Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1866)
- Date
- 1866-11-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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78S Das Seminar in RheinlanS-Westphalen. Dritter Artikel. Vom Oberrhein. Wir wohnten gestern der Conferenz in Cöln bei, zu welcher sich ein großer Theil der jüdischen Vorsteher aus Rheinland undWeflphalen eingefunden hatte, und wollen heute in unparteiischer Weise über das, was wir gehört und erfahren, refertren. Doch beachten wir zuvörderst die nachstehenden beiden Einladungs-Circulare und die Erklärung der drei Rabbiner: I. Geehrter Vorstand! Wie auf allen Gebieten, sowohl der bürgerlichen, wie auch der religiösen Thätigkeit die Vereinigung der Kräfte deren Gewicht erhöht, so erscheint es um so angemessener, daß die beiden Schwester - Provinzen Rheinland und Weflphalen ihre Schritte in solchen Fragen, welche für das Judenthum eine erhöhte allgemeine Bedeutung haben, gemeinsam thun. Dies veranlaßt uns in dem gegenwärtigen Augenblicke, wo mehrere, die beiden Provinzen sehr nahe berührende Angelegenheiten harren, zu einer gemeinsamen Berathung resp. Beschlußfassung derselben eine Versammlung der Gemeinde-Vorstände auf Donnerstag den 1. November ao., Morgens 11 Uhr in Köln, Brüderstraßs Nr. 4, anzuberaumen. Dieselbe wird in erster Reihe einer auch von Herrn vr. Philippfon angeregtm Petition an das Abgeordnetenhaus um endliche Verwirklichung der in der Verfassung verheißenen bürgerlichen Gleichstellung, sowie die Besprechung anderer das Judenthum berührenden wichtigen Fragen zum Zwecke haben. Wir richten daher an unsere Herren Collegen die Bitte, bei der Wichtigkeit der Sache in dieser Versammlung zu erscheinen, indem wir zugleich den Wunsch und die Hoffnung aussprechen, daß dieselbe Veranlassung geben möge, derartige gemeinsame Besprechungen öfter zu wiederholen. Wir bitten Sie, uns baldmöglichst mitzutheilen, ob wir auf Ihre Anwesenheit rechnen können. Köln, den 21. Oktober 1866. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde S. M. Frank. II. An die löblichen Vorstände der Synagogen-Gemeinden in der Rheinprovivz und Westphalen! Nachdem Herr Rittergutsbesitzer Jakob Löb auf Caldendorf bei Hamm als Vorsteher des jüdischen Lehrer-Seminars zu Münster uns gegenüber zu solchen Veränderungen des neuen Statuts sich bereit erklärt hatte, welche den Wünschen und Forderungen der beitragenden Gemeinden in genügender Weife entsprechen, beschlossen die Unterzeichneten, eine Versamm- Ämg der Vorstände beider Provinzen zur Besprechung und Beschlußnahme in der Seminar-Frage möglichst zu bewerkstelligen. Unterdeß hat der lobl. Vorstand der Synagogengemeinde zu Köln eine solche Versammlung Behufs der Petitions-Angelegenheit und anderer wichtigerer Fragen, die das Judenthum betreffen, durch Circular auf den 1. November berufen. Wir fchließen uns daher dieser Versammlung an. Da aber voraussichtlich die Petitions-Angelegenheit nur kurze Zeit in Anspruch nehmen kann, weil dieselbe dadurch ziemlich erledigt ist, daß bereits über siebenzig Gemeinden der beiden Provinzen dem mitunterzeichneten vr. Philippson ihre zustimmende Vollmacht erlheilt haben, so erlauben wir uns als wesentliche Tagesordnung vorzuschlagen: die Seminar-Angelegenheit, und zwar: I) die Veränderung des neuen Statuts; 2) soll ein besonderes Seminar ausschließlich für die Rheinprovinz errichtet werden? 3) die Mittel und Wege zur weiteren Fundirung des Seminars. Wir fordern daher auch unsererseits auf's Dringendste zur allseiligen Betheiligung an der gedachten Versammlung auf. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Aachen. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde zu Münster. Rabbiner vr. Philippson in Bonn. Ober-Rabbiner vr. Kahn in Trier. Rechtsanwalt Metz in Petershagen. III. Wir Unterzeichneten sehen uns schon jetzt zu der vorläufigen Kundgebung veranlaßt, daß unsere Ueberzeugung von der Notwendigkeit, in Rheinland ein neues, unabhängiges Lehrer-Seminar zu gründen, durch die Kennlnißnahme von den neuesten auf diese Frage bezüglichen Thatsachen in keiner Weise abgeschwächt worden ist. Vielmehr hoffen wir für unsere auf dieses Ziel gerichteten Bemühungen auch ferner die wärmste Förderung aller derjenigen Glaubensgenossen zu finden, welchen eine wahrhaft religiöse Erziehung und Belehrung des Heranwachsenden Geschlechtes am Herzen liegt. Die Unterhaltung der projectirten Anstalt ist in Folge der in unseren Händen befindlichen Zeichnungen und Zusagen so vieler hochherziger und ehrenwerther Mitglieder unserer und auswärtiger Gemeinden bereits für eine Reihe von Jahren sicher gestellt, und die ferner erbetenen Zeichnungen sollen lediglich zur Versorgung der anfznnehmenden Schüler dienen. Auch ist es uns nicht mehr zweifelhaft, daß die hohe Staats- Regierung dem zu gründenden Werke ihre Genehmigung ertheilen werde. L. Bodenheimer, Ober-Rabbiner in Crefeld. vr. Feilchenfeld, Rabbiner der Synagogen- Gemeinde Düsseldorf. vr. Schwarz, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Köln.