Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1866)
- Date
- 1866-10-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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724 Der leitende Artikel in Nr. 42 des „Israelit", Welcher die am 20. k. M. stattfindende Wahl eines Oberrabbiners des Centralcovsistoriums bespricht, hat hier allgemeines Aufsehen erregt. Die Zeitung wanderte von Hand zu Hand, und wer der deutschen Sprache nicht mächtig ist, ließ sich den Artikel in's Französische übersetzen — er war aber auch fast Allen, die ihn lasen, wie aus der Seele gesprochen. Möge der allgütige Gott gnädiglich über uns walten und Alles zum wahren Heile des Judenthums fügen! Ihn, den Vater, ehren Alle, Sucht der Mensch in Freud' und Schmerz; Ob er in die Kirche walle, Ob auch nach der Tempelhalle, Aechter Tempel ist das Herz. — Brüder! reichet Euch die Hände, Reichet sie zum Bruderbund! Wo ein Herze auch sich fände, Das der Gottheit Ruf verstände, Nehmt es auf mit Hand und Mund. Feuilleton. Zitvon -Ubrslisi»» I. Die heilice Genossenschaft.') Freunde! reichet Euch die Hände, Reichet sie zum Bruderbund! Draußen trennen uns die Stände, Baut der Wahn die Scheidewände, Einet kaum die Todesstund'. Als der Schöpfer ^chuf die Welten, Schuf das Erd- und Himmelreich, Sollten wohl die Stufen gelten Die zum Throne Ihm sich stellten, Doch die Menschen schuf er gleich. — In der Kräfte heimlich Walten Bleibet dieß Gesetz bewahrt: Will das Pflänzchen sich entfalten, Will das Thierchen sich gestalten, Wird es nur aus seiner Art. Doch das edle Geisterleben Schuf die Gottheit sich zum Bild; Jedem Menschen isi's gegeben, Vor- und aufwärts frei zu streben, Werse, kräftig und doch mild. 1) Chulin 92,?r. „Die Erhaltung der Wett beruht auf dem Dasein von 75 Gerechten, die (wie es an einer andern Stelle heißt) täglich vor Gott erscheinen dü-.fen, und zwar 45 in Israel und 30 außerhalb Jraels." — (Succah 45, d. hat 36. — Ber. rab. par. 35 hat 30. — Pirke R. Elies. Cap. 25 hat nach 1. B. M. l8, 24 die Zahl 50. - II. Denn Israel verwittwet nicht?) Ist auch eine Sonn' erloschen, Ist ein Kämpfer auch gefallen; Ist ein Priester auch gestorben, Israel! in Deinen Hallen! — Ist auch eine Sonn' erloschen, Die geleuchtet Dir in Klarheit; Ist ein Kämpfer auch gefallen, Der gestritten Dir für Wahrheit; Ist ein Priester auch gestorben, Der zur Gottheit Dich gesühret, Der Dich Gottes Wort gelehret Und das Herz Dir fromm gerühret! — Ist auch eine Sonn' erloschen, Scheint die Nacht schon angesangen; Ist ein Kämpfer auch gefallen, Eh' der Kanrpf zu End' gegangen; Ist ein Priester auch gestorben, Israel! in Deinen Hütten, — Laß darum die Thränen fließen, Doch das Band ist nicht durchschnitten. — Eine Sonne ist erloschen, Doch ihr Strahl ist Dir geblieben; Und ein Kämpfer ist gefallen, — Doch die Schaar wird nicht zerstieben; Und ein Priester ist gestorben, — Aber an der heil'gen Stelle, Wo das Feu?r Gott gezündet, Lodert's fort in heit'rer Helles) — 1) Jerem. 51, 5. — Vergl. Der. rab. par. 58. — Kohel. rab. zu i, 5: „Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter" — bevor die Sonne des einen Frommen untergeht, geht schon die Sonne eines andern auf." — 2) 3. B. M. 6. 6. — Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchtzandlung. — Dampf-Schneüprefsenvruck von I. Gottsleben in Mainz. Hier»« zwei Beilage«.