Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1866)
- Date
- 1866-11-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 47 des Israelit. Leitende Artikel. Frankfurter Griefe von Z. m. Es ist eine geraume Zeit bereits her, daß ich mich mit Dir, geneigter Leser, unterhalten habe, und nehme ich mit Freuden die langunterbrochene Correspondenz auf. Die tief eingreifenden, welterschütkernden Ereignisse des vergangenen Sommers haben die Bewegungen, die in unserer Gemeinde zu regen sich begannen, natürlicherweise in den Hintergrund gedrängt. Doch steht zu hoffen, daß in Bälde eine gänzliche Umgestaltung unserer Gemeindeverhältniffe sich vollziehen wird. — Eine begonnene Mortarageschichte macht hier viel von sich reden. R. M., der Sohn einer angesehenen Familie, Zögling eines Instituts in dem nahen Friederichsdorf, war hier zu Besuch bei seinen Eltern. Plötzlich wird der 14jährige M. vermißt. Man erinnert sich, daß er öfter in der ultrakatholischen Familie W. verkehrte, dorthin wendet man sich um Aufschluß über dies plötzliche Verschwinden des Knaben; man will bei W. zuerst von nichts wissen, doch endlich rückt man mit der Wahrheit heraus. Der Knabe, welcher Aeußerungen gemacht haben soll, zumChristenthume überzutreten, sei von der Frau Wmit Geld versehen worden, um nach Cöln zu reisen, wo für seine Aufnahme in ein benachbartes Kloster schon Alles bereit sei. Natürlich haben die Eltern nichts Eiligeres zu thun, als nach Cöln an Verwandte zu telegraphiren, das entwichene Söhnchen am Bahnhof in Empfang zu nehmen. Solches geschieht, und der auch zum Empfang herbeigeeilte Priester muß ohne seine Menschenbeute abziehen. Dies der kurze Sachverhalt. Wie lange wollen noch Eltern sorglos ihre Kinder jedem Beliebigen zur Erziehung übergeben, wie lange nicht sorgfältig den Umgang ihrer Kinder bewachen! Mögen sie nicht warten, bis die Folgen ihrer Nachlässigkeit ihnen über den Kopf wachsen! — Nachdem , eine jüdische illustrirte Zeitung in Wien nach kurzem Dasein dm Weg alles Fleisches gegangen, ist eine neue in Hamburg entstanden. Nr. 1 der „Laubhütte" liegt vor mir, wird sie eine längere Lebensdauer, wird sie eine frischere Kraft sich bewahren, als ihre Wiener Vorgängerin? Sehr erwünscht wäre ein solch' illustrirtes Organ, dqs es verstände, in Bild und Wort religiösen Sinn in jüdischen Kreisen zu wecken, das es verstände, in anmuthiger Rede Bilder der großen Mschm Vergangenheit zu entxpllen, um in die Gegenwart das Licht des echten jüdischen Geistes zu tragen. Es würde uns deshalb sehr freuen, wenn die „Laubhütte" diese hohe und heilige Aufgabe lösen würde, und weil wir so sehr das Gedeihen dieses neuen Blattes wünschen, darum werden wir um so wmiger mit dem zurückhalten, was wir an demselben gebessert zu sehen wünschen. Wenn in unserer Zeit Blätter bald nach ihrem Erscheinen spurlos verschwinden, so mögen sie es sich nur selbst zuschreiben, solche Blätter kränkelten an Unentschiedenheit. Ein jüdisches Blatt kann in unserer Zeit nicht unparteiisch sein, darum wird die „Laubhütte", will sie wirklich ein jüdisches Blatt sein, einen Satz aus ihrem Programme streichen muffen: „sie soll durch ihre Reichhaltigkeit in Wort und Bild jedem Geschmacks, jedem berechtigten Interesse Rechnung zu tragen bemüht sein;" wer jedem Geschmacke Rechnung tragm will, befriedigt keinen Geschmack, der verdirbt es mit Allen. Diesem Programme nach trägt nun allerdings die erste Nummer den Anstrich der Unentschiedenheit, die Jedem genügen will; so ist in „Mose auf dem Nebo " einerseits der Mose ganz nach der Auffassung des Midrasch gezeichnet, andererseits befremdet es uns sehr, wenn wir lesen, „seine Sprache ist allenthalben tief einschneidend, wie ein Schwert" oder „die ganze Gluth seiner inneren Erregung, die ganze Bitterkeit seines Urtheils gießt er in seinen gottbegeisterten Reden aus". Vergesse man doch nicht, daß die Reden Mosis, die wir lesen, gar nicht seine Worte, daß es vielmehr die Worte Gottes sind. Jedem andern Propheten stand die Wahl der Worte frei, nicht Moses. Ganz unjüdisch ist auch der Gedanke, daß an Moses, indem er sterben mußte, „auch an ihm sich erfüllte der ewige Fluch der Menschheit"; Gott bewahre! daß wir den Tod als einen Fluch ansehen sollten, hatte ja einer unserer bedeutendsten Talmudlehrer Ln seinem Handexemplar des Pentateuch zur Stelle: „Und Gott sah, daß Alles, was er erschaffen, sehr gut sei," angemerkt, damit sei der Tod gemeint. Wiederum muß es uns befremden, wenn in einer jüdischen Zeitschrift der volle unnennbare Gottesname ausgeschrieben, und es einem alten Rabbiner in den Mund gelegt wird, daß er ihn auch so ausgesprochen habe (S. 3). Höchst undeutlich ist auch jene Stelle: ein junger Mann will sich einer Liebe wegen taufen lassen, sein Lehrer macht ihm Vorstellungen darüber, und bemerkt ihm, daß er somit Verrath an seinen Brüdern übe; doch der junge Mann meint, als Christ unter den Christen könne er seinen Brüdern mehr nützen, denn als Jude. Rein, entgegnete der Rabbi, seine Brüder könnten chm nicht mehr trauen. — „Du wärest schlim-