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Der Israelit · 1866-12-05 · Heft 49 (5.12.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 49 (5.12.1866)
Date
1866-12-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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805 nen. Der Präsident des Consistoriums, Herr Oppenheim, hielt eine englische Anrede an den Lord-Mayor. Dieser erwiederte dieselbe mit Thronen in den Augen und mit großer Rührung, indem er sagte, daß er durch das Verfahren des Consistoriums sich noch am allermeisten geschmeichelt fühle, daß er stets der mosaischen Religion treu geblieben sei, und daß, wenn er, um Lord-Mayor zu werden, seinen religiösen Meinungen nur im Geringsten zuwider hätte handeln sollen, er lieber auf diese Würde verzichtet hätte. (A. I.) K l e i n a s i e n. Damaskus. Dem Organ der englischen Mission „Jewish Jrttelligence" wird von hier geschrieben: Die jüdische Bevölkerung dahier nimmt immer mehr zu; man schätzt dieselbe auf 8 — 9000 Seelen. Die wohlhabendsten und reichsten Kaufleuto und Banquiers sind Juden; sehr wenige nur leben m gedrückten Verhältnissen. Mit Ausnahme weniger polnischer Familien, sind sie sämmtlich arabische Juden, und ihre gewöhnliche Umgangssprache ist die arabische; jedoch verstehen sie Alle Hebräisch. „Ich habe Hunderte gesprochen und nicht einen einzigen gefunden, der nicht diese heilige Sprache verstand. Mit Ausnahme einiger weniger rabbinischer Schulen wo Hebräisch und Rabbinisch gelehrt wird, sind sie Juden ohne alle Erziehungsmittel. Die französische Schule ist eingegangen, und der Lehrer nach Frankreich zurückgekehrt. Die Schüler, welche diese Anstalt besuchten, konnten den Stand derselben nicht lucrativ genug machen, nm einen französischen Lehrer und eine Lehrerin zu besolden. Eine Freischule würde bald mit Kindern der niederen und mittleren Klaffe bevölkert sein. Die Frage wurde oft genug an uns gerichtet: „Warum schicken Sie uns keine Missionäre, um Schulen für unsere Kinder zu errichten?" Sie waren entzückt, als sie hörten, daß das Comitö beschlossen habe, eine Mission unter sie zu schicken." (Unsere Leser wissen bereits, was von solchen Berichten, die im Organe der englischen Seelenhändler, der „Jewish Intelligence" veröffentlicht werden, zu glauben ist und was nicht. Red. d. Jsr.) Feuilleton. Die Sühne. (Nach einer alten hebräischen Handschrift.) (Fortsetzung.) V. Es war vollständig Nacht geworden, da Rvuben das Haus seines bisherigen WohlthäterS verließ; gerade hinter ihm wurden die Thore der alten, freien Reichsstadt geschlossen. Es war ein düsterer, unfreundlicher Abend; ein heftiger, wenn auch warmer Regen machte den Aufenthalt im Freien höchst unangenehm. Röuben fühlte den Regen rücht; in seinem jungen Herzen stürmte es zu laut, als daß er für äußere Eindrücke empfänglich gewesen wäre. Mehr noch als die trüben Aussichten für die Zukunft, quälte ihn das Bewußtsein von denen, die er geliebt hatte, verachtet, von ihnen für einen Verbrecher, für einen undankbaren, ehrlosen Menschen gehalten zu werden. Erschöpft setzte er sich endlich, nachdem er lange in die Nacht hinausgewandert war, an das Ufer der Pegnitz. „Wie, wenn ich mich in den Fluß stürzte," sprach es in ihm, „wenn man dann meine Leiche ausfinden und in das Haus Rabbi Bezalels tragen würde, dann würde er erkennen, wie unrecht er mir gethan bat, dann würde sich die Verachtung in Mitleid und Reue verwandeln.Warum soll ich noch weiter leben in Elend und Noch? Vater und Mutter habe ich nicht gekannt, Geschwister hatte ich nie, aus dem Vaterhaus wurde ich durch falsche Beschuldigungen in den Kerker getrieben, und jetzt raubt mir ein ebenso grundloser Verdacht meine zweite Heimath! O, das zweite Unglück ist noch größer denn das erste; damals waren es die Feinde unseres Stammes und unseres Glaubens, die uns verfolgten, — diesmal ist es mein Glaubensgenosse, mein zweiter Vater, der mir so wehe gethan. Damals stand der geliebte Großvater mir zur Seite, und jetzt bin ich allein, so ganz allein, von aller Welt verlassen und allein! .... Was zögerst du, Röuben, ein Sprung in das nasse Grab, und alle Leiden sind auf ewig zu Ende!" Schon machte er sich bereit zu dem entscheidenden Sprunge, da war es ihm, wie wenn die ehrwürdige Gestalt seines Großvaters plötzlich vor ihm auftauchte aus dem Dunkel. „Großvater, Großvater, rufst du deinen unglücklichen Enkel?" Und plötzlich erinnerte er sich lebhaft der letzten Worte seines Großvaters: „Sei stark und fest, daß du stets Gottes Gebote beobachtest und ausharrest voll Muth und Gottvertrauen selbst in den größten Leiden. Laß Verzweiflung nicht Raum gewinnen in deinem Herzen. Diese Welt gleichet der Nacht, die künftige dem Hellen, freundlichen Tage!" — „Ja," sprach Röubew, „ich will ausharren, ich will auf Gott vertrauen!" Und da er sich abwandte vom Flusse, richtete er seinen Blick nach Osten. Der Regen hatte aufgehört zu fließen, der Wind hatte die Wolken verjagt, und die aufsteigende Morgenröthe vergoldete die Pforten des Ostens. Röuben hatte noch niemals den Sonnenaufgang gesehen; entzückt hing sein Auge an der

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