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Der Israelit · 1866-11-14 · Heft 46 (14.11.1866) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 46 (14.11.1866)
Date
1866-11-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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?ei Der Gendarm Matejschek hat Jilek bei den meisten am Nachmittage vorgekommenen Exzessen gesehen, der Verhaftung des tanzenden Bauers aber habe er sich nicht wiedersetzt. — Jilek: Natürlich nicht. Ich beruhigte das Volk. ES war ein Schuß gefallen und Alles schrie: „Die Leichen liegen auf dem Platze, Tod den Mördern!" ich aber sagte: Es liegt nur eine Leiche dort, die müssen wir ehrlich begraben. Es wird nun der Beschädigte, Herr Heinrich Fürth, Mitglied des Gemeindeausschusses in Schüttcnhofen, vernommen. Der Zeuge erzählt: Gegen drei Uhr Nachmittags kam ein Weib zu mir und bat um aller Heiligen willen, ich soll schleunigst Gewölbe und Hausthor schließen, da schreckliche Dinge sich ereignen würden. Ich schloß alle Thüren und harrte ängstlich mit Weib und Kindern im Wohnzimmer. Bald aber wurde an der Hausglocke gezerrt; das Läuten wurde immer stärker und stärker, da faßte ich Mulh und ging hinab, mein Weib folgte mir auf dem Fuße. Ich öffnete zur Hälfte das kleine Ladenfenster und blickte hinaus. „Wir wollen Branntwein haben!" schrie wie aus einer Kehle ein Menschenhaufen, der vor der Thüre stand. Ich sagte: „Wir haben keinen", darauf rief Jilek der Menge zu; „Jetzt kommt, der wird seinen Branntwein noch gerne hergeben." Mein Weib drang mit Thränen in mich, die Leute zu befriedigen, ich öffnete also das Fenster und reichte ihnen allen Branntwein hinaus, den ich hatte. Der Angeklagte Jilek wird jetzt aus dem Saale geführt und der Beschädigte vom Präsidenten aufgefordert, die Höhe des erlittenen Schadens anzugeben. Zeuge: Der Schaden wurde anfangs auf 9000 fl. geschätzt, die weiteren Erhebungen haben aber einen Schaden von über 12,000 fl. ergeben. Präs.: Auf welche Art wurde Ihnen der Schaden zugefügt? Zeuge: Zumeist durch Plünderungen, zerstört wmde wenig, nur ein Schreibtisch, dessen Fächer erbrochen und das Geld aus demselben genommen wurde, und dann eine Klaviatur am Piano, auf dem ein Rauchfangkehrer der plündernden Menge aufgespiett hatte. Präs.: Mau hat wohl bei Ihnen angefangen zu plündern? Zeuge: Nachdem man mir den Branntwein genommen hatte, ging ich mit meiner Frau wieder in's Zimmer hinauf; wir setzen uns nieder, da fiek ein Schuß. Die Frau sprang todtbleich auf und begann das Zimmer zu räumen, aber es war zu spät, deß' belehrte uns ein betäubendes Geheul und mächtige Stöße an die oberen Fenster. Alles liegen lassend, rettete ich Weib und Kind in ein Nachbarhaus, und als die Menge unter Toben und Stribrorufen durch die eingeschlagene Thür ins Haus drang, entsprang ich auf den Boden des Nachbars, von dort aus konnte ich durch ein Dachfenster dis plündernde Menge in meinem Zimmer beobachten. Außer einigen Werthpapieren, die ich zu mir gesteckt hatte, ward mir Alles geraubt. Am andern Tage hatte meine Frau keinen Schuh mehr anzuzieheu. Präs.: Wurde Ihnen von dm gestohlenen Sachen etwas zurückgestellt? Zeuge: Ein Kästchen aus Cedernholz, die Uhr meiner Frau, einige Kleinigkeiten und auch einen Gulden, der dem ehrwürdigen Herrn Dechant übergeben worden war. Das Kästchen und die Uhr hat mir die Tochter des Mascha überbracht, wofür der Vater Finderlohn wollte. Ich befriedigte ihn; bald darauf wurde das Mädchen verhaftet, aber ohne mein Zuthun. Der alte Mascha kam dann zu mir und sagte: Sie sind an dem Tods meines Weibes Schuld. Sie stirbt, weil ihr Kind verhaftet wurde. Ich versicherte ihm, daß ich die Verhaftung keinesfalls veranlaßt hatte, worauf er sich wieder entfernte; indessen ward bei ihm die Haussuchung vorgenommen und daselbst eine meiner Frau gehörige Busennadel gefunden. Der nächste Angeklagte, der nun im Saale erscheint, ist Franz Salanskp, dem das Verbrechen des Aufruhrs zur Last fällt. Er ist ein starker Mensch, hat beim Militär mit guter Conduite gedient und war auch im Civilstande bis jetzt unbescholten. Präs.: Sie haben den Befehlen der Behörde nicht Folge geleistet und als die bewaffneten Gendarmen und Finanzwachmänner gegen den lobenden Pöbel einschreiten wollten, schrien Sie: „Schießt auf Hasm, aber nicht auf Menschen"; als endlich die bewaffnete Mannschaft, um ihr Leben nicht nutzlos aufzuopfern, sich zurückzog, riefen sie dem Volke zu: „Geht auf sie los und schlagt sie todt, wie die Hunde". — Angekl.: Das kann mir Niemand beweisen, ich bin ruhig im Wirthshause gesessen und bin dann zufällig vorübergegangen. Der Gendarm Matejschek hat den Angeklagten aus dem Bräuhause treten sehen und beide demselben zur Last gelegten Rufe an das Volk gehört. Vertheidiger vr. Loharz (zu dem Zeugen): War der Angeklagte bei der Menge, noch bevor geschossen wurde? Zeuge: Er stand bei der deuschen Gaffe; als wir geschossen hatten, sprang er aus die Unke Seite in ein Haus und schrie von dort: Schlagt sie todt die Hunde. Angekl.: Ich hab'S gut gemeint, ich bat nur man soll nicht schießen, denn ich weiß, eine Kugel hält Niemand auf. — Der Zeuge Gemeinderath Uhl, dessen * Aussage nun gehört w.rd, hat Nachmittags einen Juden vom Platze sortfahren sehen, hinter dem eine heulende Menge drein lief und ihm Koth und Steine nachwarf. Daranschloß der Zeuge, daß es stürmisch in der untern Stadt zugehe, begab sich eiligst dahin und traf in der Judengafle keine Fenster und

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