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Der Israelit · 1866-11-21 · Heft 47 (21.11.1866) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 47 (21.11.1866)
Date
1866-11-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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768 Ireter Gottes auf Erden sind. Bei einer religiösen Erziehung umgibt die Eltern ein religiöser Nymbus, sie treten als Gottes Boten und Abgesandte den Kin- L dern gegenüber und lehren sie, was Gott geboten und verboten hat; da wird das elterliche Haus das Heiligthum, wo der Keim zu allem Guten, Wahren und Schönen, das sich allmählich entwickelt, gelegt wird. Der Gehorsam und die Ehrerbietung gegen die Eltern sind das Fundament, auf dem sich das ganze Gebäude unseres religiösen Lebens aufbaut. So erzogene Kinder werden ihren Eltern gehorchen, werden voll Dankbarkeit gegen sie sein, werden unendliches Vertrauen in sie setzen, werden ihren Namen und ihr Andenken stets heilig halten; selbst fern von den Eltern wird das Gedenken an diese den Kindern eine Schutzwehr sein gegen der Sünde Reiz und des Nebels Lockung, wie einst das Bild Jakobs dem Joseph erschien, da er im Begriffe war, eine große Sünde zu begehen. Als aber dem Joseph das ehrwürdige Bild seines greisen Vaters vor Augen trat, da ließ er sein Gewand in den Händen der Verführerin und eilte hinaus und blieb frei von Schuld und Fehl. In Frömmigkeit erzogenen Kindern wird der Gedanke an die Eltern, deren Wünsche und Hoffnungen, maßgebend und bestimmend bei allen ihren Handlungen sein, sie werden sich bemühen, den Eltern alles Unangenehme zu ersparen, sie werden für die Versorgung derselben im Alter selbst mit Aufopferung thätig sein. Wie ganz anders ist es in solchen Häusern, die dem modernen Abfalle huldigen, wo kein Sabbat und kein Feiertag an ein inniges Leben mit Gott erinnert, wo es wohl Erholungs- und geschäftsfreie Tage, aber keine Gottgeweihte Tage gibt, wo das Gebet nicht gekannt oder schon vergessen ist, wo Gott nicht anerkannt wird als der Spender der Nahrung, wo Ihm nicht gedankt wird nach der Sättigung, wo nicht der Name Gottes waltet an der Thürpfoste, nicht das Zeichen der Gottangehörigkeit am Kleide sich befindet.... Treten wir in ein solches Haus, beobachten wir den Ton, in welchem die Kinder mit den Eltern verkehren, so werden wir unwillkürlich an den Gegensatz zwischen Jakob und Esaw ('28 8i Oip und '28 rnp') erinnert. Die Eltern werden selbst in vornehmen, sogenannten gebildeten Häusern von den Kindern „angefahren", die hoffnungsvollen Sprößlinge fallen den Eltern in die Rede, widersprechen, wissen natürlich Alles besser, von einer Unterordnung ist nicht die Rede; denn nur im Namen der Gottesfurcht können die Eltern von ihren Kindern Gehorsam verlangen; wenn die Eltern Gott nicht fürchten, so werden die Kinder keine Ehrfurcht vor den Eltern haben. Diese trüben Zustände werden mit den zunehmenden Jahren immer noch trüber; sowie der junge Herr und das junge Fräulein dem Papa und der Mama sich entwachsen glauben, so tritt „der Alte" und „die Alte" an deren Stelle. Welche Erfahrungen machen die Eltern der jsnnssss äorös in den großen Städten, welche Erfahrungen machen der Grossist und der Fabrikant, die ihre erwachsenen Söhne auf Reisen schicken! Im glücklichsten Falle tritt zwischen Eltern und Kindern ein V-rhältniß der äußersten Gleichgiltigkeit ein, so daß die materiellen Angelegenheiten fast das einzige Bindemittel bleiben, im minder glücklichen Falle geht der Herr Sohn mit einer Schauspielerin durch, nachdertz er „den Alten" einen großen Theil seines Vermögens gekostet hat — oder es tritt noch Schlimmeres ein: krank und elend, geistig und körperlich verkommen, den Tod im Herzen, kehrt der einst hoffnungsvolle, blühende Sohn in das Vaterhaus zurück. Und die Töchter? Auf einem Balle bei einem Mitgliede der Kants ünanos in F. fanden sich unlängst drei junge Damen; sie waren Jugendfreundinnen gewesen, waren zusammen „confirmirt" worden und hatten sich jetzt lange nicht gesehen. Sie zogen sich in ein Nebenzimmer zurück, um ungestört erzählen zu können. „Nun, Pauline, erzähle du zuerst. Wie ist es dir ergangen?" „„Ach, meine lieben Freundinnen, ich kann mich nicht glücklich preisen; meine Häuslichkeit entspricht zn wenig dem Ideale, ras ich mir davon geträumt hatte. Mein Gatte ist reich, jung, schön, liebenswürdig, wenn er will — und dennoch.er hat die Gewohnheiten seines Jugendlebens nicht aufgegeben. Pferden und Hunden und guten Freunden sind seine Erholungsstunden gewidmet — ich führe mitten im Geräusche der Welt und mitten im Trubel der Vergnügungen ein einsames Leben; mein Herz ist leer. O, wenn ich wäre, wie so viele Andere, im Kreise meiner Bekannten, die ... . doch ich wollte von mir reden. Ihr wißt, ich habe einige Jahre im Hause meiner Großeltern gelebt; wenn ich zurückdenke, welch' ein inniges Zusammenleben zwischen jenen alten Leuten herrschte, wenn ich mich der Feier der Sabbat- und Festtage erinnere, wie glücklich sich die beiden Gatten miteinander fühlten, da muß ich mich fragen, warum denn bei uns Alles so anders ist! Die Großeltern starben, ich kehrte zu den Eltern zurück; diese huldigen dem Fortschritt. Wie mußte ich den immer preisen hören! Arthur lernte mich kennen, wir liebten uns; unserer Verbindung stand kein Hniderniß im Wege; unsere Hochzeit wurde mit großem Gepränge gefeiert, der Rabbiner sprach von dem wichtigen Geeigniß, da zwei Familien sich verbinden, die auf der Höhe der Zeit stehen — ach, er hätte sagen sollen; da hunderttausend Gulden sich mit achtzigtausend Thalern vereinen. — Jetzt bin ich ein Jahr verheirathet: ich fühle mich unglücklich, einsam, verlassen, vermache läsfigt.""

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