichtigung der statistischen Notizen, die ich mir verschafft hatte, um mich bei der Verkeilung der Summen zu wohlthätigen Zwecken darnach zu richten. Während des Vormittags desselben Tages war ich auch noch damit beschäftigt, den Wittwen und Waisen derjenigen, die durch die Cholera gefallen, einige Unterstützungen zukommen zu lassen. Die Einzelnheiten eines jeden Falles ließ ich notiren. Wie tief das Gefühl für Wohlthätigkeit in den Herzen selbst der Armen unserer Gemeinden im heiligen Lande wurzelt, das ist schon oft bemerkt worden. Mir war es jedoch vergönnt, im Laufe jenes Vormittags einige schlagende Beweisder Richtigkeit dieser Wahrnehmung selbst zu erfahren, und ich kann nicht umhin, einige derselben hier zu erwähnen. Zwei j mgc Waisenkinder traten zu mir ein. Ihr schönes und gesundes Aussehen erregte meine Aufmerksamkeit. „Wer sorgt für Euch und in wessen Hause lebt ihr?" fragte ich. Sie antworteten: „Wir wohnen bei Herrn Jakob Aron Kalischer und werden von chm versorgt." Ich erkundigte mich nach ihm, wer er sei; meine Voraussetzung, daß er in günstigen Vermögensoerhältnisfen lebe, war durchaus unbegründet, da ich erfuhr, daß er in der That ein sehr armer Mann sei. Er war ein Tüncher, dessen Handwerk nur zur Zeit des Pessachfestes lucrativ ist, wo ein jeder jüdische Einwohner sein Haus von Grund auf reinigen und übertünchen läßt. Während der ganzen sonstigen Jahreszeit gibt es nur sehr wenig für ihn zu thun. Da ich begierig war, diesen wohlthätigen Mann kennen zu lernen, so ließ ich ihn zu mir rufen. Er kam. Seine Erscheinung war trotz seiner Armuth keineswegs eine ärmliche, er schien im Gegentheil recht zufrieden und glücklich zn sein, als wen« er über Indiens Schätze zu gebieten hätte. „Sind diese zwei Waisen unter Ihrer Aufsicht und verpflegen Sie dieselben?" Er erwlederte lächelnd: „Ja." „Haben Sie auch eigene Kinder?" „Ja, sieben." „Warum haben Sie sich also mit der Erhaltung dieser zwei Waisen noch Last gemacht?" Ec Antwortete: „Ihre Eltern waren meine nächsten Nachbarn und als ich die Kinder vater- und mutterlos sah, so schien es mir Pflicht zu sein, sie zu beschützen und sie meine Wohnung mit meinen eigenen Kindern theilen zu lasten. G. s. D, sie sind wohl und gesund, sie haben Theil an meiner und meiner Kinder Kost, wenn wir solche haben, und hungern mit uns, wenn wir dieselbe entbehren müssen." — Darauf wurde eine Wittwe bei mir eingeführl, die ebenfalls in sehr bedrückten Umstanden lebte. Auch sie hatte zwei Waisen in ihre Pflege genommen. Später wurde noch ein anderer Mann vorgeführt, der sich ebenfalls verschiedener Waisen angenommen hatte. Sicherlich werden diese edlen Charactere, die selbst die Aermften unserer Gemeinde zu Jerusalem auszeichnen, dieselben unserer Bewunderung, Sympathie und unseres Beistandes würdig machen. Kaum hatten die erwähnten Personen uns verlassen, als unsere Kawaste die Ankunft der Schüler der „Simon Edlen von Lämels Stiftung" meldeten. Es waren dieses 40 Schüler, die von ihrem Lehrer begleitet waren. Ihre Erscheinung und ihr Aeußeres machten mir viel Vergnügen; in dieser Beziehung können sie sich würdig mit jedem europäischen Institute messen. Sie sangen einige recht nette Gesänge und erzählten mir die Art und Weise ihres Studiums. Ich übergab einem jeden von ihnen ein kleines Geschenk und ermahnte sie, ihrer Religion und den auf Sinai gegebenen Gesetzen treu zu bleiben, dankbar gegen ihre Woblthäter zu sein und durch Fleiß und gutes Betragen sich deren Zufriedenheit zu erwerben. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart. Der „Beobachter" Nr. 276 enthalt von „einem Freunde des Rechts" etliche „bescheidene Anfragen" darüber, warum die israelitische Öberkirchenbehörde nichts unternehme, um das Emancipationsgesetz vom August 1664 zur Ausführung zu bringen, und meint, das wäre doch wohl keine Gleichstellung, wenn die Leistungen der Gemeinden, die ohnehin die schweren Kultuslasten zu tragen hätten, zu erhöhen gesucht würden. Wir wüßten aber iu der

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