Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1866)
- Date
- 1866-11-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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VII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 46 des Israelit. LeLterrder Artikel. Drr Gericht Sir Moses Montefiore's über feine Reise in das Zeitige Land. (Fortsetzung.) Sonntag, den 1. April, beehrte mich der Gouverneur von Jerusalem, indem er in Begleitung seiner Offiziere meinen Besuch erwiderte. Bei dieser Gelegenheit wurde die Lage Jerusalems freimüthig und ausführlich besprochen; wir schätzten die Anzahl der der Cholera Erlegenen wenigstens auf 15 Procent der Gesammtbevölkerung. Die Ursachen dieser traurigen Erfahrung sind theils die unzureichenden und ungesunden Wohnungen der Armen, der Wassermangel, der Armuthszustand, der von dem Mangel an lohnender Beschäftigung herrührt, und der es diesen Armen unmöglich macht, sich mit gesunder Speise zu versehen, was sich besonders in Krankheitsfällen empfindlich rächt. Der Gouverneur gab mir während seines Besuches die Erlaubniß, ein Schirmdach über den „Klageplatz" vor der Westmauer des Tempels zu errichten, um den frommen Personen, die an diesem heiligen Orte ihre Klagen und Gebete vor den Thron des Allmächtigen dringen, Obdach und Schutz gegen Hitze und Regen zu gewähren. Montag, den 2. April, fand eine Versammlung der Repräsentanten und geistlichen Chefs der verschiedenen Gemeinden in meiner Wohnung statt, die von mehreren Hunderten der respectablesten Einwohner Jerusalems besucht wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde die Art und Weise besprochen, wie der heiligen Stadt am besten geholfen werden könnte. *) Am Schlüsse der Versammlung drückte ich dem ehrwürdigen Chacham Baschi, den Repräsentanten der verschiedenen Gemeinden und überhaupt allen Anwesenden meinen Dank dafür aus, daß sie mich mit ihrer Anwesenheit beehrt hatten. Gleichzeitig gab ich ihnen die Versicherungdaß ich ihre Wünsche und Ansichten dem „Relief Found" und allen Freunden des heiligen Landes vortragen werde und daß die Versammelten auf meine aufrichtigsten Wünsche für ihr Wohlergehen und mein innigstes Verlangen, ihnen dienen zu können, rechnen dürften. Das Document über die Seelenzahl und die Bermögensverhältnisse der Gemeinden zu Jerusalem ergab *) Da wir diese höchst interessante Versammlung bereits in emem Leitartikel der Rr. 17 besprochen haben, so übergehen wir hier den diesbezüglichen Theil dieses Berichts. Red. folgendes Resultat: Eine Gabe von 100 L. (1200 fl.), die während meines Aufenthalts zu Jerusalem für 12,025 Piaster umgewechselt wurde, ward unter den deutschen Gemeinden gleichmäßig vertheilt. Davon kommen auf die Wilno- und Samot - Gemeinde. die 555 Almosenempfänger zählt, 2220 P.; die Reusiengemeinde mit 268 Bedürftigen 1072 P.; die Minsker- Gemeinde mit 441 Bedürftigen 1644 L.; dieHuradnaergemeinde mit 245 Bedürftigen 980 P.; die Warschau- und Suwalki - Gemeinden mit 376 Bedürftigen 1504 P.; die Chabadgemeinde mit 213 Bedürftigen 852 P.; die volhynischen Chassidim mit 504 Bedürftigen 2016 P.; die österreichischen Chassidim mit 217 Bedürftigen 868 P.; die ungarische Gemeinde mit 149 Bedürftigen 596 P.; die Gemeinde Hod (Holland und Deutschland) mit 64 Bedürftigen 256 P.; 17 P. behielt der Cassier noch zu einer späteren Vertheilung übrig. Es ist dieses nicht häufig der Fall, daß 100 L. auf einmal vertheilt werden können; nach obiger Aufstellung ergibt sich, daß, wenn diese Summe gleichmäßig unter den deutschen Gemeinden zu Jerusalem vertheilt würde, der Theil, der auf eine einzelne Person fiele, höchstens vier Piaster oder acht Pence (24 kr.) betragen würde. Donnerstag, den 3. April, hatte ich zum Empfange einer Deputation von Safed bestimmt, welche 60 Familien, 300 Seelen stark, vertreten sollte Der größte Theil Vieser Deputirten ersuchte blos um Unterstützung zum Betriebe des Ackerbaues. Diese Deputation übergab mir zwei Dokumente, wovon eins eine Petition der Häupter der sechszig Familien war, während das Andere eine Bevollmächtigung für die Herrn Jsaac Friedmann und Abu Charaz, die Führer der Deputation enthielt. Herr I. Miklasiewicz, der österreichische Consul zu Safed, hatte diese Documente beglaubigt. In der Petition hatte Herr Miklasiewicz dargethan. daß die sechzig in Rede stehenden Familien das aufrichtigste Streben an den Tag gelegt hätten, sich für die Folge durch Ackerbau ihren Lebensunterhalt zu verschaffen, daß er einen Plan zur Colonisirung des Heilgen Landes dem österreichischen Generalkonsul zu Beyrut am 16.Januar«, c.vorgelegt habe. Einer der Deputirten, welcher den Namen Abu Charaz führe, sei ein Geschäftsmann, während der andere Namens Jsaac Friedmann Chemiker sei. In dem Document, welches die Bevollmächtigung enthält, bezeugt Herr Miklasiewicz, daß er das in Rede stehende Document gesehen habe, in Folge dessen 60 Familien die Herren Jsaac Friedmann und Abu Charaz bevollmächtigen zu Sir MoseS Montefiore, dermalen in Jerusalem, zu reisen und die Angelegenhei-