Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1866)
- Date
- 1866-11-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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762 Thüren mehr ganz, die Federn flogen aus den ausgeschnittenen Betten umher, und in den Häusern wirthschaftete eine unbändige Rotte. Zeuge sah, daß seine Gegenwart hier nichts mehr nütze und zog sich deshalb zurück. Präs.: Bei welchem Anlasse trafen Sie an jenem Tage Salansky? — Zeuge: Ec stand bei der Judengasse, ich sagte ihm, er solle nach Hause gehen und j stellte ihm vor, daß es schlecht mit ihm ausfallen könnte, er aber blieb stehen und sagte „avi ums vsvopijou." Pisek, 24. Oktober. Der Gendarm Mur ist der nun folgende Zeuge. Dieser sagte aus: Nachdem bei Lazar Fürth geraubt worden war, kam die Menge beim Bräuhause wieder zusammen. Alles jauchzte und tanzte dort. Wir schritten ein, Salansky mit einem Stocke in der Hand rief uns einige Worte zu, die ich nicht verstand, denn ich bin der czechischen «spräche nicht mächtig. Ich hörte nur etwas wie „sagie" und „xss" („Hase" und „Hund"). Der Gendamerieführer Stolz gibt an: „Wir wollten die Ordnung Herstellen, dabei gerieth ein Gendarm hart ins Gedränge, und schon wurde ihm das Gewehr von der Schulter gerissen, da kam ihm ein anderer Gendarm mit gefällten Bajonnet zu Hilfe. Einer muß sich da wohl verwundet haben, denn das Bajonnet war blutig. Es fielen dann ungefähr neun Schüsse, das Volk strömte zurück, aber ein Verwundeter blieb am Platze liegen. Zwei Menschen kamen auf mich heran und baten, nicht mehr schießen zu lassen, damit sie ungefährdet den Verwundeten forttragen könnten. Ich versprach das, da aber rottete sich gleich wieder das Volk zusammen und Alles schrie: „Schlagt sie todt wie die Hunde", besonders that sich durch sein Geschrei der Fleischhauer Salansky hervor, der mit einem Prügel in der Hand an der Ecke der Gaffe stand.! Es werden nun die Aussagen der vom Verthei-! diger Herrn vr. Lohar geforderten Zeugen verlesen. I Dieselben suchen nachzuweisen, daß der Angeklagte selbst bei den in der Nacht vorgekommenen Plünderungen das Vermögen der Juden zu schützen bemüht war. Einer der Zeugen sagt aus, Salansky sei, während geschossen wurde, im Wirthshause gesessen und dann mit den Worten herausgetreten: „Die hätten im Jahre 1859 bester schießen sollen, nicht aber jetzt" Ein anderer Zeuge schilderte Salansky als einen bekannten Raufer und will deutlich gehört haben, wie derselbe gerufen: „Schlagt sie todt, laßt sie nicht ins Rathhaus hinein!" (Fortsetzung folgt.) Wien. Die Gedächtnißfeier für die im jüngsten Kriege gefallenen Soldaten wird Donnerstag am 15. November, Abends 5 Uhr, im israelitischen Tempel Ln der Stadt abgehalten, und ist folgendes Programm festgestellt: 1. Großer Trauerchor, Psalm 42, neue Komposition des Prof. Sulzer, vorgetragen vom gesummten Chorpersonale; 2. Gedächtnißrede 3. Gebet für die während des Kneges gefallenen und verstorbenen Soldaten; 4. Gebet bei offener Bundeslade für das Wohl Sr. Majestät; 5. Hebräisches Schlußgebet (Olsrm), vorgetragen und neu komponirt vom Prof. Sulzer; 6. (Lsäwsb) von den anwesenden israelitischen Soldaten für das Seelenheil ihrer gefallenen Brüder unter) Assistenz des israelitischen Feldpredigers. Auf Anordnung des h. Generlkommando's haben sämmtliche israelitische Soldaten der Garnison Wiens und der Umgebung an dieser Feierlichkeit theillzunehmen. Se. Exz. der Herr Kriegsminister und die Generalität werden dieser kirchlichen Feierlichkeit beiwohnen. Griechenland. Corsa Die Jonischen Inseln waren, se lange sie unter der englischen Protection standen, stets der Schauplatz von Ungehörigkeiten unseren Glaubensgenossen gegenüber. Desto angenehmer ist es, zu vernehmen, daß, seitdem diese Inseln zu Griechenland gekommen sind, in dieser Beziehung eine sehr günstige Umgestaltung Platz gefunden hat. Nicht allein sind die Israeliten völlig emancipirt worden, sondern auch die Gesinnungen der Bevölkerung sind freundlicher und toleranter geworden.. Bei dem jüngsten Besuche, den der König der Insel abstattete, besuchte er, begleitet von den höchsten Würdenträgern, die Synagoge und sprach sich sehr befriedigend über den israelitischen Gottesdienst aus. (C. I.) Rußland und Polen. Warschau. Die Militairaushebung in Polen ist beendigt. Die ausgehobenen Rekruten befinden sich größtentheils auf dem Marsche nach Rußland zu den Regimentern, denen sie zugewiesen sind. Von den jüdischen Rekruten sollen 2000 im Lande verbleiben. Ein Theil derselben ist der Polizeiwache in Warschau einoerleibt. (Ostsee-Ztg.) Palästina. lü Aus Jerusalem, wird der Augsb. „Allgem. Ztg." geschrieben: „Im Westen der h. Stadt sind in neuester Zeit auch von mehreren Juden bedeutende Ankäufe gemacht worden, so daß in Kurzem aller Boden in der Nähe Jerusalems verkauft fei« wird. Die Israeliten hoffen hier außerhalb gesündere Wohnungen zu erhalten, wo sie überdies de» Plackereien der mahommedanischeu Hauseigentümer nicht mehr so ausgesetzt sind."