Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1866)
- Date
- 1866-11-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein entral-Organ für -ns orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von Vrr. Lehman« in Mainz. Mainz, den 21. November 5627 (1866). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs: 3 Thlr. pr. C. oder Pl. 5. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österreich. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt: Leitende Artikel: Die religiösen Zustände der Gegenwart und ihre Folgen. — Das Seminar in Rheinland-Westphalen. — Z^lungsvachrichten und Correspondenzen: Deutschland: München. München. Berlin. — Oesterr. Kaiserst.: Pisek. Prag.Lemberg. — England: London. — Palästina:Jaffa. Jerusalem. — Feuilleton: Die Sühne. Inhalt der Beilage: Leitende Artikel: Frankfurter Briefe von S. — Der Bericht Sir Mcsts Montefiore's über seine Reise in das heilige Land. Zeitungsnachrichten und Correspondrnzen: Deutschland: Mainz. Berlichingen. Hamburg. — Oesterr. Kaiserst.: Wien. Wien. Groß-Meseritsch. Jglau. Brünn. Böhmisch Leipa. Holland: Amsterdam. — England: London. — Persien: Ballfrusch. — Aegypten: Kairo. — Amerika: St. Fracisco. — Leitende Artikel. Die religiösen Zustände der Gegenwart und ihre Folgen. Mainz, den 13. November. Eine der traurigsten Erscheinungen der Gegenwart ist es, daß Rabbinen und Schriftsteller die Sünden und Gebrechen unserer Zeit als ebensoviele Errungenschaften des Fortschrittes hinstellen; da wird den Verletzern der heiligsten Religionsgesetze geschmeichelt, daß sie es gelernt haben, nicht mehr „dem tobten Buchstaben" zu huldigen, daß sie durch den „köstlichen Duft der Havanna an jeglichem Sabbat" praktisch beweisen, wie sie den „Geist der Thora" vom „tobten Buchstaben" zu unterscheiden wissen, daß sie bei den lucullischm Mahlzeiten in den vortrefflichen Restaurationen opulenter Städte öffentlich darlegen, wie sie „klimatische Speiseverbote" zu beurtheilen wissen, und was des Unsinnes mehr ist. Wir, die wir der Ueberzeugung leben, daß der lebendige Geist der heiligen Gotteslehre den Buchsta-! ben der jüdischen Religionsvorschriften nicht ertödtet,! sondern belebt — wir wollen im Folgenden ein wenig den glänzenden Vorhang lüften, der die entsetzlichen Zustände der Religionslosigkeit und des Abfalls vom Gottesgesetze bedeckt; diese Zustände fangen be-! reits an, eine grauenhafte Gestalt anzunehmen. Gebe! Gott, daß es uns gelinge, den Irrenden die Augen! zu öffnen, und die Schwankenden in ihrem eigenen, heiligsten Interesse zu kräftigen. Betrachten wir zuerst das Verhältniß von Eltern und Kindern, wie es in religiösen Häusern war und ist, und wie es in irreligiösen leider bereits geworden. Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern wird in der Thora nicht geboten; diese wird als etwas Selbstverständliches vorausgesetzt, weil sie in der Natur begründet ist. Anders verhält es sich mit der Liebe, Ehrerbietung, Ehrfurcht, welche die Kinder für ihre Eltern hegen sollen. Daß die Kinder die Eltern lieben und ehren, ist nur solange in der Natur begründet, als die Kinder der Eltern bedürfen; daher hat es die Gotteslehre für nöthig befunden, diese eigennützige Liebe durch ein religiöses Gebot zu uneigennütziger Ehre und Ehrfurcht zu erheben, die nicht nur die Zeit des Bedürfens, die sogar das Leben überdauern und sich bis über das Grab hinaus erstrecken sollen. Das Gebot der Elternehre folgt im Dekalog unmittelbar auf die Gebote der Ehrfurcht gegen Gott, um zu zeigen, daß die Eltern gleichsam die Stellver-