Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1866)
- Date
- 1866-11-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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771 worden, ihre Theilnehmer hatten keine Accreditive vorzulegen; — und die Umgestaltung des Münster'schen Seminars, von dem „kein Stein auf dem andern bleiben sollte'' — das sind die Worte des Herrn Cohn von Sobernheim — bleibt erst abzuwarten. Doch hat dieses Alles mit dem neu zu errichtenden Seminar in Rheinland nichts zu schaffen. Wenn der Norden zwei Seminare in Berlin und Breslau unterhält, warum nicht auch der Süden in Münster und Cöln? Und legt man dem Einen nichts in den Weg, warum soll dem Andern durch Vergewaltigung und Reform-Fanatismus der Untergang geschworen werden? Die beiden Gründer vr. Schwarz und vr. Feilchenfeld — Oberrabbiner Bodenheim konnte der Sitzung nicht beiwohnen — haben sich, vielleicht ohne Absicht, vor Schluß der Debatte entfernt — durch Vermeidung des ersten Errors wäre ihnen jedoch der zweite erspart worden. Die Lehre mögen sie aber zu ihrer Beruhigung mit nach Hause genommen haben: gemeinnützige oder gar religiöse Institute werden nicht durch Monstre - Versammlungen oder Meetings — die für den politischen Eclat ganz praktisch sein mögen — in's Leben gerufen, denn am Ende werden die Stimmen doch gewogen aber nicht gezählt, und Saaten, welche bei'm Wüthen der Stürme und Orkane gestreut wurden, verwehen, und fallen nie auf befruchtenden Boden; zuletzt aber obsieget das Gute und Wahre -r- Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. lH München, 12. November. (Statistisches.) Von den gegenwärtig auf der ganzen Erde lebenden ca. 0 Millionen Israeliten wohnen die Hälfte in Europa. In Rußland allein beträgt die Zahl derselben 1,300,000; m Oesterreich befinden sich 000,000; in Preußen und dem übrigen Deutschland 346,000. Frankreich zählt 80,000, Großbrittanien 42,600. In Sachsen wohnen NM etwa 1200 Israeliten; die wenigsten in Schweden undNorwegen. In Syrien und der asiatischen Türkei leben 520,000, in Marokko und Nordafrika 610,000 und in Amerika 250,000. lm München, 14. November. Se. Majestät der König haben sich allergnädigst bewogen gefunden, unterm 23. Sept. dem kaiserl. mexikanischen Consul Jonas von Hirsch in München die Bewilligung zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Maj. dem Kaiser von Mexiko ihm verliehenen Guadalupe- Ordens zu ertheilen. (Herr I. v. H. ist zum Commandeur des erwähnten Ordens ernannt worden.) Merlin, 8. November. Der Minister der geistlichen u s. w. Angelegenheiten hat, in amtlicher Weise, dem Vorstände der hiesigen jüdischen Gemeinde von der am nächsten Sonntage zu begehenden gottesdienstlichen Feier mit dem Bemerken Kenntniß gegeben, daß die Synagogen dieselbe gleichfalls zu begehen haben. Es ist dies das erste Mal, daß in dieser Weise von der jüdischen Religions-Gesellschaft amtlich Notitz genommen wird. sEs ist dieses Vorgehen jedenfalls nur billig; stehen und fallen doch die jüdischen Wehrleute mit den christlichen in Reih' und Glied. — Red. der Köln. Ztg.j Oesterreichischer Kaiserstaat. PLfek, 24. Oct. (Die Excesfe in Schütte nhofen. Fortsetzung.) Der Entlastungszeuge Mathias Dekan erzählt viel zu Gunsten des Angekagten, und weiß über alle Umstände genauen Bescheid. Staatsanwalt: Sind Ihnen diese Umstände aus eigener Anschauung bekannt? — Zeuge: Freilich, ich war ja überall dabei. Staatsanwalt: Aber sie haben sich entfernt, als die Behörde das Volk zum Aaseinandergehen aufgefordert hatte? Zeuge: Bewahre, ich bin überall dabei geblieben. Staatsanwalt: Auf Grund dieser Angabe beantrage ich gegen Mathias Dekan die Untersuchung einzuleiten. Der Gerichtshof schließt sich dem Anträge des Staatsanwalts an. Das gleiche Schicksal trifft noch zwei andere Entlastungszeugen, welche bestürzt den Saal verlassen. Der Gendarm Appel ist der letzte in dieser Sitzung vorgerufene Zeuge. Er selbst war es, von dem Salansky zur Entfernung aufgefordert wurde, mit den Worten: „Sie sind Soldat gewesen und wissen, was so was zu bedeuten hat." Dieser aber lachte und rief: „Schlagt sie todt, wie die Hunde!" Nach Vernehmung dieses Zeugen wurde die Sitzung geschloffen. Der dritte Verhandlungstag begann mit der Vorführung des Hugo Tonner, angeklagt des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit. Der Angeklagte ist ein junger Klempuergeselle, sein Aeußeres ist durch einen mächtigen Kropf verunstaltet. Präs.: Sie gehören zu denjenigen, welche die Vorfälle in Schüttenhofen mit verschuldet hatten. Sie waren der Erste, der Steine in Lazar Fürth's Haus geworfen, Sie haben die Geschäfsbücher zerrissen. — Angekl.: Als ich zum Fürth'schea Hause kam, waren schon alle Fenster zerschlagen, Bücher gab*s da keine mehr, als ich ins Zimmer des Fürth trat. Präs.: Was hatten Sie in jenem Zimmer zu thun? — Angekl.: Ich sah in der Gaffe Federn her-