Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1866)
- Date
- 1866-11-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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745 Einwohner, welche Handwerker find und fand, daß fie nicht im Entferntesten daran denken, fich zu weigern oder gar zu schämen, die schwerste Arbeit zu verrichten, wenn es gilt etwas, wenn auch noch so wenig, zu ihrem Lebensunterhalt zu erwerben. Um die Berschiedenartigkeit der Beschäftigung dieser Einwohner einigermaßen -« illustriren, führe ich nur an, daß das Haus Nr. 21 von einem Goldschmidt bewohnt wird, Nr. 12 von einem Schneider, Nr. 13 von einem Bäcker, Nr. 11. von einem Weber, Nr. 5 von einem Zimmermann, Nr. 13 von der Wittwe eines Buchbinders, der unglücklicherweise bei Erfüllung der Mildthätigkeitspflichten gegen die Armen während der Zeit der letzten Epidemie, erlegen; Nr. 15 hat ein Weißwäscher inne, der auch als Koch fungirt, wenn man seine Dienste in diesem Fache verlangt; andere sind Vorbeter in der großen Synagoge oder geben in den verschiedenen Kollegien Unterricht. Diese Beweise von der industriellen Thätigkeit der Israeliten gewahrten mir große Befriedigung. Ich war ebenfalls sehr glücklich, bemerken zu können, wie diese Einwohner und ihre Kinder so frisch und gesund aussehen, umsomehr, weil die meisten derselben nicht im Stande find, fich während der ganzen Woche Fleischspeisen zu verschaffen, was nur für den Samstag geschieht. Diese Pilgerwohnungen stehen in so gutem Rufe, daß oft Einwohner der Stadt um die Erlaubniß nachsuchen, zur Herstellung ihrer Gesundheit einige Tage unter den Insassen dieser Häuschen zuzubringen, und ich fand, daß sogar mehrere der Hinterzimmer, die zu Rumpelkammern bestimmt waren, ohne mein Wissen als Wohnzimmer für verschiedene Familien benutzt wurden. Ich könnte noch größere Details in Bezug auf diese Pilgerwohnungen, ihre Gründung, Verwaltung und Regulative berichten, aber ich befürchte, dadurch diesen Report zu sehr zu verlängern; was ich hier festgestellt habe, wird genügen, das Vortheilhafte der Errichtung noch mehrerer solcher Pilgerwohnungen außerhalb der Stadtmauern zn illustriren — es ist dies ein Gegenstand, auf den ich diesmal noch naher eingehen werde. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspon- -euzen. Deutschland. Aus Altona. Von kompetenter Seite geht uns die Notiz zu, daß in der deutsch-israelitischen Gemeinde die Religionsprüfung für Mädchen am 18. November und für Knaben am 25. November stattfindet. Es find beim Oberrabbiner 47 Mädchen und 38 Knaben angemeldet. Sämmtliche junge Leute werden in nächster Woche von den refp. Lehrern Munk, Wittkower und Goldschmid im Beisein des Oberrabbiners in dem bei jenen Lehrern genossenen Religions-Unterricht geprüft und folgt hierauf an obengenannten Tagen durch den Oberrabbiner die öffentliche Prüfung in der Haupt-Synagoge, bei welcher der vor einem Jahr errichtete Männerchor Mitwirken soll. — Österreichischer Kaiserstaat. Man schreibt aus Mtftek (österr. Schlesien): An dem, am verflossenen Donnerstag abgehaltenen Wochenmarkte, zu welchem sich auch wie gewöhnlich mehrere Juden einfanden (im Orte wohnen blos 9 Familien) wurde auf Anordnung des Gemeindevorstandes, vom Polizeidiener mit Begleitung von Trommelschlag folgende Anordnung zur strengen Darnachachtung laut vorgelesen : „Da es den hiesigen Bürgern unmöglich gemacht wird, an den Wochenmarkttagen wegen der massenhaften Einkäufe der Händler sich auch an dem Kaufe beteiligen zu können und die zu Martte gebrachten Maaren nur für ein theures Geld erstehen können, so wird strengstens bekannt gemacht, daß weder Händler noch Juden vor Schlag 8 Uhr ihre Einkäufe machen dürfen." Der Passus von den Juden wurde von dem behördlichen Herold mit illustrirenden Gestikulationen und höhnischen Grimassen zur Geltung gebracht. Natürlicher Weife fanden diese bei dem Pöbel des Ortes einen kräftigen Nachhall, bald war eine förmliche Katzenmusik in Szene gesetzt und wurden mehrere Juden, welche nicht schnell genug das Weite suchen konnten, recht menschenfreundlich — durchgeprügelt. Daß bei dieser Gelegenheit auch Einbrüche ohne jede Bezahlung gemacht wurden, ist selbstverständlich. , Prag. Bei dem Aufenthalt Sr. Majestät unseres Kaisers in unserer Stadt geruhte derselbe mehreren Glaubensgenossen Ordensauszeichnungen zu verleihen. Den goldenen Verdienstorden mit der Krone erhielten die Herren Gottlieb Bondy und Adolph Schwab, Stadträthe in Prag, ebenso die Herren Abraham Bernhard Bacher und David Zappert, Stadtverordnete in Prag und Sigmund Schlesinger, Generalinspector derAssecuranzgesellschaft „Anker"; den goldenen Verdienstorden: Herr Isak Daniel Pick, Fabrikant in Nachod. G. Pisek, 23. Oktober. (Die Exc esse in Schüttenhofen.) Das Angeklagtenverhör begann mit der Vorführung des, de- Aufruhrs angeklagten Piskaczek, eines buckligen, elegant gekleideten jungen Mannes. Derselbe, in Podiebrad geboren und Sohn eines pensionirten Fouriers, hat die Realschulen absolvirt, dann bei der Katastral - Vermessung in Galizien und Ungarn Beschäftigung gefunden; später wurde ihm auf sein Ansuchen die Konzession für ein Geschäftsvermittlungsbureau in Linverliehen, da er bis