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Der Israelit · 1866-12-05 · Heft 49 (5.12.1866) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 49 (5.12.1866)
Date
1866-12-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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801 nicht in's Leben gerufen. Ten jungen Leuten, die sich dein Ralbinate widmen wollen, wird das Studium in unsagbarer Weise erschwert, bis sie die Universität erreichen, und dort sind sie lediglich sich selbst überlasten, sind all den unendlich vielen Gefahren ausgesetzt, die den Studirenden bedrohen. Daher kömmt es, daß so viele junge Leute, welche von frommen Eltern erzogen, von gottcsfürchtigen Rabbinen unterrichtet wurden, auf der Universität so vielfach verdorben werden. Im Vergleich damit ist manchmal das Breslauer Seminar vorzuziehen, da doch die jungen Leute dort nach Frankels Muster zugeschnitzt und dadurch vor der extremen Richtung behütet werden. Große Männer, Wohlthäter der Juden und des Judenthums werden aus dem Breslauer Seminar nicht hervorgehen (auch nicht große Verderber und Zerstörer), — wenn aber wir, wenn unsere Partei ein Seminar gründen wollte, in welchem die echte, rechte Begeisterung vorherrschte, wo das ernste, auf ,->2v7i und nicht auf historische Kritik zielende Studium walten möchte — was könnten da für Männer herangebildet werden, Männer, die auf Jahrhunderte hinaus dem Judenthume zum Segen gereichen könnten! Kann man es ermessen, was ein aufrichtig strebender Jehudi werth ist, was er wirkt durch Beispiel, durch Lehre, durch Ermunterung, wenn seine Absicht eine reine ist, sein persönliches Wünschen und Hoffen sich stets dem von Gott Borgtschriebenen untcrordnet? Geht nur, um nur ein Beispiel anzuführen, nach Würzburg und schaut euch nach den Erfolgen des dortigen Rabbinen um! W>r sprachen oben von anno 30; um jene Zeit war es, daß von Bayern her das Signal zum Umsturz gegeben wurde: Stein in Burgknnstadt Löwy in Fürth, Rosinfclder in Vcrnberg, Aub in Bayreuth re. re. Seitdem Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger in Würzburg fungirt, rst es mit einem Male anders geworden. Bayern, welches in jüdischer Beziehung das extremste Land in Deutschland werden zu wollen schien, ist das frömmste, das gottesrürä tigste geblieben. Und das haben wir dem reinen Willen, dem edlen Streben eines einzigen Mannes zu verdanken, der als Mensch, als Jude, als Gelehrter gleich groß,ist, der eine ungeheure Thatkrast entwickelt, sobald cs sich um Dinge handelt, die unsre heilige Religion betreffen; der aus die ihm coordinirten Amtsaenosstn, ans die ihm unterstehenden Lehrer, aus Gemeinden und Private mit gleich segensreichem Erfolge einwirkt und durch seine bedeutenden, dem nothwcndigsten praktischen Bedürfnisse angepaßten Werke diese Wirksamkeit auf die weitesten Kreise ausdehnt. Warum werden nicht Rabbinerschulen errichtet, die im Geiste unserer großen Männer bilden und herauziehen? Es ist einmal uothweudig geworden, daß der Rabbiner auch profan-gelehrtes Wissen besitze — warum nehmen wir nicht selbst die Sache in die Hand und ordnen und sichten und beaufsichtigen und erziehen, um das Gute zu geben und vor dem Gifte zu behüten? Warum überläßt man nun schon solange die Jugend bei ihren profanen Studien sich selber? Es herrscht leider eine Zerfahrenheit und Zerrissenheit in den religiösen Zuständen der Gegenwart, die das Gemeinnützige nicht aufkommen läßt; es ist eben eine Zeit, die der rechten Männer wartet, daß sie bildend und formend und schaffend an die Spitze treten, um der Zukunft die rechte Gestaltung zu geben. Wollen wir für die Zukunft das Gute und Wahre, das wir aus der Vergangenheit überkommen haben, festhalten und weiterpflanzen, Essen wir unausgesetzt thätig sein, rastlos arbeiten mit nimmer erschlaffender Thatkrast. Der Verzweifelnde gibt sich und seine Sache verloren, der Seufzende und Jammernde bekundet nur die eigene Unfähigkeit, der thallos Hoffende wiegt sich in täuschungsvolle Träume, denen ein schreckliches Erwachen folgen kann, nur der kraftvoll Thäiige, Wirkende, Strebende ist beglückt durch 2 flichterftilluug, und gelangt er auch nicht zum Ziele, so Hilst er doch den Nachstrebenden d-e P^ade ebenen. Um mit etwas Trostreichem zu schließen, wollen wir noch einen Blick auf die neuerstandenen oder erstehenden jüdischen Lehrerbildungsanstalten werfen. An den traurig.n Erscheinungen der Gegenwart tragen viele jüdische Lehrer, dis sich zu Trägern Geiger'scher und Philnpson'scher Anschauungsweise machten, viel Schuld. Lurch einen tüchtig gebildeten, der Religion der Väter treu anhangenden Lehrerstand würden die Schäden der Gegenwart bald gebessert, ihre Wunden bald geheilt werden können. Daher ist das Würzburger Lehrerseminar nicht hoch genug zu erheben; b-.reils hat cs, trotz seiner großen Jugend, eine Anzahl Lehrer ihrer segensvollen Wirksamkeit zugesühi t — was wird cs erst nach einer Reihe von Jahren geleistet haben! Möge die Opferwilligkeit unserer Glaubensgenossen dieser hochwichtigen Anstalt eine immer gedeihlichere Entfaltung ermöglichen! Wie diese Blätter berichteten, gehen drei Nabbinen der preußischen Nheinprovinz ebenfalls mit dem Plane um, eine auf religiösen Grundlagen beruhende Pflanzstätte für jüdische Lehrer zu gründen. Mögen diese vortrefflichen Männer sich nicht beirren lassen durch die Schwierigkeiten, die sich ihnen entgegenthürmen, durch Böswilligkeit, die, wie immer, das Gute und Heilvolle zu Hintertreiben bemüht ist. Die Gründung einer solchen Anstalt ist wohl des angestrengtesten Kampfes werth; der Erfolg wird um so herrlicher sein, jemehr Mühe die Erringung verursacht hat — nur nicht erschlaffen, nur nicht matt die Hände sinken lasten! Es handelt sich ja um die höchsten Güter unseres Volkes, um die religiöse Zukunft der kommenden Geschlechter; denn wie wir ringen und kämpfen um das Höchste, so müssen wir es ermöglichen, daß

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