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Der Israelit · 1866-11-07 · Heft 45 (7.11.1866) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 45 (7.11.1866)
Date
1866-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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740 sen Beschluß unter dem 29. October 1852 wieder auf." Zkaate«, im Oct. Cs gereicht mir zum besondern Vergnügen, Ihnen heute von einem Zug edler Humanität und vorurtheilsfreier Menschenliebe berichten zu können. In dem nahegelegenen Städtchen Alpen macht die dortige kleine jüdische Gemeinde, die größtmöglichste Anstrengung um sich ein würdiges Gotteshaus Herstellen zu lassen. Als nun dieser Tage der dortige katholische Lehrer, Herr Wolfs, auf einer Ferienreise begriffen, auch Frankfurt berührte, suchte er daselbst, unaufgefordert, eine Collecte zu Gunsten des Synagogenbaues zu veranstalten; das Resultat, 54 Thlr, hat Herr W. mit größter Freude, dem Vorstände eingehändigt. — Solch' eine That, die als schönes Zeichen der Zeit betrachtet werden darf, liefert den deutlichsten Beweis von der echten Humanität, von der wahren Religiosität des Herrn Wolfs, der in der Menschenliebe und Nächstenhilfe keinen Unterschied der Consessionen kennt. Noch Viele solcher Schulmänner und bald wird Consessions- und Religionshaß als überwundener Standpunkt zu betrachten sein. Das walte Gott! L. Ellmann. Frankreich. Paris. Baron Emil Erlanger ist an Stelle des verstorbenen Herrn Maxime Bcy zum griechischen Consul in Paris ernannt worden. Australien. Melbourne. Die Bourke - Street - Gemeinde veranstaltete jüngst eine Subscription zur Deckung der Gemeindefchuld, die 1500 L. beträgt. Viele Christen betheiligten sich an dieser Subscription in der liberalsten Weise. Unter denen, die vor dem neuen Gouverneur zuerst Audienz hatten, befand sich unser Rabbiner, Herr M. Rintel. Feuilleton. Haphtara Isnah. (Fortsetzung und Schluß) IV. Das Muffaphgebet war fast vorüber; die Schilderung des heiligen Tempeldienstes hatte ihres Eindruckes auf alle Beter nicht verfehlt. Auch Raphael hatte auf den Knieen gelegen und inbrünstig zu Gott gebetet. Seine ganze, trostlose Lage war mit aller Macht ihm vor Augen getreten; der einzige Mensch, von dem er Hilfe erwartet hatte, lag stumm im Grade an der Seite der ihm längst vorangegangenen Gattin; die Kinder waren in Amerika; so stand er ganz allein in dieser fremden Stadt, nicht einmal dis Mittel zur Heimkehr besitzend; daheim Mutter und Braut in trostloser Armuth und dazu noch eine drückende Schuldenlast. .-ww.-i'? Win „Laß Dein Licht strahlen der Finsterniß!" betete er innig mit dem Vorbeter. Da fühlte er sich am Aermel gezupft. .Kommt in den Hof, ich habe Euch was zu sagen!" flüsterte eine ihm unbekannte Stimme. Er folgte der Aufforderung; draußen harrte seiner ein alter Mann. „Könnt Ihr die Haphtauroh Jaunoh sagen?" fragte ihn dieser. „„Wohl kann ich Las, "" entgegnete Raphael. „Könnet Ihr sie gut vortragen?" „„Ich hoffe es; ich habe als Kind „gelernt".—"" „Nun wohl, so werde ich Euch dazu aufrufen lassen? „„Wie komme ich alsWemder zu dieser Ehre?"" „Ich habe eine Bedingung zu stellen: Ihr müßt mir einen Mischaberach machen lassen und dabei 1000 fl. für das neuzuerbauende Krankenhaus geloben." „„Sie scherzen, mein Herr; ich bin keine tausend Heller reich und soll tausend Gulden geloben?"" „Ich scherze durchaus nicht; natürlich werde ich die tausend Gulden bezahlen. Ihr seht mich zweifelnd an? Nun, was liegt Euch daran? was kann man Euch thun, selbst wenn ich sie nicht zahle? —" „„Sie beleidigen mich mein Herr! Ich bin gewohnt, nur das zu versprechen, was ich halten kann und will; um wie viel mehr werde ich an heiliger Stätte am heiligen Jom Kippur nur das geloben, wovon ich überzeugt bin, daß es erfüllt wird. —"" „Nun, nun, ich verspreche Euch hiermit, Euch morgen tausend Gulden zu geben, die Ihr dann dem Vorsteher des Hospitals abliefern könnt. Ich heiße Löb Rimbach; fragt wen Ihr wollt, ob ich mein Wort halte, und wenn Einer sagt: „Nein," io gelobet nichts. — Noch eins, was wir da eben gesprochen, bleibt für's Erste noch unter uns. Wie werdet Ihr zur Thora' gerufen? „Rephoel den Moscheh." „„Nun gut, geht jetzt hinein und seht Euch die Haphthora noch einmal durch."" Als nun die Zeit herankam, da Maphtir aufgerufen werden sollte, erwartete man allgemein, Rimbach würde den auf's Neue mit ihm versöhnten Herz Rosenbaum aufrufen lasten; wie erstaunt war man aber, als ein völlig unbekannter Raphael, Sohn Mosis, hervorgerufen wurde. „Das ist schändlich," murrte man, „einem fremden Handwerksburschen Haphthauoh Jauno mechabbcd zu sein;*) das ist eine Beleidigung ge- ) zu verehren.

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