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Der Israelit · 1866-11-07 · Heft 45 (7.11.1866) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 45 (7.11.1866)
Date
1866-11-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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747 sind sie oft genug vorgekommen. Ich wollte das Volk durch Güte besänftigen und verhüten, daß ihm die bewaffnete Macht Schaden zufüge. Ich bin einVolksfreund. (Mit Pathos.) Das Volk ist meinem Herzen werth, ich stamme aus dem Volke, ich liebe das Volk! Präs. : Gn Volksfreund verhöhnt, beschimpft keinen Volksstamm, was Sie, indem Sie pfiffen und „Stribro" riefen, gelhan, ein Bolksfreund führt nicht bübische Streiche auS, ein Volksfreund ... — Angekl. (dem Präsidenten in'S Wort fallend): Herr Präsident, auch die Zeitungen haben „Stibro" gerufen. Männer von Ansehen, von Gewicht, haben „Stribro" gerufen. Präs.: Sie haben die Kommunalwachmänner aufgefordert, die Juden ihrem Schicksale zu überlassen, warum wollten Sie als Volksfreund, daß die Juden schutzlos sein sollten? — Angekl.: Die Polizeiwache selbst war es, die zum Scheine von den Juden abwehrte. das Volk aber mit Worten „wasts je, reste Hs" auf die Juden hetzte. Da rief ich freilich dieser Wache zu, die Juden lieber ihrem Schicksale zu überlaffen. Präs.: Im Volkshaufen wurden Stimmen laut, die Polizei müsse durchgeprügelt werden, darauf riefen Sie: „Halt, es soll ihnen nichts geschehen, wenn sie versprechen, die Juden nicht beschützen zu wollen". Als der Bezirksaktuar erschien, stellten Sie sich an die Spitze des Volkes und verlangten, daß er sich entferne, während er doch Ruhe stiften wollte. — Angekl.: Ich bat nur, er soll von den Waffen keinen Gebrauch machen, damit nicht die Szenen von Horowitz und Hostomitz sich hier wiederholen könnten. Dasselbe that doch auch der Gemeinderath Popel. Das Volk begann erst dann zu toben und zu schreien, als es Blut gesehen hatte. Präs.: Sie wollen sich hier große Verdienste beilegen, die wir nicht einsehen können; hat etwa Ihre Intervention das Volk zum Auseinandergehen veranlaßt? — Angekl.: Es ist wenigstens ruhig geblieben. Präs.: Der Gendarmeriepostenführer Stolz gibt an, Sie hätten ihm gesagt, er soll auf die Leute nicht schießen lassen, dieselben seien keine Hunde. — Angekl.: Ich glaubte ihn in dieser Richtung belehren zu sollen. Präs.: Waren sie hiezu berufen? Die Männer kannten ihre Pflichten. — Angekl.: Aber es fehlte die Praxis. Die Leute hatten die Kravalle bei dm rohen Völkern in Ungarn und Polen nicht gesehm (Heiterkeit.) Präs.: Sie haben dem Volke gesagt, die Gendarmerie hätte kein Recht zu schießen. — Angekl.: Das ist nicht wahr. Nräs.: Der Aktuar sagte aus, Sie trügen viel Schuld an dem Vorgehen des Volkes. — Angekl.: Das ist blos Muthmaßung, aber nicht Beweis. Präs.: Diese Muthmaßung ist doch gerechtfertigt.. Ihr langer Aufenthalt in Schüttenhofen, wo Sie nichts zu suchen hatten, die Geldopser, die Sie zum Ankauf der Pfeifen brachten, das ungemeine Interesse, daS Sie für die Vorgänge auf den Straßen an dm Tag legten, Ihr Erscheinen an der Spitze des Volkes, Ihr Benehmen gegen die Behördm, Ihre Aeußerungen gegen Mathilde Marzik, Ihr Aufstellen vor dem Hause des Daniel Fürth, alle die Umstände vereinigen sich zu einer gewichtigen Anschuldigung gegen Sie. — Angekl.: Das sind lauter Muthmaßungen, aber keine Beweise. Präs.: Ein Volksfreund lacht nicht beim Toben des Volkes, er lucht dasselbe zu beschwichtigen, von bösen Thaten abzubringm. — Angekl.: Ich habe es gethan, leider ohne Erfolg. Präs.: Sie haben Gelegenheit gehabt, dm Haß gegen die Juden zu beobachten, Sie haben gesehm, was den Juden für Drangsale bereitet, wie sie verhöhnt, beschimpft und dann endlich verfolgt wurden, und da gingen Sie noch unter die Volksmenge, schürten dm Haß und vertheiltm Pfeifen an die Burschen. — Angekl.: Es hat mich Niemand mit dem Volke dort verkehren sehen. Präs.: So etwas pflegt man nicht öffentlich, sondern im Geheimen abzumachen. — Angekl.: Ich selbst war es, der die Juden vor Schaden zu wahren suchte. Einem derselben habe ich sogar ein Geschäftsbuch gerettet. Herr Staatsanwalt Nechansky: Sie haben gesagt, die Zeitungen und Männer von Wichtigkeit haben „Stribro" gerufen; wie verstehen Sie das? — Angekl.: Der Redakteur und dis Mitarbeiter der „Narodni Listy" und der „ Humoristiky Listy" sind doch wichtige Leute. Staatsanw.: Wohl möglich, daß dies wichtige Leute sind, sie haben aber nicht unter dem Pöbel „Stribro" gerufen und auch nicht Pfeifen an die Buben vertheilt. — Angekl. : Eben aus eine andere Art. Die „Humoristiky Listy" brachten ein Lied auf die Juden, das wurde in Liedertafeln und in allen Wirthshäusern gesungen. Das Lied wurde mit Wissen und Bewilligung der Censnr gedruckt, und die Sensoren sind doch auch gewichtige Leute. Staatsanw. : Also glauben Sie, daß die öffentlichen Blätter den Haß gegen die Judm angefacht haben? — Angekl.: Ich Hab' das nur gesagt, um mich zu rechtfertigen, so wie die Zeitungen habe ich'S halt auch gemeint. Staatsanw.: Bei welchen Anlässen hattm Sie Gelegenheit, in Kravallen zu praktizirm? — Angekl.: In den Gebirgen der Bukowina, wo ich Vermessungen vornahm und oft ganze Gemeinden dagegen aufstanden. Staatsanw.: Sie stehen also gewissermaßen als Fachmann da, Sie arbeiten in Beschwichtigung von Krawallen, und in Schüttenhofen haben Sie Gastrollen

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