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Der Israelit · 1866-11-21 · Heft 47 (21.11.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 47 (21.11.1866)
Date
1866-11-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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773 Diese Gesellschaft hat ihren eigenen Arzt mitgebracht. Auch ist sie mit allen möglichen Ackergeräthen reichlich versehen und sehen die kräftigen Männergestalten gerade so aus, als wenn sie geeignet wären, zur Regenaratiou des Anbaues unseres Vaterlandes einen guten Grund zu legen. Möge der Allgütige es diesen wackeren Männern gelingen lasten, ihr schönes Ziel zu erreich n, möge ihr Händewerk gesegnet sein und das theure Vaterland den Fleiß seiner Söhne reichlich lohnen. (Libanon.) Ae nsalcm. Der „Orient", eine erst seit kurzer Zeit zu Brüssel erscheinende Zeitschrift, läßt sich Folgendes schreiben: „Palästina, an der Verbindung dreier Continente gelegen, ist der Schlüssel Asiens; sowohl seitens des Orients als des Occidents nimmt es eine centrale Stellung ein; dieselbe Lage gebührt ihm zwischen den Ländern des Nordens und Südens; kein anderes Land der Erde kann ihm in dieser Beziehung verglichen werden. Welche europäische Macht könnte sich in dessen Besitz setzen, ohne sich seitens der anderen Mächte die langwierigsten und blutigsten Kriege zuzuziehen? Indessen wäre doch eine Lösung möglich, die sich trotz der Rivalitäten und Revolutionen, die die Völker Europas in Athem halten, vorbereiten könnte. Diese schließliche Lösung der orientalischen Frage würde sich am Besten dadurch bewerkstelligen lassen, wenn man dem israelit. Volke sein Land Palästina wieder zugängig machte. Ziehe man das Nationalitätsprincip doch in Betracht, das in unseren Tagen so sehr in Anschlag kommen soll, bedenke man die isolirte Stellung des jüdischen Volkes in der Welt, das schon seit Jahrtausenden unter fremden Völkern lebt, ohne in ihnen aufgegangen zu sein; studire man den neuen Zustand der Israeliten wahrend ver jüngsten 70 Jahre, stelle man sich ihre Emancipation vor, ihre Reichthümer, ihren Einfluß in der Handelswelt, in der Industrie und den Ministerien der Regierungen, und man wird die Ueberzeugung gewinnen, daß sich etwas Großes zu Gunsten des jüdischen Volkes vorbereitet. Die Rückkehr der Israeliten in das heilige Land läßt sich von zwei verschiedenen Standpunkten aus betrachten: dem religiösen nämlich und dem politischen, die ich Ihnen in einer Reihe von Briefen auseinandersetzen werde, wenn Sie mir dazu den Raum ihres geschätzten Journals verwilligen wollten. Es existiren verschiedene Texte zahlreicher Stellen der heiligen Schriften, die nicht allein die Rückkehr der zwei Stämme, die seit der Zerstörung Jerusalems durch Titus das Land verlassen haben, vorausgesagt, sondern auch diejenige der anderen zehn Stämme Israels, deren zahlreiche Nachkommen heute noch in Afrika, Persien, Indien und selbst in China leben. Das israelitische Volk und die arabischen oder ismaelitischen Völkerschaften, welche sich mit Recht die ältesten Nationen der Welt nennen können, sind durch die Vorsehung erhalten worden, während die anderen Völker, bei denen sie in Gefangenschaft lebten, von der Bühne der Welt verschwunden find. — Wir können dessen sicher sein, die Bestimmungen dieser beiden Nationalitäten, so einzig und mysteriös in ihrer Art, werden in der Zukunft noch größer sein, als sie eS in der Vergangenheit waren, und man muß auf die Israeliten und Araber zählen, wenn man die Frage deS Orients, die so obscur und unlösbar erscheint, ihrer endlichen Lösung entgegenführen will." Francis Vercruyffs. Wenn wir diese in einem christlichen Blatte ausgesprochenen Ideen hier wiedergeben, so ist damit keineswegs gesagt, daß wir die Ansichten des Verfassers, die so viel Wahres enthalten, in jeder Beziehung theilen. und verweisen wir auf unsere diesbezüglichen Ansichten, die wir schon öfters in diesen Blättern ausgesprochen haben. (Red. des Jsr.) Feuilleton. Die Sühne. (Nach einer alten hebräischen Handschrift.) „Röuben, mein Kind, ich kann nicht weiter! —" „„Geliebter Großvater, setze dich auf den Rasen; vielleicht kömmt ein Wagen des Weges gefahren; dort blicken schon die Thürme der Stadt hervor; sie kann höchstens noch eine halbe Stunde entfernt sein."" „Und was wird diese Stadt uns bringen?" svrach seufzend Elasar, in dem er sich auf den Rasen setzte. „Ach, es ist meine Vaterstadt, die ich dereinst als Jüngling voll Hoffnung und Lebensmuts» verließ. Ich habe nicht gedacht, sie als todtmüder Greis wiederzusehen!" „„Vielleicht finden wir in deiner Vaterstadt ein Asyl."" „Vergebliche Hoffnung! Wie viele Städte haben wir schon durchzogen! In Nickolsburg vertröstete man uns auf Prag, in Prag auf Bamberg, in Bamberg auf Anspach, in Anspach auf Nürnberg. Nirgendwo wollte man den heimathlosen Greis behalten .... ach, unsere armen Stammesgenossen leben überall in Elend und Noth. Dir hat man mehr als einmal ein Unterkommen angeboren — du gutes Kind wolltest aber den armen, alten Mann nicht allein weiter wandern lassen. Gott vergelte es dir, mein Sohn. Habe nur noch ein wenig Geduld, ich werde nicht lange mehr deinem Unterkommen im Wege sein!" — „„Großvater, du thust mir wehe! So lange ich dich habe, will ich ja nichts Anderes als bei dir sein."" Man hörte das Rasseln eines Wagens. Röuben sprang auf und lief dem Wagen entgegen. Es war das Gefährt eines Nürnberger Patriciers, der behäbig auf einer großen, mit Decken belegten Kiste saß.

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