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Der Israelit · 1866-11-14 · Heft 46 (14.11.1866) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 46 (14.11.1866)
Date
1866-11-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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758 heit, wenn man eine bislang ohne Nachtheil gewährte Dispensation israel. Schüler öffentlicher Schulen vom Schulbesuche verdrängen und dafür einen unerhörten Gewissenszwang einführen will und dies in einer Leit der Aufklärung in einem Freistaate l — Redner hielt sich vollkommen überzeugt, daß verehrt. Bürgerschaft nicht dulden werde, daß der Gewissensfreiheit neue Fesseln angelegt werden und zweifelt nicht daran, daß sie sich für den Antrag Sartori's nicht erheben werde, und in der That war bei der Abstimmung auch nicht eine Stimme für den Antrag. Wir heben die Rede unseres verehrten Herrn Rabbinen vr. Adler deßhalb hervor, weil wir aus Erfahrung wissen, wie wenig sich jüdische Eltern und besonders in den Städten daraus machen, ihre Kinder an den Sabbat- und Feiertagen zur Schule zu schicken, ohne an die Gefährlichkeit eines solchen Verfahrens auch nur zu denken. — Wir haben Ihnen heute wieder einmal vom Erscheinen einer neuen jüdischen Zeitschrift zu melden. Ein Herr Alfred Schönwald aus Hamburg ladet zum Abonnement auf eine von ihm zu redigirende Wochenschrift unter dem etwas absonderlichen Titel „Die Laubhütte" ein. Wie Sie aus dem beifolgenden ausführlichen Prospectus ersehen können, rechtfertigt der Herausgeber diesen Titel und verspricht nicht zu wenig. Die Laubhütte soll eine „Jllustrirte Wochenschrift für das Gesammtinteresse des Judenthums", also die jüdische Gartenlaube sein und nicht „die Fahne einer Partei tragen, sondern, über den Parteien stehend, diesen das Wort lasten zur Aussprache und Verständigung, zur Abwehr und zur Versöhnung. Wir unsrerseits wären geneigt zu glauben, daß auf religiösem Gebiete Neutralität schon Parteinahme sei, und sind begierig, mit welcher Consequenz die Redaktion dieselbe wahren wird. — Mit dem 1. Januar 1867 tritt hier die allgemeine Gewerbefreiheit in Kraft. Dieser Schritt unseres Freistaates weiter auf dem Gebiete des progressiven Fortschrittes wird voraussichtlich auch nicht ohne Rückwirkung auf unser engeres Gemeindeleben sein, da voraussichtlich Viele von der gebotenen Freizügigkeit Gebrauch machen werden, umsomehr als die dadurch bedingten Kosten äußerst gering sind. Die Erwerbung des Jndigenats Hierselbst kostet nur 16, dre des hiesigen Bürgerrechtes nur 8 Tblr. p. C. Wir wollen hoffen, daß unsere Gemeinde dadurch einen Zuwachs von nur thatkräftigen und für das Gesammtinteresse wirkenden Elementen erhalte! — Ein Standbild des französischen Bolksdichters B6ranger soll zu Paris in dem alten Wohnhause des verstorbenen Poeten in der Bsrangerstraße (im Marais belegen) zur Aufstellung kommen. Das Gebäude, dem die Auszeichnung bevorsieht, hat auch sonst noch interessante Erinnerungen; es war einst die Wohnung der schönen Oabrislio ä'L8lr66, der Geliebten Heinrichs IV., die in diesem Hause bei einem vertrauten Juden des Königs, Zamet mit Namen, wohnte. — Am 16. Sept. hat in Paris das Begräbniß Leon Gozlans, unter zahlreicher Theilnahme von Schriftstellern und Künstlern stattgefunden. Gozlan wurde für einen Juden gehalten und so geschah es denn, daß in der Nacht des 14. an seinem Leichname von Juden gebetet und die Bestattung nach jüdischem Ritus veranstaltet wurde. Da machte aber am 15. Herr Duval, der Eidam des Verstorbenen, in den Familienpapieren die Entdeckung, daß sein Schwiegervater am 14. Juli 1807, zwei Jahre nach seiner Geburt, getauft worden war. Das israel. Leichenbegängniß wurde sonach abbestellt, und die Trauer- Cermonie fand in der Kirche 8t. LuZsu« statt. Genauere Nachforschungen ergaben jedoch, daß Gozlan, wie er geboren so auch gestorben war, nämlich als Jude. Wir sind begierig, die weiteren Schritte in diesem interessanten Fall zu vernehmen. w'x (Anmerk. der Ned.: Es werden wohl weiter keine Schritte in dieser Sache gethan werden. Wenn Gozlan auch nicht getauft war, so hat er doch nicht als Jude gelebt, nie eine Synagoge besucht und seine Töchter an Nichtjuden verheirathet.) England. lll London. Dem „Athenäum" theilt Herr Georg Smith in einem Schreiben mit, daß er bei einer genauen Untersuchung der Sammlung assyrischer Alterthümer im British Museum eine kurze Inschrift von Schalmanezer II., König von Assyrien, entdeckt habe, in welcher gesagt ist, daß Jehu, König von Israel, im 18. Jahre seiner Regierung (vom I. d. W. 3660 — 3088) dem assyrischen Herrscher Tribut gezahlt habe. Daß Schalmanezer von Jehu Tribut empfing, ist bereits durch die Inschrift auf den „schwarzen Obelisken" bekannt geworden, doch konnte die Zeitangabe dieser Thatsache bis-her nicht ermittelt werden. Die Entdeckung ist darum von chronologischem Jnterreste. Daß dieser König Jehu derselbe ist, welcher in der Inschrift des Obelisk erwähnt wird, erhellt daraus, daß er in bei den Inschriften als „Sohn des Omri" bezeichnet wird. — (Vorstehendes muß jedenfalls auf einem Jrrthum beruhen; es hat keinen isr. König Namens Jehu ben Omri gegeben; Jehu ben Jehoschaphat ben Nimschi war der Vertilger der Familie des Achab ben Omri; aber weder Jehu noch Achab haben einem assyrischen Könige Tribut gezahlt. — Red.) Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellprefsendruck von I. GottSleben in Mainz. Hierz« eine Beilage.

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