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Der Israelit · 1866-11-28 · Heft 48 (28.11.1866) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 48 (28.11.1866)
Date
1866-11-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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790 Als auch Reuben es verneinte, begann ein eifriges Suchen — umsonst, der Ring blieb verschwunden. „Einer von euch," sagte Rabbi Bezalel endlich mit zitternder Stimme, „muß den Ring haben; es ist außer uns Dreien Niemand in dieses Zimmer gekommen!" „„Herr,"" sprach Ebjathar da,„„wir Beide, Reuben und ich, sind zu verschiedenen Zeilen allein im Zimmer gewesen. Laßt unserer Beider Sachen untersuchen; denn es ist allerdings nicht denkbar, daß ein Anderer den Ring genommen haben kann."" Die beiden jungen Leute schliefen in einer Kammeer, dort standen die Kisten, die ihre Habseligkeiten enthielten. Rabbi Bezalel untersuchte die Kisten, ohne das Geringste zu finden; auch in dem Bette Ebjathars fand sich nichts vor; als man aber das Bett Röubens aus der Lade nahm, da wurden auf dem Boden derselben fünf Goldstücke gefunden, die in das Holz eingeklemmt waren. „Wie kommen diese Goldstücke in dein Bett?" fragte Bezalel den Knaben mit vor Wuth zitternder Stimme. „„Ich weiß eS nicht, ich weiß es, so wahr Gott lebt, nicht!"" entgegnete Rsuben weinend. „Du Schlange," rief Rabbi Bezalel, außer sich vor Wuth, „du Schlange, die ich an meinem Busen genährt habe! Du hast das Gold gestohlen und eS hier verborgen. Das ist das Gold, das ich schon lange vermisse — du hast eS genommen." „„Nicht doch, Rabbi Bezalel, ich habe es nicht genommen; ich weiß nicht, wie es dahin kömmt!"" „Was, soll dir etwa Jemand einen Schatz gebracht haben ohne dein Wissen? Hältst du mich für solch einen Thoren, das zu glauben? Du, und kein Anderer, nur du hast auch den Ring genommen. Gib mir den Ring wieder!" Bei diesen Worten sprang Rabbi Bezalel mit geballter Faust auf RLuben zu. Umsonst betheuerte Reuben unter lautem Schluchzen seine Unschuld, umsonst umschlang er Rabbi Bezalels Knie, umsonst beschwor er ihn beim Andenken seines Großvaters. — Rabbi Bezalel bestand darauf, Reuben gefangen setzen und ihm durch die Tortur das Geständniß erpressen zu lasten, wo er den kostbaren Ring verborgen halte. Rauben schauderte bei dem Gedanken an die gräßlichen Folterqualen; in herzzerreißender Weise bat er seinen bisherigen Wohlthäter ihn lieber gleich tödten zu lasten; allein dieser befahl Ebjathar, einen Stadtknecht zu holen. Da kam Sarah zur Thüre herein. Sie hatte das laute Jammern Räubens vernommen und war herbeigeeilt, zu hören, was vorgehe. „Der schurkische Knabe hat mir Gold gestohlen und es in seinem Bette verborgen; nun hat er auch einen kostbaren Ring genommen, der nicht einmal mir gehört!" ries ihr Rabbi Bezalel entgegen. Rauben schaute seine ehemalige Gespielin mit einem stehenden Blicke an. „„Vater!"" rief Sarah, „„Vater, ich glaube es nicht. O, sei nicht so heftig; es wird sich noch Alles ausklären."" „Was weißt du davon?" schrie Rabbi Bezalel seine Tochter an. „Geh, Ebjathar, und hole den Stadtknecht!" Ebjathar ging an die Thür; aber Sarah trat ihm in den Weg. „ „Vater,"" rief sie , „„bedenke, was du thust. O, nur das nicht, nur der Folter setze ihn nicht aus!"" „So soll er mir sagen, wo er den Ring hat; dann mag er gehen, wohin er will!" „„Rabbi Bezalel,"" betheuerte Rsuben, „„ich habe den Ring nicht genommen; auch das Gold habe ich nicht genommen. Bei dem Andenken meines Großvaters schwöre ich es — ich bin unschuldig. Habe ich jemals Anlaß dazu gegeben, daß man mir ein so schweres Verbrechen, so schwarzen Undank gegen meinen Wohlthäter schuld geben könnte?"" „Nun gut." sprach Rabbi Bezalel, „um deines Großvaters willen, der ein Jugendfreund meines Vaters gewesen, will ich dich nicht der Tortur aussetzen; allein du verlässest sofort mein Haus." „„Vater, geliebter Vater!<" ries Sarah laut weinend und sich vor ihrem Vater neben Rsuben niederwerfend, „„sei nicht so hart. Wohin soll er sich wenden, wenn du ihn vertreibst? O, nimm dein strenges Wort wieder zurück!"" „Laß es gut sein, Sarah," sagte Rsuben mit von Thränen erstickter Stimme; „ich könnte doch nicht fürder Wohlthaten annehmen von einem Manne, der mich solcher Vergehen schuldig hält. Lebt wohl, Rabbi Bezalel! Habt Dank für all das Gute, das ihr mir erwiesen, und möge euch Gott die Sünde verzeihen, die ihr jetzt auf euch ladet. Lebe wohl, Ebjathar — und du, Sarah, glaube nicht an meine Schuld und bewahre mir ein freundliches Andenken!" Weinend verließ er das Haus. Weinend rief ihm Sarah nach, er möge umkehren, sie würde den Vater erbitten. Mit schadenfrohem, triumphirenbem Blicke sah ihn Ebjathar scheiden; er war es gewesen, der das Gold gestohlen und im Bette Reubens verborgen hatte; sein teufliscker Plan war nur zu gut gelungen: Rsuben hatte Rabbi Bezalels Haus verlassen, hatte ihm das Feld räumen müssen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Vellage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le R ou x'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellprefsendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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