Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1866)
- Date
- 1866-11-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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793 anderen Kinder, die bereits im Begriffe waren, Handwerke zu erlernen. Zu den Touro-Armenhäusern gehören zwei Synagogen, eine für Sephardim, die ich bereits besucht hatte und die andere für Aschkenasim, in welcher ich an jenem Samstag das Gebet verrichtete. Auf meinem Wege zu dieser Synagoge begegnete uns eine junge Frau mit einem großen Buch in der Hand. Aus meine Frage, sagte die Frau, es sei dies ein hebräisches Psalmbuch mit verschiedenen Commentaricn alter Autoritäten, die in jüdisch-deutscher Sprache gedruckt waren. Ich ersuchte die Frau mir etwavon dem Texte nebst den Commentarien vorzulesen, was sie auch mit der größten Geläufigkeit that. Ueberhaupt hatte ich oft Gelegenheit, die Geschicklichkeit vieler Frauen in unserer Gemeinde zu Jerusalem zu bewundern und zwar nicht allein in weiblicher Handarbeit und in den vielseitigen Pflichten des Haushaltes, sondern auch in ausgedehnter Kenntniß des Hebräischen. Bei einer Gelegenheit wurde ich von einer Mutter zweier oder dreier Kinder um Unterstützung angesprochen und zu meinem größten Erstaunen sprach die Frau sowohl mit Herrn vr. Loewe als auch mit mir Hebräisch in der elegantesten und geläufigsten Weise. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, daß die Betreffende eine Portugiesin von Geburt, aber die Wittwe eines Deutschen, des Chacham Rabbi Esriel Kohen, sei, der unlängst gestorben ist, und die Frau in den drückendsten Umständen hinterlassen hat. Zwischenheirathen von Sephardim und Aschkenasim sind, ich bin so glücklich es sagen zu können, nichts Seltenes mehr im heiligen Lande. Abends, eine kurze Zeit nach dem Gebete, bewegte sich eine große Anzahl von Personen, die vom Jaffathor herkam und Lichter und Musik bei sich führte, meiner Wohnung zu, um dieselbe zu illuminiren. Da jedoch mein Gemüth immer noch so niedergeschlagen war, konnte ich eine io freudige Demonstration nicht annehmen. Herr Selig Hausdorf, der an der Spitze der Prozession stand, versicherte mich, daß es die einzige Absicht der Anwesenden sei, durch dieses Verfahren zu bezeugen, in welch' dankbarem Andenken sie die edlen Wohlthäter, die ich vertrat, stets hätten. Obschon ich zu der beabsichtigte» Illumination meine Einwilligung nicht geben konnte, so empfing ich doch den Besuch meiner gütigen Freunde mit dem größte« Vergnügen. Sie recitirten «ns Psalmen und pvvtische Compositionen, und ich erfuhr später durch die Unterhaltung mit ihnen manche- Nützliche für das Wohl ihrer Gemeinden. Sonntag Morgen, am 6. April richtete ich meine Schritte nach dem Oelberge, weil ich dort einige Documente ungestört prüfen wollte. Ich verließ meine Wohnung in früher Stunde, begleitet von meinem Reisegefährten vr. Loewe. Auf unserem Wege zum Damaskus - Thore passirten wir die Höhle Jirmijahus, die Gräber der Könige und gingen weiter zum Bab el-Asbat (nisv«.-i ->pv). Wir durchschritten alsdann das Thal Kidron und langten endlich an dem Oelberge an, nach dessen höchstem Gipfel wir unsere Schritte lenkten. Von hier aus hatten wir eine schöne Aussicht auf das Tobte Meer und auf die wilde Scenerie der Gebirge MoabS. Nachdem wir hier eine Weile gestanden hatten, stiegen wir wieder zu Fuß abwärts und hielten unter einem großen Baume an. Von hier hatten wir ebenfalls eine schöne Aussicht auf die Moschee-el-Omar — den heiligen Platz, auf dem früher der Tempel gestanden — und blieben hier zwei Stunden lang, beschäftigt mit der Prüfung und Betrachtung der Dokumente und Pläne, die ich mitgebracht hatte. Wir gingen alsdann den Berg hinab, bis wir in das Thal Jehoschafat kamen. Hier begegnete uns Chasin, der Scheich des Dorfes Seluan, der uns von den Leiden der Juden während der letzten Choleroepidemie erzählte, und zeigte uns die noch frischen Gräber — ein höchst betrübender Anblick — während ein anderer Scheich uns von den vielen Beispielen heroischen Edelmuths er zählte, den die Israeliten während der letzten Epidemie an den Tag gelegt hatten. Jener Scheich, der zufälligerweise einigen Grundbesitz neben dem Begräbnißplatze hat, erwartet noch Geschenke von den Juden, die den Friedhof besuchen. Früher begingen dieser sowohl als auch ein anderer Scheich große Ausschreitungen gegen die Leichen, wenn ihre habsüchtigen Wünsche nicht befriedigt wurden; jetzt jedoch ist, Dank der türkischen Regierung, dieser Barbarei ein Ende gemacht. Ich setzte meine Wanderungen im Thals Jehoschafat fort, hörte hier und da die Mittheilnngen der arabischen Scheichs an und kehrte gegen Abend, um manche nützliche Erfahrung bereichert, in meine Wohnung zurück. Gegen Abend kehrten auch die Boten, d e ich nach Safed geschickt hatte, zurück und brachten mir in Briefen die erfreuliche Nachricht, daß die ehrwürdigen Herren'Samuel Helir und Samuel Abu freundlichst meinem Wunsche entsprechen würden und mich baldmöglichst besuchen wollten. Meine Absicht, eine Zusammenkunft mit diesen Herren zu bewerkstelligen, war die, mir Klarheit zu verschaffen über den verläumderischen Bericht des angeblichen österreichischen Consuls zu Safed, welcher durch die Monatsschrift „Oovä v7orüs", herausgegeben von dem Kaplan Macleod, sehr verbreitet worden war. Dieser Bericht war nichts Gsr«gerereS als eine directe Anklage gegen die geistigen Häupter der Gemeinde zu Safed, als hätte» sie eine spanische Jüdin einen Tag vor Ankunft des Vr. Macleod zum Tode verurtheile» lassen. Wohl hatte ich Hcho» sehr befriedigende Wider-