Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1866)
- Date
- 1866-11-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Safed 2× ep/1046078
- Stříbro 1× ep/1045180
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760 ten der jüdischen Gemeinden zu Safsd Ln deren Nrmen zu ordnen. Hier meine Herren, muß ich Ihre auf Lie Thatsache richten, daß derjenige Herr, der zweifelsohne der diesjährige österreichische Consul zu Safed ist, bezeugt, daß 60 Familien den Wunsch haben, sich der mühevollsten Beschäftigung des Ackerbaues zu widmen, während in einer Veröffentlichung des Or. Macleod, auf welche ich später zurückkommen werde, der österreichische Consul derselben Stadt seine jüdischen Einwohner beschuldigt, sie seien „saul, lässig und mißtrauisch". Auf die anderen schweren Anklagen, die in jenem Aufsatze enthalten sind, will ich jetzt nicht eingehen, nur die Thatsache möchte ich conftatiren, daß der Name von vr. Macleod's Berichterstatter, der angeblich der österreichische Consul sein soll, nach der Angabe des vr. Macleod Mieroslowski sei, während ich mit Gewißheit in Erfahrung gebracht habe, daß Niemand dieses Namens den österreichischen ConsulatSposten iune hatte. Nach dem Gesagten sind also zwei Annahmen zulässig: entweder hat der Character von Safed's Israeliten in der Periode eines Jahres einen großen Umschwung erfahren, oder ist Herr vr. Macleod von einem geschickten Betrüger hintergangen worden; welche von diesen beiden Annahmen die richtige ist, das dürfte nicht schwer zu entscheiden sein. (Fortsetzung folgt.) Aeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pisek, 22. Oct. (Die Excesse in Schüttenhofen. Fortsetzung.) Präs.: Der Aktuar stand doch vor Ihnen. — Angekl.: Und doch hat er auch nicht gehört, was ich zum Volke sprach. Nach Verlesung eines anonymen, in schlechtem Deutsch abgefahren Briefes, datirt aus Strakonitz, 9. März, an den Schüttenhofner Bürgermeister nach Prag, in welchem der letztere aufgefordert wird, Vorkehrungen zum Schutz der Juden gegen die bevorstehenden Plünderungen zu treffen, wird der Gemeinderath Popel vorgerufen. Derselbe sagt aus, der Volkshaufe habe sich zuerst in die sogenante deutsche Gaffe gedrängt. Vor dem Volkshaufen sei ein kleines Männchen gestanden, der Zeuge fragte ihn, wer er sei, und sagte ihm gleichzeitig, er möge sich entfernen. Der Mann erwiederte, er sei der Geometer PiSkacek und werde sich nicht entfernen, darauf habe er seinen Stock geschwungen und dem Volke mit demselben ein Zeichen gegeben. Was dieses Zeichen bedeuten sollte, wisse;r nicht. Der Gerichtsdiener Robert Martens gibt an: PiSkacek ist immer mit Pfeifen herumgegangen, und wo sich einige Leute anfammelten, gleich schrie er ih«« „Stribro" zu und war mitten unter ihnen. Seine Bekannten grüßte er mit dem Worte „Stribro", und geschäftig lief er die Gaffen auf und ab, immer einen Haufen pfeifender Buben um sich. MgeL.: Das war in der Gaffe, wo meine Geliebte wohnte. Dort ging ich freilich auf und ab, und nur dieser Zeuge sah den Haufen Buben um mich. Staatsanwalt: Weil dieser Zeuge ein scharfes Auge auf Sie hatte. — Angekl.: Scharfe Augen scheint Alles auf mich gehabt zu haben. Pisek, 23. October. Die heutige Verhandlung wird eröffnet mit der Vorführung des wegen Aufruhr in Anklagestand versetzten Bartholomaus Jilek, eines 40jährigeu Zimmergesellen, er ist Patentalinvrlide und unbescholten. Präs.: Sie haben sich trotz des Befehles der Behörde nicht vom Platze entfernt, Sie blieben mit der Menge vor dem geschloffenen Fensterladen des Lazar Fürth stehen und riefen hinein: „Gebt's Branntwein her und es wird Euch nichts geschehen." — Jilek: Ich ging zufällig vorüber, als die Leute Branntwein verlangten, mit dem Aktuar habe ich mich in der Judengaffe zwar besprochen, aber ich sah keinen Grund mich zu entfernen, da ich nichts Arges im Sinne hatte. Präs.: Es sollte ein lärmender und auf dem Platze tanzender Bauer Mathias Kuß verhaftet werden und Sie waren es, der seine Verhaftung zu hindern suchte. — Angekl.: Die Beamten sind schlecht, die so was sagen, Kuß ist doch der Feind, der mit mir im Wirthshaus zu raufen pflegt, de» hätte ich eher hineingebracht als beschützt. Gemeinderach Zajic bestätigt, daß Jilck von chm aufgefordert worden sei, sich aus der Judengaffe zu entfernen, aber keine Folge geleistet hat. Jilek: Weil ich erst einm Betrunkenen fortzuschaffen gedachte. Gemeinderach Popel hat die johlende Menge die Beute aus dem Fürth schen Hause vor das Bräuhaus schleppen sehen, dort wurde um dieselbe getanzt; ein Bauer sprang schreiend im Kreise herum und sollte verhaftet werden, Jilek stand dem Gemeinderache zunächst und wurde aufgefordert, sich zu entfernen, dieser aber sagte: „Ich thue nichts Schlimmes und gehe nicht fort." Der Aktuar Germann behauptet ebenfalls, Jilek wiederholt aufgefordert zu haben, sich zu entfernen. Jilek: Der Mensch weiß gar nicht, was er spricht. Er sagte mir, ich soll mich zum Teufel scheren, ich that'S und ging m die deutsche Gaffe hinein; dorthin aber wollte er mich nicht lassen. Aktuar: Natürlich, denn diese Gaffe mußte vor Allem vor de« andriugeuden Pöbel beschützt werden.