Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1866)
- Date
- 1866-12-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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VII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 49 des Israelit. Leitender Artikel. Der Gericht Sir Moses Montefiore's «der seine Reise in das heilige Land. (Fortsetzung.) Montag, den 9. April, erwiederte ich die Besuche des Chacham Baschi und der Consularbeamten. Ebenso kam ich bei dem protestantischen Bischof, Dr. Gobat vor. — Die neue Synagoge, genannt „Chorbath Rabbi Jehuda Hachaisid", ist ein sehr schönes Gebäude. Als wir auf dem Oelberge standen, konnten wir bemerken, daß ihre Kuppe! alle Häuser des Judenviertels überragte. Dem Baucomitä gebührt alle Anerkennung für die geschmackvollen und entsprechenden Einrichtungen dieses Gotteshauses. Obschon die Summen, aus denen dieses Gebäude errichtet wurde, in kleinen Beträgen und in großen Zwischenräumen herbeigeschafft werden mußten, gelang es dennoch der Energie und der Geduld dieser Männer, ihr gottgefälliges Werk zur Vollendung zu bringen. Es gereichte mir zur großen Freude, daß ich den Firman, der die Erlaubniß zur Errichtung dieses Gebäudes enthielt — vom Sultan eigenhändig dem Gönnte überreichen, und ebenfalls im Namen Anderer beträchtliche SummtN zum Bau dieser Synagoge überschicken konnte. Bei der jetzigen Gelegenheit war es mir wiederum gestattet, dieser Synagoge eine silberne Verzierung für eine Sefer Thora (w-op '^2), ein Geschenk des Herrn Aron Siloermann aus Birmingbam, überdringkn zu können. Ich hatte die Genugtbünug, diesen Schmuck eigenbändig einer Thorarolle in dem heiligen Gebäude aufsetzen zu können. Die Synagoge der Volhynischcn Gemeinde wird ebenfalls, wenn sie vollendet fern wird, ein schönes Gebäude werden. In Verbindung mit dieser Synagoge wird errichtet: eine Halle zu größeren Versammlungen, ein Borlisezimnier, ein Bibliothrksraum, das Bureau des Secretärs und ein öffentliches Bad. Das Krankenhaus, das vor 25 Jahren von mir errichtet wurde, leistete während der Cholera große Dienste, indem es Hunderte mit den benöthigten Medikamenten versah. Es ist dieses Laboratorium vollständig geordnet, wie es nur eine europäische Apotheke sein kann. Zu meiner größten Befriedigung vernahm ich, daß ein Jüngling aus Jerusalem sich in demselben zum Apotheker ausbildete und seinen Beruf zur allgemeinen Befriedigung versieht. Das Hank, das unlängst von dem Verein „Bickur Cholim" errichtet wurde, ist noch nicht ganz vollendet. Den Mitgliedern dieses Vereins gebührt alle Anerkennung. Sie unterstützen die Armen bei Krankheiten, versehen dieselben mit den nöthigen Mitteln und suchen die Leiden der Unglücklichen durch die innigste! Theilnahme zu mildern.! Die vielen erfahrenen Leute, die ich zu Rathe zog, waren sämmtlich der Meinung, daß man für die Armen nichts Besseres thun könne, als wenn mau! noch mehr Armenwohnungen errichte. Ich habe daher zu diesem Zwecke in der Nähe der Touro-Armen-! Häuser noch weitere Grundstücke angekauft. Montag, den 9. April, halte ich dazu bestimmt,! den Grundstein zu den neuen Gebäuden zu legen, die! durch die Mittel des Unterstützungssonds für das i heilige Land errichtet werden sollen.! Als die bestimmte Zeit zur Versenkung des Grund- " steins herankam, war der Platz schon von Tausenden! von Menschen besetzt, die dieser Csremonie anwohnen! wollten.! Herr Dr. Loews begab sich voraus an Ort und! Stelle, uni die nöthigen Vorbereitungen zu treffen; bald darauf ging auch ich, begleitet von Herrn und! Frau Sebag und Vielen unserer Freunde dorthin. Bei! meiner Ankunft rvmds ich von den sämmtlichen Re-! Präsentanten der Gemeinden empfangen und die Lust erdröhnte vor den Rufen hi LLO g-^2 (Geseg-! net sei, der da kommt im Namen des Ewigen) Nach! einer kurzen Parüe begann Herr Or. Loewe, dem der religiöse Theil der Ceremonie übertragen worden, mit der Necitotion der Gebete, dis Vers für Vers von der großen Versammlung wiederholt wurden. Nach Beendigung de? 24. Psalms verlas derselbe die Auf-! schrist der Nolle, die in die Höhlung des Grundsteins! gelegt werden sollte Dieselbe wurde später von mir, Herrn und Frau Sebag und vielen anderen Freun- ' den unterzeichne^. Während die Gemeinde die diesbe-! züglichcn Schrislverse recitirte, legte ich die Nolls in! den Grundstein, um denselben unter den gebräuchlichen! Formalitäten zu versenken. Herr vr. Loewe verrich-! tete alsdann ein Gebet, das er selbst versaßt hatte, in welchen! er den Segen des Himmels für die zu errichtenden Gebäude, sowie für alle diejenigen, die zur Errichtung dieser Gebäude beisteuern, erflehte. Auch verrichtete derselbe besondere Gebete für Seine kaiserliche Majestät den Sultan Abd-ul-Aziz und die türkische Regierung, für unsere gnädige Königin, den Prinzen und die Prinzessin von Wales, den Gouverneur von Jerusalem und die Consuln. Ich erachte es für meine freudige Pflicht, zu erwähnen, daß viele der Anwesenden höchlich erfreut waren, als sie das Gebet hörten, das für Englands geliebte Königin verrichtet wurde; die Juden Jerusalems äußerten sich: