Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1866)
- Date
- 1866-11-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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76A Amerika. NLetv'No tk. Wohin die Reformer gelangen, das mag nachstehender Bericht illustriren. Die Gemeinde „Adas Jeschurun", unzufrieden mit der Art und Weise des Gottesdienstes in der Emanuel-Synagoge, errichtete ein neues Gebethaus und stellte dasselbe unter die Leitung des vr. Einhorn aus Philadelphia. Hören wir nun, was der „Jewish Meffenger" über die Feier des jüngsten Versöhnungstages schreibt: In diesem neuen Tempel war die Verrichtung des Gottesdienstes am jüngsten Versöhnungstage widerwärtig — skoeLinK. — Christliche Mädchen wiederholten die Segenssprüche über die Thora! fangen, 112^2 ,2^.12 2222 und das bxiiL" Eine Unterbrechung, die hinreichend war, Zeit zum Diner zu gewähren, fand statt! Eiswasser stand zur Hand zur Erfrischung der Chorsänger, und aller derjenigen, die durstig waren. Und das ist Aufklärung! Schmach über solche Vorfälle. Kein Wunder, daß man sich von einer solchen Gemeinde lossagt. — Ein eigentümlicher Vorfall ereignete sich bei diesem sogenannten Gottesdienste am Kol-Nidre- Abend. Ein Theil des Getäfels fiel auf den Hauptleuchter, und verursachte ein furchtbares Krachen und große Panique. Der Chasan war in einer gefährlichen Lage, jedoch ist kein Menschenleben zu beklagen. Cincinnati, den 15. October. Der hier erscheinende „Tägliche Volksfreund" berichtet, daß Herrn vr. I ll 0 w y, Rabbinen der hiesigen Gemeinde Scheörith Jisrael, von seinen zahlreichen Freunden ein Neujahrsgeschenk von 2000 Dollar (5000 fl.) verehrt worden ist. Es ist dies ein erfreulicher Beweis, daß es auch in Amerika noch orthodoxe Juden und zwar solche gibt, die es verstehen, 221m 2-r -,22b. G-g. Der Sohn des ehrwürdigen Rabbinen vr. Jllowy theilt uns im Aufträge seines Vaters mit, daß derselbe unserm Ersuchen entsprechen und über die in Amerika aufgefundenen Steine mit hebräischer Inschrift berichten wird, sobald er von einem leichten Unwohlsein, das ihn gegenwärtig verhindert, genesen ist. Red. Feuilleton. Die Sühne. (Nach einer alten hebräischen Handschrift.) I. An einem warmen Sommernachmittage des Jahres 5180 nach Erschaffung der Welt saß in einer finstern Zelle des Gefängnisses der Stadt Wien ein ehrwürdiger Greis mit langem schneeweißem Barte, ein Pergament-Büchlein in seinen Händen haltend; neben ihm saß Rsuben, sein zehnjähriger Enkel, aufmerksam den Worten des. Großvaters zuhörend. Ach, es war die einzige Freude der Unglücklichen, der einzige Trost in ihren Leiden, aus dem Büchlein zu lesen! Der Großvater lehrte den Inhalt desselben den Enkel, und dieser lernte ohne zu ermüden. Maßecheth Chagiga hatte Rabbi Elasar, so hieß der Großvater, rasch zu sich gesteckt, als die Schergen des Erzherzogs Albrecht kamen, um ihn und seinen Enkelsohn in den Kerker zu führen, den sie seitdem nicht verlassen hatten. Als Elasar die Stelle vortrug: (Chagiga 12. b.) „Resch Lakisch sagte: Jedem, der sich mit der Gotteslehre beschäftigt in dieser Welt, die da gleichet der Nacht, den umgibt Gort mit Gnade in der künftigen Welt, die da gleichet dem Tag", — da seufzte er tief auf und sprach: „Ach ja, uns Juden gleicht diese Welt sicherlich der Nacht; wäre nicht die Hoffnung auf den sonnenhellen Tag der künftigen Welt — wie könnten wir Armen all das Elend ertragen! Meine Zeit ist bald um; bald, ja bald verlasse ich die finstere Nacht dieser Wett; doch du, geliebter Sohn meines Sohnes, du mußt noch lange ausharren, wenn der von unfern Feinden zur Wuth aufgestachelte Fürst dir gestattet, diesen Kerker zu verlassen." „,,O, sprich nicht so. geliebter Großvater,"" sprach der Knabe, dem Greise durch Thränen zulächelnd, „„sprich nicht so; Gott wird unsere Unschuld bald ans Licht bringen; dann werden wir wieder in Ruhe und Sicherheit wohnen wie vordem."" Der Greis schwieg, und der Enkel wagte es nicht, das Schweigen des Großvaters zu unterbrechen. Bilder der Vergangenheit zogen an Elasars Seele vorüber. Er war nicht in Wien geboren; in Franken hatte seine Wiege gestanden; der große Ruf der Wiener Hochschule hatte ihn herbeigezogen, und dann war die Donaustadt seine zweite Heimath geworden. Hier hatte er zu den Füßen großer Lehrer gesessen, hier hatte er sein Weib, seine treue Ella, gewonnen, die nun schon lange im Schooße der Erde schlummerte; hier hatte er ein großes Vermögen erworben im Schweiße seines Angesichtes, hier waren seine Kinder geboren und gestorben; nur der einzige Sohnessohn war ihm geblieben von all den Seinen. Ergeben hatte er sein Geschick getragen, er hatte nicht gemurrt gegen Gottes Vorsehung; seinem Enkelkind galt nun all sein Bemühen, es zu erziehen in der Gotteslehre und für dieselbe. Da kamen schwere Tage über die Israeliten Wiens, falsche Beschuldigungen wurden gegen sie ausgesprengt von entweihten Hostien und andern grausigen Dingen. Erzherzog Albrecht zeigte sich Anfangs den Verleumdern unzugänglich; allein diese waren unermüdlich, bis sie