Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1866)
- Date
- 1866-11-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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VII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 45 des Israelit. Leitemder Artikel. Der Gericht Sir Moses Montefiore's über seine Reise in -ns heilige Land. (Fortsetzung.) Die Würdenträger der Stadl, begleitet von einer großen Anzahl Personen aus dem Civil- und Militairstande und viele Kawasse ritten und marschirten an meiner Seite, als ich Jaffa verließ. Als wir nach mehrstündigem Ritte an das Dorf Ramleh kamen, machten wir Halt. Weit von dem Orte entfernt, kam uns schon der Gouverneur mit seinen Truppen entgegen, mit welchen wir in Ramleh einzogen. In dem russischen Hospitz, das uns jeden möglichen Comfort Lot, stiegen wir ab. Montag, den 26. März setzten wir unseren Marsch bis Aboo Goosch fort, welches das Kirjat Jearim der Schrift sein soll, wo Abinadab wohnte, in dessen Hause die Bundeslade, nachdem sie von den Philistern abgeliefert wurde, zeitweise gestanden. Der jetzige Scheich, Mahomed Esfendi Aboo Goosch, ein Mann von großer Autorität und großem Einfluß, schickte seinen Bruder, um uns in sein Haus einzuladen, und kam später selbst, uns seine Gastfreundschaft anzubieten, die wir selbstverständlich mit Vergnügen annahmen. Viele Deputationen waren indessen von Jerusalem und Hebron während der Nacht angekommen, und als wir Tags darauf Aboo Goosch zu früher Stunde verließen, konnte man von den benachbarten Höhen eine beträchtliche Anzahl von Personen bemerken, die ihre Schritte uns zulenkte. Bei dem Dorfe Kolonia*) hatte ich wieder das Vergnügen, unseren ausgezeichneten Consul, Herrn Noel Moore zu treffen, der von Jerusalem gekommen war, mich zu bewillkommnen. Er erzählte mir von den vielen Leiden, die unsere Glaubensgenossen während der letzten Heimsuchung durch die schreckliche Epidemie zu erdulden hatten, und wie sie allgemein sich nach meiner Ankunft sehnen, da sie von derselben pecuniäre Unterstützung erwarten. Dies bewies mir deutlich das Beschwerliche und das Dclicate meines Unternehmens, da dies doch nicht meine Absicht war, und ich vielmehr mich erst recht unterrichten wollte, auf welche Weise die Uebel von der Wurzel aus vertilgt werden könnten, und wie die Hilfe nach und nach, aber desto durchgreifender in Ausführung gebracht werden könne, so daß ich inniglich den Wunsch aussprach: „Möge der Ewige mich leiten und führen." *) Nach den Erklärungen des Talmud und R. Obadjah di Bordinora das Mozah der Mischnah, wo man die Bachwerden zur Feier am Suckothfeste zur Zeit des heiligen Tempels holte. Anm. d. Ueb. Jede Minute brachte neue Ankömmlinge, so daß schon einige Stunden vor der heiligen Stadt die Straße und die Territorien, durch die dieselbe zieht, mit einer großen Menschenmenge dicht besetzt waren. Seine Hoheit, Jzzet Pascha, der Gouverneur Jerusalems, schiltte vierzig Reiter und Kawasse, mit einem Offizier an der Spitze, uns entgegen. Mein alter Freund, Akhmed Agha Dzedar, der frühere Gouverneur unter Mahemmed Ali, kam ebenfalls mit seinem Enkel nebst Gefolge; dann kam der ehrwürdige Chaim David Hasan, der Chacham Baschi, der auf einer schönen arabischen Stube ritt, begleitet von den Mitgliedern seües geistlichen Hofes und von den geistlichen Vorstehern der deutschen Gemeinden, den Rabbinern Samuel Galant, Meier Auerbach un^ allen Mitgliedern des Beth Din. Ich glaube ohne Uebertreibung sagen zu können, daß man hier alle unsere Glaubensgenoffen, die im Stande waren, die Stadt zu verlassen, sehen konnte; ihnen gingen die Repräsentanten der Synagogen, Schulen und Kollegien voran; sie alle riefen mir ein herzliches und lautes „Baruch Habo," „Gesegnet sei der Kommende" zu. An den Seiten der Straße standen Hunderte von Kindern, die hebräische Hymnen sangen, welche eigens zu diesem Zwecke verfaßt worden, die Leiden Zions schilderten und die Hoffnung für Israels Zukunft ausdrückten. Mir fielen besonders vierzig Knaben von der „Simon Edlen von Lämels Stiftung" auf, deren ge sunde und nette Erscheinung und silberklare Stimmen einen angenehmen Eindruck machten. In der That wird Niemand bestreiten wollen, daß die Bewohner des heiligen Landes gegen denjenigen, von dess n Jnterreffe für das heilige Land sie überzeugt find, sehr dankbar und voller Erkenntlichkeit sind. Wir stiegen, da, wo der Pilger zuerst der Zinnen der heiligen Stadt ansichtig wird, ab und verrichteten die gewöhnlichen Gebete; später gingen wir m die Zelte, die der Chacham Baschi für uns hatte Herrichten lafstn. Da es mich jedoch drängte, rn die geliebte Stadt zu kommen, so brachen wir, nachdem wir eimge Erfrischungen eingenommen und einige Hymnen recitirt hatten, wieder auf. Wieder stießen wir auf Personen, die uns an der Hcbroner Straße errvar-ct hatten, und alsdann gemeinsam mit uns zum Jaffathor zogen. An dem Thore angekommen, hiel ten wir wieder, um das Gebet eines der höchsten Synagogenbeamten anzuhören, in welchem Gottes Segen für den Boten aus dem fernen Lande erfleht wurde; die ganze Menschenmenge sagte darauf ein lautes „Amen". Meine erste Pflichtnachdem ich in Jerusalem eingezoaen, war die, in. die Synagoge „Keneses Istamboli" zu gehen und meinem himmlischen Vater zu danken, dafür, daß es mir vergönnt war, Jerusalem